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Bedeutung der Reha für Partnerschaft und Familie

Wie sich ihre Reha mit Partner und Kindern vereinbaren ließ, war für viele unserer Interviewpartner eine wesentliche Frage, die vor, während und nach der Reha eine Rolle spielte.

 

Vorbereitung der Reha
Einige unserer Erzählerinnen berichten, dass ihre Partner uneingeschränkt die medizinische Notwendigkeit der Reha sahen und die Reha auch dann unterstützten, wenn sie wussten, dass die Zeit der Trennung für die Familie oder die Partnerschaft schwierig sein würde.

Aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen empfehlen manche, unbedingt frühzeitig mit dem Partner die Reha abzustimmen und gemeinsam zu entscheiden.

Brigitte Lenz empfiehlt, mit dem Partner offen zu besprechen, wieviel Kontakt man während der Reha möchte.

Der Wunsch, nicht weit entfernt vom Partner oder der Familie zu sein, beeinflusste für viele die Wahl der Reha-Einrichtung. Manche entschieden sich aus familiären Gründen – gerade angesichts von kleineren Kindern – für eine ambulante Reha, um nicht längere Zeit am Stück abwesend zu sein. Andere unserer Interviewpartner schildern, dass sie sich bewusst für eine stationäre Reha außerhalb des familiären Umfeldes entschieden, um die Familie nicht zu belasten oder um sich selbst vollständig ohne Alltagsstress und Verantwortung auf die Reha konzentrieren zu können. Andreas Gmähle erkannte, dass er im kranken Zustand zuhause ohnehin keine Hilfe für seine Familie wäre.

Es gibt aber auch die Situation, dass die Beziehungen in einer Familie so stark belastet sind, dass ein stationärer Aufenthalt und damit eine zeitweilige räumliche Trennung hilfreich sind.

Ali Kaya erzählt, dass er sich nach der Operation für eine stationäre Reha entschied, weil er eine frühere ambulante Reha als ungünstig für seine Familie und sich selbst erlebt hatte.

Für Bernd Watke war es während der ambulanten Reha schön, sein Familienleben weiter führen zu können.

Die Vorstellung, von der Familie getrennt zu sein, bereitete einigen unserer Erzähler Sorgen im Vorfeld der Reha (siehe Bevor es losgeht). Dabei stellte sich für viele die Frage nach der Bewältigung des Haushalts und der Betreuung und Versorgung der Kinder. Eine konkrete Lösung für diese Sorgen bestand für einige darin, für die Zeit der Reha eine Haushaltshilfe zu engagieren, die Kinder durch die Großeltern mitbetreuen zu lassen oder Kinder in die Reha mitzunehmen (siehe Gemeinsame Reha mit Angehörigen). Teilweise übernahm auch der Partner für die Zeit der Reha selbst den Part der bezahlten Haushaltshilfe. Häufig mussten auch die Kinder zu Hause mehr mithelfen. Für manche unserer Erzähler war es eine wichtige Erkenntnis, dass die Familie oder der Partner für eine gewisse Zeit ohne sie auskommen könnte.

Viele unserer Interviewpartnerinnen erzählen, dass es ihnen den Abschied erleichterte zu wissen, dass zu Hause alles gut vorbereitet war. Manche wurden vom Partner oder von der Familie in die Reha gebracht, so dass diese auch wussten, wo man in den nächsten Wochen sein würde.

Andrea Schäfer beschreibt, dass sie sich vor der Reha zu viele Sorgen machte.

 

Kontakte und Besuche während der Reha
Den Kontakt zu Familienmitgliedern, Freunden und Bekannten beschreiben viele unserer Interviewpartner als schön und sehr wichtig für sie während der Reha. Sie erzählen von Besuchen, Telefonaten, Videotelefonaten, dem Schreiben und Erhalten von Briefen, Postkarten oder Emails. Einige erzählen, dass sie tägliche Zeiten für Telefonate mit ihrer Familie ausgemacht hatten, andere hatten weniger häufige Kontakte. Neben Besuchen bedeuteten auch das Abgeholtwerden zu gemeinsamen Unternehmungen, z.B. am Wochenende, oder eigene Heimatbesuche, für manche schöne Erlebnisse während der Reha.

Einige unserer Erzähler absolvierten heimatnah ihre Reha und bekamen auch unter der Woche Besuch von Freunden und Familie. Andere konnten während der Reha nicht besucht werden oder auf Heimatbesuch fahren, weil die Klinik sehr weit vom Heimatort entfernt war und die Reise zu lang oder zu teuer gewesen wäre.

Andreas Gmähle erzählt, dass der Abschied für seine Kinder am schlimmsten war. Sie entschieden, dass er seine Familie während der Reha nicht besuchte.

