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Die Erfahrungen von Peter Engel

Portrait Peter Engel ist pensioniert, verheiratet und zum Zeitpunkt des Interviews 72 Jahre alt. Die Prostatakrebsdiagnose erhielt er 2002 am Ende seiner Berufstätigkeit. Die danach eingetretene Depression belastete seinen Behandlungsweg zusätzlich. Im Laufe seiner Krebserkrankung kam Peter Engel das erste Mal mit einer Selbsthilfegruppe in Kontakt, deren Leitung er später übernahm.

Nachdem Peter Engel vor etwa zehn Jahren durch eine PSA-Wertmessung und eine Biopsie Prostatakrebs diagnostiziert wurde, sei er in ein tiefes Loch gefallen: Er fühlte sich wie in Watte gepackt, fast autistisch und war sehr auf sich selbst bezogen und weinerlich, beschreibt Peter Engel seinen damaligen Zustand. Besondere Unterstützung erhielt er von seiner Ehefrau, einer Selbsthilfegruppe und einem Psychotherapeuten, wo er sein „Päckchen“ mit Schuldgefühlen und depressiven Gedanken abladen konnte.

Durch die Krebserkrankung hat sich Peter Engel intensiv mit seinem eigenen Körper auseinandergesetzt und erkannt, dass er nach und nach wieder Vertrauen zu ihm aufbauen muss, welches er vor allem durch die Inkontinenz, die nach der nervenschonenden Operation eintrat, verloren hatte. Die Inkontinenz erlebte er als Schock und er sei dadurch immer noch eingeschränkt. Peter Engel empfindet diesen Zustand als sehr belastend und fühlt sich dadurch in das Stadium eines Kinders zurückversetzt.

Zeit ist für Peter Engel ein entscheidender Faktor in der Krebstherapie. Er finde es wichtig, nichts zu überstürzen und zwei Stoppschilder einzuhalten: Eines stehe vor der Biopsie, da man sich als Patient zunächst der Konsequenzen des Ergebnisses bewusst werden sollte. Das andere befinde sich vor der Operation: Es ist das Recht und die Pflicht eines jeden Betroffenen, sich hier eine Zweitmeinung einzuholen, so Peter Engel.

Vor der Prostatektomie fragte sich Peter Engel, ob er diese überleben werde und setzte ein Testament auf. Nach diesem „stellvertretenden Sterben“, wie er die Operation nennt, fühlte er große Dankbarkeit und lebt heute bewusster. Er lehne es ab, die Krebsbehandlung als Kampf zu bezeichnen, aus dem man als Gewinner oder Verlierer herausgehen kann. Für ihn war es wichtiger, mit seinem Therapeuten positive Gedanken aus der Erkrankung zu entwickeln: Peter Engel sei stolz, so eine Erfahrungen gemacht zu haben und sich dadurch mit bestimmten Themen, wie zum Beispiel das eigene Lebensende, erfolgreich auseinandergesetzt zu haben. Er hat sich als Person verändert und erkannt, dass aus dieser besonderen und existentiellen Lebenssituation Kräfte gewachsen sind, die er vorher nicht hatte.

Das Interview wurde Anfang 2013 geführt.

 

Alle Interviewausschnitte von Peter Engel

Peter Engel spricht von einem traumatischen Erlebnis, was danach eine Depression auslöste.

Peter Engel findet, dass man sich abgewöhnen muss, dass männliche Sexualität nur auf den Penis und die Erektion bezogen ist.

Für Peter Engel waren die Informationen im Internet frustrierend viel, dennoch konnte er vieles gebrauchen.

Peter Engel brauchte etwas Zeit und gewann schließlich langsam wieder Zutrauen in seinen Körper.

Peter Engel erinnerte sich mit der Diagnose an die Situation seines an Krebs verstorbenen Vaters.

Peter Engel findet, dass er seine wesentliche Lebenszeit hinter sich hat, will aber nicht jeden Tag daran denken.

Peter Engel konnte mit Hilfe der psychoonkologischen Unterstützung Kraft aus der Erfahrung der Krebserkrankung ziehen.

Peter Engel unterscheidet entlastende Gespräche und Psychotherapie.

Peter Engel half eine intensive Gesprächstherapie in Kombination mit Medikamenten.

Peter Engel arbeitete weiter, was ihm Spaß machte, aber dennoch belastend gewesen sei.

Peter Engel empfand die Inkontinenz als Versagen seines Körpers und er grübelte, ob es jemals besser werden würde.

Peter Engels Freundeskreis ordnete sich neu, einige unterstützten ihn, andere bewährten sich nicht als Freunde.

Peter Engel fragte direkt, wie viele Operationen schon gemacht wurden. Außerdem wollte er in der Umgebung bleiben.

Für Peter Engel war die Operation wie ein stellvertretendes Sterben. Am Ende hat er Dankbarkeit empfunden.

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