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Verlängerung und Ende der Reha

Verlängerung der RehaEine medizinische Reha wird heute in der Regel für drei Wochen bewilligt. Psychosomatische und neurologische Rehas dauern länger. Mit einer medizinischen Begründung ist es während der Reha möglich, eine Verlängerung der bewilligten Reha-Zeit zu beantragen. Für einen Teil unserer Interviewten war Verlängerung kein Thema. Einige der von uns Interviewten erkundigten sich selbst nach der Möglichkeit einer Verlängerung, nachdem andere sie darauf hinwiesen oder sie sich wunderten, dass sie nicht gefragt wurden. Andere wurden von ihrem zuständigen Arzt in der Reha auf die Möglichkeit einer Verlängerung angesprochen.

Michael Ruf wunderte sich, dass viele Patienten die Reha als ein feststehendes Muster sehen und z.B. sich nicht bei Bedarf um eine Verlängerung bemühten.

Als für sie wesentliche Argumente für eine Verlängerung nennen unsere Erzähler:

  • dass bei ihrem Krankheitsbild mehr Zeit wünschens- oder empfehlenswert war,
  • dass Ärzte es ihnen nahelegten,
  • dass ihnen eine Verlängerung nahegelegt wurde, um die Wochen nicht mit zu viel Programm zu überfrachten,
  • dass sie selbst den Eindruck hatten, mehr Zeit zu benötigen,
  • weil Freunde/Familie ihnen dazu rieten,
  • weil sie an einer bestimmten kontinuierlichen Gruppe über mehrere Wochen teilnehmen wollten/sollten und diese nur in einem bestimmten Turnus angeboten wurde,
  • weil sie merkten, dass es eine Zeit dauerte, bis sie überhaupt angekommen waren und von der Reha profitieren konnten,
  • weil sie zuhause ohnehin alleine gewesen wären oder Angst davor hatten, in die „böse Welt“ zurückkehren zu müssen,
  • weil sie die Trainings- und Therapieoptionen in der Reha als große Chance erlebten.

Andreas Gmähle bekam direkt in der ersten Woche eine Verlängerung nahelegt. Er willigte ein, als er merkte, dass seine Familie ohne ihn zurechtkam.

Als für sie wichtige Argumente gegen eine Verlängerung erwähnen unsere Interviewten:

  • dass sie nach Hause wollten oder nicht weiter abkömmlich waren,
  • dass niemand eine Verlängerung ins Gespräch brachte,
  • dass die Klinik das gar nicht hätte leisten können,
  • dass sie das Gelernte nun erst einmal umsetzen wollten oder zufrieden waren mit dem Erreichten oder
  • den Eindruck hatten, dass andere kränker und bedürftiger waren als sie.

Wilhelm Kirsch wollte nach den drei Wochen nach Hause, weil er ein ungutes Gefühl hat, wenn er länger nicht Zuhause ist.

In die Entscheidung über eine mögliche Verlängerung wurden die meisten unserer Interviewten einbezogen (siehe Mitsprachemöglichkeiten in der Reha). Die Entscheidung über die Beantragung einer Verlängerung stellte sich für einige Interviewte bereits nach wenigen Tagen. Andere machten die Erfahrung, auf dem gepackten Koffer zu sitzen und erst sehr kurzfristig zu erfahren, ob die Verlängerung bewilligt wurde. Einzelne schildern, dass ihnen die ausschlaggebenden Gründe, warum eine Verlängerung vorgeschlagen und bewilligt wurde, undurchsichtig blieben.

Bei manchen gab es Schwierigkeiten mit den Kostenträgern oder die Verlängerung wurde nicht bewilligt. Brenks stritten sich von der Klinik aus mit ihrer Krankenkasse um wenige Tage Verlängerung und erfuhren erst ganz kurzfristig, dass sie bleiben konnten. Katharina Maulwurf hatte nach ihrer ersten Reha noch ein Jahr lang einen kräfteraubenden Streit mit der Krankenkasse, die sich aufgrund der Aktenbeurteilung zunächst weigerte, für die Verlängerungswoche zu zahlen. Einzelne, die bereits früher schon einmal eine längere Reha gemacht haben, beklagen sich über die Verkürzung der Reha-Zeit auf drei Wochen und bezweifeln, dass diese kurze Zeit gesundheitlichen Nutzen bringen kann.

Marianne Seiler war überfordert, als sie bereits nach drei Tagen über eine Verlängerung entscheiden sollte. Sie folgte dann dem Rat der Ärzte.

Dorothee Funks Reha wurde mehrmals um 2 Wochen verlängert. Sie fühlte sich in der Reha mehrfach wie auf gepackten Koffern.

Die meisten berichten, von der Verlängerung sehr profitiert zu haben. Sie beschreiben die Verlängerung als eine Vertiefungszeit für das, was sie in der Reha gelernt, verstanden oder durch Anwendungen und Training erreicht hatten. Manche erzählen, sie hätten diese Zeit besonders genossen. Einzelne sagen, sie hätten sofort noch einmal vier Wochen verlängert, wenn es möglich gewesen wäre. Nur Andreas Gmähle merkte, dass er die Woche überraschenderweise doch gar nicht mehr gebraucht hätte. Peter Book war froh, dass er noch eine Woche allein verlängern und sich auf die eigene Gesundheit konzentrieren konnte, während seine Familie schon nach Hause abgereist war.

