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Britte Eyfried nutzte den geschützten Rahmen in der Reha, um seelisch zu verarbeiten, dass sie nicht mehr arbeiten kann.

Sie hatten gesagt, dass Sie im Vorfeld schon länger die Überlegung bewegt hat: Wie geht das mit der Arbeit weiter? Und dann ist Ihnen dort so ganz klar gesagt worden, so geht es nicht weiter.
Genau. Sehr klar.
Wie war das für Sie?
Shocking. Also ich habe sehr viel geweint in der letzten Reha. Ich bin sehr in mich gegangen. Ich habe den [See] noch mal ganz anders erfahren, nämlich: Also der [See] hat immer was sehr Wohltuendes, kann ich nur beschreiben so. Aber der See war letztes Jahr, war dieses Mal im September, Oktober einfach auch noch mal ganz arg wichtig. Einfach das Draufblicken, das Ins-Wasser-Blicken.
Manchmal bin ich nur von meinem Zimmer auf den Balkon. Es gibt bei dieser Reha-Einrichtung so einen umlaufenden Balkon. Und ich hatte eben, es gibt einige Zimmer, die nach vorne rausgehen, zur Straße raus. Aber die meisten Zimmer, so 70, 80% gehen wirklich zum See raus. Und ich hatte auch wieder dieses Jahr ein sehr schönes Zimmer, was eben zum See rausging. Und ich saß wirklich oft auf dem Balkon und habe in den See geguckt. Und habe einfach so einen gewissen Trost und Zuspruch erfahren, denn die Erfahrung war sehr hart. Das war so.
Aber ich muss auch sagen, wenn ich ganz ehrlich bin, ich glaube, ich brauche es manchmal so, dass mir auch eins vor die Nase gibt. Also so bestimmte Dinge müssen mir auch knallhart gesagt werden, damit ich sie auch wirklich mir so bewusst angucke. Und ich glaube, ich hätte es mir nicht so bewusst angeguckt, wenn ich es nicht knallhart gesagt bekommen hätte. Das war hart, aber es war gut so. Und die Reha bietet ja diesen geschützten Raum, in dem so was aufgefangen wird. Also ich hätte jeder Zeit die Möglichkeit gehabt, also ich hatte immer bestimmte regelmäßige Termine mit dem Psychologen, mit dem Arzt. Ich glaube aber, wenn ich gesagt hätte, ich brauche das Gespräch jeden Tag, dann hätte ich es auch bekommen. Aber dadurch, dass das so, ich möchte mal sagen, so alle drei, vier Tage stattfand, einmal mit dem Psychologen, einmal mit der Ärztin, einmal auch mit dem Chefarzt; es war auch gut, dass zwischendrin eben auch Zeit war zur Reflexion. Zeit war für körperliche Therapien. Zeit war, wo man gar nicht drüber nachgedacht hat. Zeit war, um rauszugehen an den [See], für sich alleine. Oder eben auch mal ins Kissen zu weinen und seinen Abstand zu haben. Dadurch, dass der geschützte Raum all diese Möglichkeiten geboten hat, die eben der Alltag sonst nicht bietet, konnte ich diese, wie soll ich sagen? Diese harte Erkenntnis auch verarbeiten, auf jeden Fall. Oder auch Mitpatienten, oder vielerlei Möglichkeiten bietet der geschützte Raum einer Reha, die man so in seinem Alltag eben nicht hat. Auch deshalb ist eine Reha gut, weil man ist wie so in einem Kokon aufgehoben. Und wenn man sich halbwegs wohlfühlt in der Reha-Einrichtung, wie gesagt, das war in den ersten beiden Rehas nicht immer so gleich von Anfang an, dass ich das Gefühl hatte, das ist ein Raum, wo ich mich gut ausgehoben fühle. Das war eben nicht so am Anfang. Aber dort am [See] war es eben so. Sowohl letztes Jahr wie auch dieses Jahr. Dass ich das Gefühl hatte, ich kann da auch meinen Seelennöten den nötigen Raum geben, um mir das anzuschauen und damit ja auch klar zu kommen. Kann man sagen.

Rehas bei multipler Sklerose und Depression

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