Unsere Erzähler berichten von unterschiedlichen Bedürfnissen nach Kontakt zu Familie und Freunden, die sich auch im Verlauf der Reha verändern konnten. Für manche war es wichtig, in der Reha Abstand zum Alltag zu haben, sich ohne Verantwortung für andere auf sich selbst, das Training oder die Therapieprozesse konzentrieren zu können oder die freie Zeit mit Mitpatienten zu verbringen. In diesem Zusammenhang empfehlen viele, mit der Familie oder Freunden Absprachen zu treffen über Häufigkeit und Zeitpunkte von Telefonaten oder Besuchen.

Norbert Merkle schildert, dass er gern mit seiner Clique in der Klinik zusammen war, ihm aber auch die Besuche durch seine Frau sehr wichtig waren.

Mara Schnaiter hat gute Erfahrungen damit gemacht, ihre Familie zu bitten, sie in der Reha nicht zu besuchen.

Hans Guckt erzählt, dass ihm nach seinem Unfall am Anfang Besuche sehr wichtig waren, er sich aber später mehr auf sein Training konzentrierte.

Viele unserer Interviewpartner erzählen, dass sie während der Reha das Bedürfnis hatten zu wissen, dass es ihrer Familie gut ging. Dabei war es für sie während der Reha sowohl schön als auch entlastend zu sehen, dass zu Hause der Alltag auch ohne sie funktionierte. Manche entschieden sich auch dafür, der Familie nichts von ihren eigenen Krisen und Belastungen während der Reha zu erzählen, um die Familie nicht zusätzlich zu belasten. Julia Bach war dagegen froh, dass ihr Partner bei seinen Besuchen miterlebte, wie sie sich in der Reha veränderte.

Für Claudia Gross war es in der Reha eine Erleichterung, dass ihr Mann und ihr Sohn zu Hause gut zurecht kamen.

Viele unserer Interviewpartner schildern, dass sie ihre Familie oder ihre Partner während der Reha vermissten. Manche nahmen Fotos von ihrer Familie mit in die Reha. Eine Interviewpartnerin war froh, dass sie während der Reha Freunde besuchen konnte, die in der Nähe der Klinik wohnten. Aber auch die wachsenden Kontakte zu Mitpatienten halfen vielen dabei, die Zeit ohne ihre Familien und Partner zu überstehen.

Torsten Brandt vermisste seine Frau, wollte ihr aber die lange Fahrt bei einem Besuch nicht zumuten.

Viele unserer Erzähler fühlten sich in der Reha auch aus der Ferne von der Familie unterstützt und mitgetragen. Für manche bedeutete der Kontakt zur Familie auch ganz handfeste Unterstützung und Hilfestellung: Nadine Baumanns Familie brachte ihr z.B. Essenspakete, weil sie nur wenige Lebensmittel aus der Klinikverpflegung vertrug. Die Schwester von Hans Guckt unternahm mit ihm einen Ausflug und er erlebte, dass er sich den Wald auch im Rollstuhl wieder erschließen konnte.

 

Auswirkungen der Reha auf Partnerschaft und Familie
Einige unserer Interviewpartner berichten, dass die eigene Abwesenheit für ihre Familien eine Mehrbelastung bedeutete. Sie erzählen, dass sowohl die Bewältigung des Alltags dabei eine Rolle spielte als auch die Sorge der Familien um ihr Wohl in der Reha. Andere Interviewpartner beschreiben, dass die eigene Abwesenheit für die Familie auch eine Entlastung darstellte.

Die durch die Krankenkasse erzwungene Reha belastete auch Nadine Baumanns Familie.

Für Andreas Gmähles Frau war seine Abwesenheit während der Reha weniger belastend als die Phase seiner Arbeitsunfähigkeit im Vorfeld.

Manche Familien und Partner erlebten eine bis dahin ungewohnte Selbständigkeit während der getrennten Zeit und machten die Erfahrung, sich mehr zutrauen zu können als erwartet. Für manche war die Trennung aufgrund früherer längerer Krankenhausaufenthalte bereits Routine.

Klaus Teschner findet, dass eine Reha letztlich eine Bereicherung für eine Partnerschaft sein kann.

Viele unserer Interviewpartner erzählen von der Wiedersehensfreude mit den Kindern oder der Partnerin und von der Erleichterung, dass wieder mehr Normalität einkehrte (siehe Nach Hause kommen).

Andreas Gmähles Familie bereitete ihm zu Hause einen herzlichen Empfang.

Einige unserer Interviewpartner berichten, dass sie sich in der Reha veränderten hinsichtlich ihres Umgangs mit der Erkrankung, mit Schmerzen, Ärger und Frustration, aber auch Ideen bekamen für die Gestaltung der Partnerschaft und naher Beziehungen. Diese persönlichen Veränderungen hatten später im Alltag positive Auswirkungen auf Partnerschaft und Familie. Dagegen schildern andere, dass die eigenen Veränderungen herausfordernd für die Familie und die Partnerschaft waren. Wenn sie zum Beispiel in einer psychosomatischen Reha gelernt hatten, mehr auf die eigenen Grenzen und Bedürfnisse zu achten, stieß dies im Familienleben nicht sofort auf Begeisterung.

Für Claudia Frohwein war es nach der Reha nicht einfach, das Gelernte zu Hause umzusetzen.

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