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Umgang mit Anwesenheitspflicht und Kontrolle

Viele unserer Erzähler erwähnen, dass ihre Anwesenheit mehrfach am Tag dokumentiert bzw. kontrolliert wurde. Bei manchen überprüften die Therapeuten oder Gruppenleiter Anwesenheitslisten, andere mussten sich nach jeder Veranstaltung ihre Anwesenheit durch eine Unterschrift oder einen Stempel in ihrem Heft bestätigen lassen.

Michael Ruf erzählt, wie die Anwesenheit überprüft wurde und dass die Kostenträger sicherstellen wollen, dass die Patienten die Zeit sinnvoll nutzen.

Auch für das Auslassen einer Mahlzeit oder eine längere Abwesenheit, z.B. am Wochenende, musste man sich offiziell abmelden. In der ambulanten Reha wurden zudem täglich Beginn und Ende dokumentiert. Einige Interviewpartner erzählen, dass es für sie möglich war, mit dem zuständigen Arzt im Einzelfall abzusprechen, wenn sie sich für einen Besuch zu Hause oder einen Sondertermin außerhalb abmelden wollten.

Josef Vögtle meldete sich einige Mal während der Reha ab und wurde von seinen Kindern tagsüber an den Feiertagen nach Hause geholt.

Marianne Seiler hatte anfangs Mühe, sich an das geforderte An- und Abmelden im Reha-Alltag zu gewöhnen.

Einige unserer Interviewpartner erzählen, dass sie sich durch die ständige Anwesenheitsüberprüfung sehr eingeengt fühlten. Manche erzählen von sich und anderen, dass sie bestimmte Veranstaltungen, die sie als sinnlos, langweilig oder überfordernd fanden, nur für die Unterschrift „abgesessen“ hätten. Die Kontrolle habe auf sie insgesamt eine demotivierende Wirkung gehabt. Dies kommt insbesondere bei denjenigen zum Ausdruck, die die Erfahrung machten, auf die Auswahl und Gestaltung der Therapie wenig Einfluss nehmen zu können (siehe Mitsprachemöglichkeiten in der Reha).

Einzelne beschreiben jedoch, dass das Sammeln von Unterschriften in den Therapien und Veranstaltungen auf sie und die Mitpatienten eine antreibende Wirkung hatte. Sie erzählen auch belustigt davon, wie sie im Heft ihren Fleiß und Ehrgeiz dokumentieren wollten.

Ali Kaya fand es gut, dass im Reha-Heft alles verzeichnet und dann wöchentlich besprochen wurde.

Andrea Schäfer ging nur noch ins Ergometertraining, um sich die Unterschrift abzuholen, weil ihr die Übungen überhaupt nicht gut taten.

Manche wurden informiert, dass die Dokumentation von den Kostenträgern gefordert und auch überprüft würde. Für viele blieb der Hintergrund der Anwesenheitsüberprüfung jedoch unklar und bildete Anlass für Spekulationen über mögliche negative Folgen. Von konkreten Konsequenzen geringer oder mangelnder Teilnahme erzählt jedoch niemand. Da die Reha-Einrichtung ohnehin einen festen Tagessatz pro Patient bekäme, sieht Heike Tschirner die geforderte Anwesenheitsdokumentation als Farce und Druckmittel. Andere finden es verständlich, dass die Kostenträger in irgendeiner Weise sicherstellen wollen, dass die Patienten die Reha nicht als bezahlten Urlaub ausnutzen.

Klaus Teschner erlebte die Anwesenheitspflicht als „positiven Zwang“, der ermöglicht, dass jemand in hilfloser Lage rechtzeitig gefunden würde.

Katharina Maulwurf machte eine Reha als Selbstzahlerin, um ohne Druck vollständig selbst bestimmen zu können, was sie machen wollte.

Tobias Brenk empfiehlt, sich von den Vorschriften nicht einengen zu lassen.

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