Gerade die Verlängerungswoche hat Brigitte Lenz einen positiven Schub gegeben.

Ende der Reha in SichtEinige der Interviewten machten gegen Ende der Reha die Erfahrung, dass sie nach den Wochen mit vollem Behandlungsprogramm nun „gesättigt“ waren und dass die Zeit sich für sie rund und ausreichend anfühlte. Manche erzählen von ihrer Vorfreude auf Zuhause oder von der Freude auf die größere Selbstbestimmung im heimischen Umfeld. Bei einigen wurden die Therapien und Programmpunkte gegen Ende weniger und sie hatten mehr freie Zeit für sich selbst.

Michael Hanter war froh, nach drei Wochen Reha wieder selbst bestimmen zu können, wann er was macht.

Katja Scholz war in der letzten Woche bereit für das Ende der Reha. Sie erlebte eine schöne Abschiedsrunde in der Gruppentherapie.

Einige Interviewte mit der Erfahrung einer psychosomatischen Reha erzählen von einer erneuten Krise angesichts der näher rückenden Heimkehr, die sie dann aber gut meisterten oder erkannten, dass sie auch nach der Reha mit einer Psychotherapie weitermachen wollten. Katja Scholz konnte sich anfangs nicht vorstellen, wie sie innerhalb von sechs Wochen wieder fit werden sollte, und war dann positiv überrascht, dass sie sich nach dieser Zeit so gut fühlte.

Andere erzählen, dass sie gegen Ende wehmütig waren, ängstlich vor dem, was kommen würde, oder zumindest mit gemischten Gefühlen dem Ende der Reha entgegenblickten. Manche hatten das Gefühl, sie müssten einen geschützten Rahmen verlassen. Die letzte Phase der Reha war für einige eine intensive Zeit des Aufbruchs und Abschiednehmens. Bekanntschaften und Cliquen lösten sich auf, weil bei einzelnen die Reha bereits zu Ende war. Manche erzählen von tränenreichen Abschieden, andere tauschten Adressen aus, um in Kontakt zu bleiben. Einige waren auch von den konkreten organisatorischen Anforderungen wie packen und Gepäck aufgeben in Beschlag genommen oder trafen bereits erste Absprachen mit dem Arbeitgeber wegen der Rückkehr zur Arbeit.

Julia Bach wollte in den letzten Tagen gar nicht mehr nach Hause und hatte Angst vor der Rückkehr von Null auf Hundert.

Für Birgit Voigt war die Trennung von den neu gewonnen Freunden schlimm. Sie erlebte die Rückkehr in den Alltag wie einen Schubs ins kalte Wasser.

Gesundheitlich beschreiben sich viele unserer Erzähler am Ende der Reha als sehr viel fitter, körperlich und psychisch stärker und mobiler (siehe Persönliche Bedeutung der Reha). Manche erzählen, dass sie wieder mehr Vertrauen gefunden hätten oder dass sie mit dem Gefühl gingen, dass es nun aufwärts gehen würde. Einige beschreiben sich als motiviert und zuversichtlich, entlastet und belebter. Viele erzählen von größerer Schmerzfreiheit als vorher. Manche hatten in der Reha jedoch erkennen müssen, dass die Gesundung langsamer oder weniger umfassend möglich sein würde, als sie es anfangs erhofft hatten. Einzelne erzählen, dass sie nach der Reha in einem genauso schlechten oder gar schlechteren Zustand waren als vorher. Nadine Baumann bekam im Verlauf der Reha aufgrund der Fehlernährung in der Reha-Einrichtung so starke Beschwerden, dass sie die Reha nach zwei Wochen abbrach und anschließend im Krankenhaus behandelt werden musste. Sie bereute es, dass sie die Reha nicht gleich zu Anfang beendet hatte, nachdem ihr klar geworden war, dass die Reha-Einrichtung auf ihre notwendige Spezialdiät nach der Stomarückverlegung überhaupt nicht eingestellt war.

Birgit Voigt war sehr glücklich, dass sie in der Reha nach 18 Jahren das Cortison reduzieren konnte.

Das Abschlussgespräch mit der behandelnden Ärztin war für einige eine gute Abrundung der Reha-Zeit; andere erlebten es als ein nichtssagendes Routinegespräch, das sie eher frustriert oder irritiert zurückließ. Manchen wurde in der Reha explizit eine Nachsorge ans Herz gelegt und sie wurden über Nachsorgeprogramme informiert. Einige begannen noch von der Reha aus, die ersten Nachsorgetermine oder eine ambulante Psychotherapie am Heimatort in die Wege zu leiten (siehe Nachsorgeprogramme (IRENA) und ambulante Psychotherapie). Manche fühlten sich nach der Rundumbetreuung in der Reha wie ins kalte Wasser gestoßen, weil ihnen keinerlei Perspektive für die Zeit danach aufgezeigt wurde.

Tobias Brenk wurde weder zur Aufnahme noch zur Entlassung richtig untersucht und ärgerte sich, dass er laut Reha-Bericht arbeitsfähig entlassen wurde.

Torsten Brandt war begeistert, dass die Reha-Einrichtung ihn so gut unterstützte bei der Planung der Nachsorge.

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