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Herausforderungen und Schwierigkeiten

Im Verlauf der Reha machten alle unsere Interviewpartner Erfahrungen mit unerwarteten, belastenden, ärgerlichen oder schwierigen Situationen. Wenn es gut lief, empfanden sie diese Situationen als eine Herausforderung, aus der sie selbst gestärkt hervorgingen. Es gab aber auch die Erfahrung, dass bestimmte Dinge oder Abläufe die Reha deutlich erschwerten und als hinderlich für die eigene Genesung erlebt wurden. Hilfreiche Ideen und Tipps der Erzähler für einige der Problembereiche finden sich unter Empfehlungen an künftige Rehabilitanden.

 

Anders als erwartet und erhofft
Einige unserer Interviewpartner erzählten, dass sie die Reha anders erlebten, als sie es erwartet oder erhofft hatten oder als sie es aus einer früheren Reha gewohnt waren. Manche entschieden sich, für die eigenen Bedürfnisse zu kämpfen, andere für das Durchhalten. Manche ließen sich von der Familie, dem Reha-Personal oder Mitpatienten aufbauen und trösten oder versuchten, die eigenen Erwartungen oder Ansprüche zu senken.

Ana Schulze ärgerte sich in der zweiten Reha, weil sie nicht das bekam, was ihr in der ersten Reha gut getan hatte, und entwickelte daraufhin mehr Eigeninitiative.

Heike Tschirner erzählt, dass sie die Klinik wegen mangelnder Hygiene beim Gesundheitsamt meldete.

 

Hürdenreicher Weg in die Reha
Für manche unserer Erzähler stellte es einen schweren Schritt dar, die Notwendigkeit einer Reha einzusehen, sich dafür zu motivieren und Hilfe von anderen annehmen zu müssen (siehe Anlässe für eine Reha).

Die Beantragung der Reha stellte für einige eine große Hürde, für andere einen Kampf dar (siehe Beantragung der Reha). Manche erzählen, wie sie auch das Warten auf den Reha-Termin schwierig fanden. Sich von Zuhause frei zu machen und alleine aufzubrechen, war für manche fast wie Urlaub und Abenteuer, für viele stellte es aber eine große Herausforderung dar (siehe Bevor es losgeht).

Melanie Brenk empfand die Zeit vor der Reha als sehr stressig.

Claudia Frohwein hätte die Reha im letzten Moment fast abgesagt.


Probleme beim Ankommen und Hineinfinden
Fast alle unserer Erzähler berichten, dass sie eine Weile brauchten, um sich in der Reha einzufinden. So mancher fragte sich in den ersten Tagen „Was will/soll ich hier?“, weil die ersten Eindrücke von der Atmosphäre oder von schwerkranken Mitpatienten abschreckend waren. Freundliches Personal und erste positive Kontakte mit den Mitpatienten erleichterten das Ankommen (siehe Ankommen und Einleben in der Reha).

Julia Sommer bat um ein anderes Zimmer, weil sie sich durch die Laute der pflegebedürftigen Patienten in der Etage unter ihr gestört fühlte.

 

Fehlende heilsame Atmosphäre
Die Atmosphäre in der Reha-Einrichtung spielte für viele unserer Interviewpartner eine ganz wesentliche Rolle. In positiver Weise trug sie dazu bei, dass sie sich willkommen und gut untergebracht fühlten (siehe Was in der Reha gut getan hat). Einige fanden sie jedoch auch unangenehm und es kostete sie Kraft, in diesem Umfeld zu gesunden.

Hans Guckt hätte sich nach seinem Unfall einen Rahmen mit mehr Geborgenheit und Schönheit zum Genesen gewünscht.

Katharina Maulwurf findet, dass Essen dazu beitragen kann, sich auf die Reha einzulassen. Einmal machte sie sehr schlechte Erfahrungen.

 

Mangelnde oder schwierige Kontakte zu den Mitpatienten und Heimweh
Einzelne berichten, dass sie auch im Verlauf der Reha Mühe hatten, die z.T. schwerkranken Mitpatienten um sich zu haben, weil sie sich selbst nach mehr Gesundheit sehnten. Manche erzählen, dass sie sich von Mitpatienten abgrenzen mussten, die für ihren eigenen Geschmack zu viel und zu ausschließlich über Krankheitsthemen sprechen wollten (siehe Erfahrungen mit Mitpatienten).

Einige unserer Interviewpartner erzählen davon, ihren Partner oder die Kinder vermisst zu haben oder dass es für sie nicht leicht war, von Zuhause länger weg zu sein (siehe Bedeutung der Reha für Partnerschaft und Familie).

