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Tova Goldblum ist der Meinung, dass zu wenig über Sexualität gesprochen wird.

Hat sich das Bedürfnis nach Sexualität irgendwie durch die Medikamente verändert?

Nein. Ich war eine heiße Frau früher und ich bin eine heiße Frau auch heute. Nein. Weil ich sehe- wenn ich einmal zur Kur gehe und wenn es dazu kommt, also nein. Also bei mir nicht. Ich muss dazu sagen, man hat mir damals gesagt, mit bestimmten Medikamenten vielleicht kriege ich eine trockene Scheide. Also ich habe keine trockene Scheide, ich kriege einen trockenen Mund, ich muss mehr trinken, aber keine trockene Scheide kriege ich. Nein, nein, bei mir hat sich das nicht geändert.

Man könnte auch eine Aufklärung für Männer andenken?

Ja, man könnte auch eine Aufklärung für Männer machen, aber das Problem ist noch einmal, wenn jemand nicht mit dieser Erkrankung konfrontiert ist, ist es für ihn sehr schwer, das zu verstehen. Weil das ist eine Angst- das ist Trockenheit und manchmal ist die Frau erst 40 oder 50. Sie hat so eine Trockenheit in der Scheide und der Mann versteht nicht warum und weshalb und da muss man ein bisschen Hilfsmittel- und das ist für Männer: "Ich bin- und ta-lü-la-la" und so Sachen.
Und da ist irgendwie in der Männerwelt zu wenig über Sexualität überhaupt gesprochen worden und darüber, dass nicht immer der Akt am Schluss das Wichtigste ist, sondern viel, viel mehr dazwischen und so. Wir versuchen, bei Partnerschaften ein bisschen darüber zu sprechen, dass die Frauen mit den Männern sprechen, dass sie sagen: "Ich brauche Streicheleinheiten, ich brauche nicht den End-Akt, sondern ich brauche das Vorher." Oder wenn der End-Akt kommt, ist es in Ordnung, aber das ist nicht das Wichtigste, sondern ein Mann muss es auch annehmen, genau wie die Frau ihren Körper annehmen muss. (...)
Das ist in unserer Gesellschaft- über die Sexualität wird überhaupt zu wenig gesprochen oder überhaupt zu wenig erklärt- dass nicht- ich würde jetzt so ganz brutal sagen, das Hereinstecken in die Scheide, das ist das Glück. Nein, das ist nicht das Glück. Das Glück ist viel vorher, das Spiel vorher, viele Sachen vorher sind viel, viel wichtiger. Wenn es dazu kommt und wenn es gut ist und wenn jemand nicht leidet und nicht zu eng und nicht zu trocken ist und nicht was weiß ich, dann ist es auch schön und gut. Aber wenn diese Sachen alle nicht geklärt sind und nicht darüber gesprochen wird, dass die Frau sagt: "So kann ich nicht, ich muss vielleicht hinten oder vorne oder auf der Seite und so." Und viele trauen sich nicht, etwas zu sagen, weil sie haben Angst, wenn sie es den Männern sagen. Es ist kein Wunder, dass man sagt, dass viele Frauen überhaupt keinen Orgasmus haben, weil sie nicht sagen, was sie wollen oder was ihnen gut tut und so. Und wenn es Sex ist, ist es zwei Mal, dann ist es ein Problem, das noch mehr davon kommt. Und wenn jemand erkrankt ist, zwei Mal ein Problem, weil viele trauen sich nicht. Erst nehmen sie sich selbst nicht an und das ist etwas, das sehr wichtig ist, dass die Frauen lernen zu sagen: "Ich bin nicht zwei Fetthügel." Oder: "Ich bin nicht eine Gebärmutter, die heute nicht mehr funktioniert, weil sie draußen ist."

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