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Umgang mit der freien Zeit

Zwischen den einzelnen Therapien, an den Abenden und an den Wochenenden erlebten alle unsere Interviewpartner in der Reha Phasen freier Zeit, in denen sie selber entscheiden konnten und mussten, was sie tun wollten. In Urlaubs- oder Krankheitszeiten der Therapeuten fielen außerdem Therapien aus. Während einige die freien Zeiten als Wohltat und Freiheit beschreiben, machen andere deutlich, dass diese Zeiten für sie auch langweilig oder (zumindest anfangs) herausfordernd waren.

Für Norbert Merkle war die viele freie Zeit am Anfang und Ende der Reha langweilig.

Maria Hoffmann erlebte die freie Zeit in ihren beiden Rehas ganz unterschiedlich.

Je nach Therapieangebot und Krankheit erlebten sich die Interviewpartner mal mehr, mal weniger stark als zeitlich ausgelastet durch das Therapieprogramm. Häufig ließen Pausen zwischen zwei Anwendungen gerade einmal Zeit, den Weg zwischen den Anwendungen zurückzulegen oder sich umzuziehen. Einige äußerten sich überrascht darüber, dass sie viel weniger freie Zeit hatten als erwartet. Andere ärgerten sich über zu viele Pausen in ihrem Behandlungsplan.

Tobias Brenk ärgerte sich über ineffiziente Pausen, die er zum Gerätetraining nicht nutzen konnte.

Claudia Gross war froh, dass sie es angesichts der vielen Anwendungen zwischendurch schaffte, im Park ein Buch zu lesen.

Angesichts vieler Trainingstermine waren einige froh über freie Zeiten, in denen sie sich von den anstrengenden Therapien erholen konnten. In der psychosomatischen Reha war die viele freie Zeit insbesondere am Anfang der Reha im Programm eingeplant, was für manche eine Herausforderung darstellte.

Andreas Gmähle bekam erst mal Ruhe verordnet, um anzukommen.

Claudia Frohwein wurde von ihrer Ärztin ermahnt, in der freien Zeit nicht zu fleißig Sport zu machen, sondern auch einfach mal auszuruhen.

Einige wenige berichten auch, dass sie zwischendurch Heimweh bekamen oder dass sie stolz waren, zum ersten Mal überhaupt allein fern von Zuhause unterwegs zu sein. Die meisten unserer Erzähler konnten die freie Zeit letztlich gut für sich nutzen und gestalten. Manche genossen sie ausdrücklich (siehe Was in der Reha gut getan hat). Einige unserer Interviewpartner erzählen, dass sie insbesondere in der freien Zeit die Möglichkeit fanden, sich mit ihrer Krankheit oder existentiellen Veränderungen in ihrem Leben auseinanderzusetzen. Einzelne, die auch sonst mit der Reha eher unzufrieden waren, versuchten ihr Bestes, um die freie Zeit einigermaßen durchzuhalten oder abzusitzen. Wolfgang Krimmel schaute mangels anderer Angebote viel Fernsehen, was er sonst nicht gewohnt war, und fand, dass es ihm nicht gut tat.

Obwohl Brigitte Lenz noch nie so lange alleine unterwegs war, genoss sie es, in der freien Zeit machen zu können, was sie wollte.

Gestaltung der freien ZeitLängere Abwesenheiten mussten mit der Klinik abgesprochen bzw. im Einzelfall mit Begründung im Sinne einer Beurlaubung beantragt werden. Auch wenn sie eine Mahlzeit ausfallen lassen wollten, mussten unsere Interviewpartner dies vorher anmelden (siehe Umgang mit Anwesenheitspflicht und Kontrolle).

Manche Interviewpartnerinnen erzählen, dass sie die freie Zeit weitgehend allein verbrachten, weil sie es genossen, ohne Verpflichtungen oder ohne Krankengeschichten von anderen endlich Zeit für sich allein zu haben, oder weil sie in der Klinik keine Kontakte hatten, die sie interessierten. Das eigene Zimmer spielte als Rückzugsort für viel eine große Rolle. Die freie Zeit allein nutzten sie z.B. zum Lesen, Schlafen, Fernsehen, Tagebuchschreiben, für Spaziergänge oder zum „Nichtstun“.

