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Anke Schwartz fühlte sich zunächst wie eine laufende Maschine und konnte nicht weinen.

Jetzt haben Sie vorhin noch gesagt, Ihre Tochter ist ganz wichtig. Das fände ich natürlich jetzt sehr spannend: Wie haben Sie ihr Ihre Diagnose beigebracht? Sie hat ja die Geschichte mit ihrer Oma mitbekommen?
 
Ja. Erst gar nicht. Ich bin nach Hause gekommen, sie hat mich gefragt: "Alles in Ordnung?". Da habe ich gesagt: "Ja." Und habe kein Wort mehr gesagt. Da wusste sie aber schon, dass nicht alles in Ordnung ist. Sie ist so ein Antennenmensch, sie spürt also, wenn da irgendetwas nicht in Ordnung ist. Und am nächsten Tag habe ich es ihr dann gesagt, emotionslos. Als hätte ich gesagt: "Ich kaufe mir morgen eine neue Busfahrkarte." Sie musste das natürlich erst einmal hinnehmen. Sie hat dann gesagt: "Wie geht es weiter?" Ich habe ihr alles gesagt. Nach ein paar Tagen hat sie mir voller Wut vorgeknallt: "Du bist fast so, als wenn es Dich gar nicht interessiert. Du zeigst keinerlei Regung. Du weinst nicht, Du schimpfst nicht. Es ist fast so, als ob es Dich nicht betrifft." Sie hat das aber in einer Wut vorgebracht, dass sie mich- dass mich das wirklich dahin geführt hat, dass ich dann endlich auch einmal geweint habe. Bis dahin habe ich das so hingenommen und habe die Maschine eigentlich laufen lassen. Ich habe das alles gemacht, aber ich habe keine Reaktion gezeigt. Sie hat mich dann damit zum Weinen bringen können. Dann hat sie gesagt: "Gott sei Dank, jetzt reagierst Du mal wieder."
Ich habe das gar nicht gemerkt. Für mich war das einfach: Ja, es ist so und jetzt muss das und das und das gemacht werden und das und das muss organisiert werden und gut ist. Und das war meine ganze Reaktion darauf. Mehr war gar nicht drin. Ich kann jetzt nicht sagen, dass mich das Ganze so dermaßen schockiert hat, dass ich da aus allen Socken gekippt bin. Es ist einfach- ich habe es einfach hingenommen. Ich habe es hingenommen und habe gesagt: "So und jetzt müssen wir dieses und jenes machen und das muss gemacht werden und das." Aber für Emotionen war da überhaupt kein Platz in dem Moment. Aber dann, als sie mich so weit hatte, dann habe ich allerdings sehr lange gesessen und geweint. Es hat auch nichts geändert, aber es hat irgendwo natürlich befreit. (…)
Eigentlich war mein Körper wie ein Statist. Der ist da und andere sagen, was ich damit zu machen habe. Denn ich habe meinen Körper eigentlich nur den anderen immer hingeschoben: "Macht dies damit, macht das damit. Ihr habt gesagt, das muss gemacht werden. Dann machen wir das auch." Aber es war ein Gefühl, als wenn ich gar nicht davon betroffen war. Und das ist das Schwierige auch bei mir, dass ich mir wirklich manchmal eben auch die Zeit nehmen muss, mir selber auch darüber im Klaren zu sein. Und genau das habe ich eben auch gemacht.

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