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Claudia Kressmanns Tochter war geschockt und ihr Ältester spricht erst mit 30 über seine Ängste von damals.

Als ich im Krankenhaus gelegen habe und operiert war und die Brust abgenommen war, da habe ich es den Kindern nicht gesagt. Also ich lag da praktisch drei Wochen im Krankenhaus und die wussten, ich bin operiert, die wussten ja nicht, woran ich operiert bin. Die wussten, Mutti ist krank und wird auch noch krank entlassen. Die sind ja jeden Tag zu meinem Krankenbett gekommen und dann ist irgendwie meine Tochter- ich weiß nicht, ob sie sich mit meiner Mutti gestritten hat, jedenfalls war hier zuhause ein bisschen Terror, weil sie baden gehen wollten, genau, aber es war kein Badetag. Die wollten aber baden gehen, also haben sie meine Mutter genervt, sodass die dann gesagt hat: "Okay, dann geht doch baden." Und dann sind sie baden gegangen und dann ist natürlich ein Unfall passiert. (…)
Und dann kamen sie und natürlich- geheult, alle beide, weil sie wussten, sie haben etwas falsch gemacht. Sie hätten gar nicht baden gehen brauchen, weil wirklich kein Badewetter war. Und da habe ich mich halt so darüber geärgert, dass sie nicht auf die Oma gehört haben. Da habe ich dann gesagt: "Eigentlich müsstet ihr schon so weit sein, dass ihr versteht, dass ich krank bin und dass ich auch krank nach Hause komme." Und: "Ich habe Krebs." Das ist einfach so aus mir rausgefallen. Da hat meine Tochter natürlich gleich angefangen mit Heulen.
Mein Sohn hat das ja im Vorfeld schon mitgekriegt, hier zuhause, als ich da geguckt habe, was das heißt, 'Karzinom', und 'Tumor' und 'die Haare fallen aus'. Da hat [Name des jüngeren Sohnes] schon immer gefragt, der wusste das eigentlich im Prinzip schon, aber [Name der Tochter] noch nicht. Die hatte das da zu dem Zeitpunkt nicht mitgekriegt. Und da hat sie dann nur gefragt: "Aber Du wirst wieder gesund, oder?" Ich sage: "Na klar, werde ich wieder gesund." Das war eigentlich noch eine wichtige Aussage für die Kinder, weil man kann denen nicht sagen: "So, ich habe jetzt Krebs, kommt mal damit klar, 'friss oder stirb'." Nein, man muss dann auch sagen: "Es wird noch eine schwere Zeit, aber ich werde wieder gesund." Da war sie doch schon geschockt und hat geheult. [Name des jüngeren Sohnes] nicht mehr, der hatte das eigentlich schon für sich verstanden, was das ist. (…)
 
Und der Älteste?

Der war vierzehn. Nein, der hat nicht gefragt. Er hat sich ausgeschwiegen zu dieser Sache. Der hat nicht nachgefragt, der hat nur das, was er gehört hat, aufgenommen, aber er hat nicht darüber gesprochen. Der hat überhaupt nicht darüber gesprochen. Der hat sich seine Gedanken gemacht, mit 30 hat er das erste Mal darüber gesprochen, dass er auch Angst hatte, dass seine Mutter sterben kann. Das konnte er erst mit 30 Jahren sagen, das muss man sich mal überlegen, der wird jetzt 32. Der hat vorher nie darüber gesprochen.

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