 

Anhaltende körperliche Beschwerden und schmerzhafte Bewältigungsprozesse
Von der Erfahrung, dass ihre Beschwerden nicht besser wurden oder sich sogar zunächst durch das Training verschlimmerten, berichten einige unserer Erzähler. Sie lernten, dass sie mehr Geduld und konsequentes Training/Therapien benötigen würden als erwartet. Manche erfuhren in der Reha zum ersten Mal, dass sie auch dauerhaft nicht beschwerdefrei und weiterhin eingeschränkt sein würden.

Michael Hanter war zunächst enttäuscht, als die Ärzte ihn in seiner Hoffnung auf Schmerzfreiheit bremsten.

Die Reha war für viele ein Zeitraum, in dem sie sich über ihre gesundheitliche Situation mit ihren Auswirkungen klar werden mussten (z.B. nicht mehr arbeiten zu können) oder andere Verluste betrauerten. Das konnte zwar heilsam sein, war aber zugleich nicht einfach. In dieser verletzlichen Phase und diesen schmerzhaften Prozessen fühlten sich viele in der Reha sehr gut aufgehoben und behutsam unterstützt.

Oliver Schmittke erzählt, dass er bis zur Reha seinen Schlaganfall bagatellisiert hatte. Nach einem emotionalen Zusammenbruch in der Reha konnte es wieder bergauf gehen.

 

Stress, Zeitdruck und einengende Regelungen
Manche fühlten sich gehetzt oder gestresst, weil die Reha für sie zu früh kam und sie von den Behandlungen aufgrund ihrer Einschränkungen nur bedingt profitieren konnten oder weil das Programm zu anstrengend und zu schlecht koordiniert war (siehe Mitsprachemöglichkeiten, Reha-Ablauf und Behandlungsplan, Umgang mit Anwesenheitspflicht und Kontrolle).

 

Probleme mit dem Reha-Personal: Unterbesetzung, mangelnde Mitsprache und Fehlbehandlung
Viele erzählen von einem Therapeuten- und Pflegekräftemangel und von Reha-Mitarbeitern, die überlastet, gestresst und unter Zeitdruck schienen oder einfach unfreundlich und inkompetent wirkten. Aufgrund von Unterbesetzung, Ferienzeiten oder erkranktem Personal kam es zu Engpässen, Fehlplanungen und es fielen Behandlungen aus.

Adeline Whisper erlebte wenig aufmerksame Pflegerinnen, von denen sie mit ihrer Lähmung falsch anzogen wurde.

Birgit Voigt fand die Visiten sehr gehetzt und unangenehm.

Manche Erzähler fanden die Gesprächsmöglichkeiten mit dem ärztlichen Personal sehr knapp und hätten sich eine engmaschigere Behandlung gewünscht (siehe Botschaften an das Reha-Personal). Einige fühlten sich in den Therapien unter- oder überfordert und fanden Wege, den Behandlungsplan zu ändern (siehe Mitsprachemöglichkeiten in der Reha). Einige unserer Interviewpartner erzählen, dass ihnen einzelne Behandlungen nicht gut taten. Andere hatten Probleme, die eigenen Ziele oder Bedürfnisse mit den Behandlern abzustimmen.

Margot Kirsch erzählt, dass sie nach der Elektrotherapie Verbrennungen hatte und die Behandlung beendete.

Nadine Baumann erzählt, dass sie sich vom Arzt in die Psycho-Ecke gedrängt fühlte. Sie entschied, die Reha nach zwei Wochen abzubrechen.

Für Hans Guckt war es schwer, dass Reha für ihn etwas Anderes hieß als für die Ärzte: Er wollte wieder Laufen lernen und sollte Rollstuhltraining machen.

 

Probleme nach der Reha
Einige unserer Erzähler hatten Angst vor der Heimkehr (siehe Verlängerung und Ende der Reha) und fanden es schwierig, nach so vielen Wochen in einem geschützten Rahmen wieder den eigenen Platz zu finden (siehe Nach Hause kommen; Wiedereinstieg in die Arbeitswelt; Nicht mehr arbeiten können, Berentung und Pensionierung.). Manche vermissten die Gesellschaft und den Austausch mit den Mitpatienten. Ein Teil unserer Erzähler fühlte sich nach der Reha stark zurückgeworfen und „im Regen stehengelassen“, da es bei ihnen keine Anschlusstherapie-oder Trainingsangebote gab (siehe Nachsorgeprogramme (IRENA) und ambulante Psychotherapie).

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