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Mobilität, Führerschein und Reisen

Mobil zu sein ist eine wichtige Voraussetzung dafür, an vielen Bereichen des modernen Lebens teilhaben zu können. Wie für alle anderen Menschen, bedeutet es auch für viele Menschen mit einer Epilepsie eine erhebliche Einschränkung, wenn sie kein Fahrzeug führen dürfen. Letzteres kann dann der Fall sein, wenn bei ihnen bei der Teilnahme am motorisierten Straßenverkehr Anfälle auftreten können, die das Bewusstsein einschränken, so dass dadurch ein Unfallrisiko besteht. Ob im Einzelfall ein solcher Grund für ein Fahrverbot nach der Fahrerlaubnisverordnung vorliegt, hängt von der Art der Anfälle ab und kann nur auf der Grundlage einer ärztichen Beurteilung mit entsprechender Untersuchung und Beratung entschieden werden. Es steht in der Eigenverantwortung jedes Führerscheinbesitzers, dafür zu sorgen, dass keine Einschränkungen seiner Fahrtauglichkeit vorliegen, wenn er am motorisierten Straßenverkehr teilnimmt (siehe hierzu unter „ Infos und Links“).

In der Öffentlichkeit wird das Risiko der Entstehung von anfallsbedingten Verkehrsunfällen meist weit überschätzt. Statistisch gesehen verursachen Epilepsiepatienten nicht häufiger Unfälle als Menschen mit vielen anderen Erkrankungen, aber deutlich seltener als bestimmte Gruppen von Verkehrsteilnehmern wie etwa Menschen unter 25 Jahren (siehe „Infos und Links“).

Unter unseren Interviewpartnern gibt es einige, die aufgrund ihrer Anfälle nicht Autofahren dürfen. Ob Menschen sich wesentlich eingeschränkt fühlen, wenn sie kein Auto führen dürfen, hängt vor allem von ihren Lebensumständen ab. Einige unserer Interviewpartner fanden es nicht sehr schwierig, ohne Auto zu leben. Sie können statt dessen alles zu Fuß machen, ein Fahrrad oder den öffentlichen Verkehr nutzen und sich gegebenenfalls von anderen fahren lassen. Für viele ist das Fahrrad ein Ersatz für das Auto geworden, andere haben jedoch auch wegen ihrer Anfälle Bedenken, Fahrrad zu fahren. (siehe Thementext "Risiko und Sicherheit").

Sarah Schneider kommt auch ohne Auto zurecht und fährt mit dem Rad zur Arbeit.

Für viele unserer Erzähler ist das Leben ohne Führerschein jedoch sehr viel mühsamer und eingeschränkter.

Bianca Scholz schildert, wie ihr Leben auf dem Land durch das Fahrverbot sehr erschwert ist.

Renate Lang bedauert, dass sie wohl manche Orte nicht mehr besuchen kann und ihr Radius so begrenzt ist.

Einige erwähnen sogar, dass das Fahrverbot diejenige Folge der Epilepsie war, die sie am meisten belastet hat. Das gilt vor allem für die, die abseits von öffentlichen Verkehrsmitteln auf dem Land wohnen. Einkaufen, Arzttermine und der Transport der Kinder zur Schule müssen aufwändig organisiert werden, und die Freizeitangebote engen sich sehr ein.

Für Annika Meier ist das Fahrverbot die unangenehmste Folge der Epilepsie.

Einigen ist es peinlich, ihre Angehörigen oder Bekannte, die selbst wenig Zeit haben, immer wieder um Fahrdienste bitten zu müssen. Manche finden es nicht nur unpraktisch, sondern geradezu schmerzhaft und eine empfindliche Einbuße für ihr Selbstbewusstsein. Bei einigen engen sich ohne Auto auch ihre beruflichen Möglichkeiten ein, d.h. sie können nur Arbeitsstellen annehmen, bei denen kein Führerschein verlangt wird und die mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar sind.