Viele nutzten die freien Zeiten auch, um die Kontakte mit Zuhause zu pflegen (Telefon, Post, E-Mail, Skype), Besuch zu bekommen (insbesondere diejenigen, die heimatnah in der Reha waren) oder z.B. am Wochenende selbst nach Hause zu fahren (siehe Bedeutung der Reha für Partnerschaft und Familie).

Sehr viele unserer Erzählerinnen fanden für Austausch und Unternehmungen in der freien Zeit in den Mitpatienten eine gute Gesellschaft (siehe Erfahrungen mit Mitpatienten). Einzelne Erzähler machten aber auch die Erfahrung, dass am Wochenende fast alle Mitpatienten nach Hause fuhren und die Klinik daher wie ausgestorben wirkte.

Cafeteria, Schwimmbad und Therme oder Kurpark: Auf dem Klinikgelände konnte man problemlos unter Leute kommen. Einige erzählen, sich gegenseitig Handarbeiten beigebracht zu haben, von selbstorganisierten Spielerunden oder Verabredungen zum Tischtennis etc. Bei einigen unserer Interviewpartner spielte in der freien Zeit die Natur eine wesentliche Rolle: Sie suchten den Kurpark oder Plätze in der Natur auf oder gingen Wandern und berichten von Erfahrungen der Regeneration und Heilung.

Katharina Maulwurf erlebte in einer Klinik nächtliche Bade-Partys und selbstorganisierte Konzerte von Mitpatienten.

Klaus Teschner übernachtete während der Reha eine Nacht im Wald am Fluss.

Eigenständiges Trainieren: Viele erzählen, dass sie in der freien Zeit eigenständig z.B. an den Trainingsgeräten übten. Diese Trainingszeiten wurden registriert und waren bei einigen ein fester Bestandteil im Therapiekonzept, der aber je nach eigener freier Zeit flexibel umgesetzt werden konnte.

Michael Hanter machte das freie Training auch am Wochenende.

Angebote von der Reha-Einrichtung oder in der Umgebung: Im Rahmen des festgelegten Therapieplans und darüber hinausgehend gab es zudem Klinikangebote, die man freiwillig besuchen konnte. Diese reichten von Meditationen oder dem sonntäglichen Gottesdienst, kulturellen Veranstaltungen wie Vortrags- oder Filmabenden über Kreativangebote bis hin zu sportlichen Aktivitäten und Ausflugsangeboten durch die Einrichtung. Während einige diese Angebote als bereichernd und entlastend erlebten, weil sie sich auf diese Weise nicht selbst um ein Programm kümmern mussten, fühlten sich andere (insbesondere Jüngere) nicht so sehr angesprochen. Darüber hinaus besuchten manche auch kulturelle Veranstaltungen in der Umgebung (Lesungen, Konzerte, Kino, Festivals etc.).

Mara Schnaiter ging zum ersten Mal in ihrem Leben ins Casino.

Wilhelm Kirsch erinnert sich gerne an den schönen Kurpark, die Faschingsveranstaltung und die Kirche am Sonntag.

Erkundungen und Unternehmungen auf eigene Faust: Viele erzählen auch, dass sie die Gegend oder nahegelegene Orte erkundeten, Shoppingtouren oder Ausflüge machten, Fahrradtouren unternahmen etc. Einige erwähnen, dass ihre Mobilität begrenzt war, z.B. wenn niemand mit dem eigenen Auto da war. Andere ließen bewusst während der Reha ihr Auto stehen und unternahmen etwas mit regionalen Verkehrsmitteln.

Melanie und Tobias Brenk unternahmen am Wochenende kleine Ausflüge. Einmal vergaßen sie, sich vom Essen in der Klinik abzumelden.

Freie Zeit in der ambulanten RehaFür diejenigen, die eine ambulante Reha machten, galt es ebenfalls zu entscheiden, wie sie die freien Zeiten zuhause und den Kontakt zu Freunden und Arbeit gestalten wollten: Während manche es beruhigend fanden, wie sonst auch weiterhin erreichbar zu sein oder fast wie gewohnt am Familienalltag teilnehmen zu können, zogen sich andere während der ambulanten Reha bewusst zurück und beschränkten die Kontakte auf ein Minimum, um mehr Zeit für sich allein zu haben oder mit neuen Kontakten aus der ambulanten Reha etwas zu unternehmen.

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