Manche, die nach Jahren der Anfallsfreiheit wieder fahren durften, mussten dann wieder aufhören, wenn erneut Anfälle kamen und empfanden das als besonders bitter.

Auch wenn sie das Fahrverbot als sehr belastend und einschneidend erleben, äußern viele unserer Interviewpartner, dass sie dies als richtig empfinden und weder für sich selbst noch für andere Verkehrsteilnehmer ein Risiko eingehen wollen. Annegret Berger und Margarete Ziegler verkauften ihr Auto, als sie erfuhren, dass sie wegen ihrer Anfälle nicht mehr Auto fahren sollen. Zwei Interviewpartner erzählen auch, dass sie bei unerwarteten Anfällen Unfälle verursachten und danach nicht mehr Auto fuhren.

Nicole Winter hörte auf, ihren Führerschein zu machen, als sie einen Anfall bekam.

Margarete Ziegler erzählt, wie sie von heute auf morgen nicht mehr Auto fahren durfte.

Entsprechend groß schildern die Erzähler ihre Freude, wenn sie nach der erforderlichen Zeit von Anfallsfreiheit den Führerschein machen oder wieder nutzen konnten. Sie beschreiben es als eine neue Lebensqualität und als ein wesentliches Element von Selbstbestimmung und Freiheit.

Die Regelungen für das Erhalten oder Wiedererlangen der Fahrerlaubnis basieren auf der Dauer der Anfallsfreiheit. Je länger keine Anfälle aufgetreten sind, desto geringer ist das Risiko, dass es erneut zu Anfällen kommt. Die Dauer und die Bedingungen der Anfallsfreiheit richten sich nach der Art der Anfälle, etwa der Tageszeitabhängigkeit, der Umstände ihres Auftretens sowie der Art des Führerscheins und der Umstände der Nutzung eines Fahrzeugs. So gelten etwa für das Fahren eines LKW oder eines Transportfahrzeugs im öffentlichen Verkehr sehr viel strengere Bedingungen als für den privaten Gebrauch (zu den Regelungen siehe unter „Infos und Links“).

Für Frank Herrmann war es ein Test für seine Stabilität, als er die Untersuchungen zur Fahreignung machen musste.

Christine Becker schildert die Abläufe, als sie bei ausreichender Anfallsfreiheit sofort den Führerschein machte.

Einige unserer Erzähler berichteten, dass sie sich mit dem Autofahren einschränken, obwohl sie wieder fahren dürfen, weil sie sich noch unsicher fühlen oder keine Fahrpraxis mehr haben. Andere sind auch jetzt noch vorsichtig mit dem Fahren, weil sie sich nicht so belastbar fühlen.

Daniela Weber darf Auto fahren, fühlt sich aber noch unsicher.

Dagmar Schuster erzählt, dass ihr das Autofahren anfangs wegen der Konzentration sehr schwerfiel.

Einige Erzähler berichten, dass sich die Epilepsie auch auf ihre Reisepläne auswirkt: So spielen etwa Überlegungen zu den Auswirkungen des Klimas, der guten Verfügbarkeit ärztlicher Hilfe im Notfall, der Notwendigkeit von Impfungen oder der Anstrengung der Reise eine wichtige Rolle. Besondere Fürsorge ist geboten, wenn mit der Reise eine Zeitumstellung einhergeht, die sich auf die regelmäßige Medikamenteneinnahme auswirkt. Manche erzählen, dass sie sich ohne Probleme oder auch mit gewissem Bedauern auf weniger belastende und unkomplizierte Reiseziele einstellen. Andere wollten auf ihre Reiseträume nicht verzichten und berichten, dass sie mit entsprechend umsichtiger Vorbereitung auch gute Erfahrungen damit machten, selbst wenn ihnen von ärztlicher Seite abgeraten worden war. Auch hier war es manchen wichtig, nicht allein unterwegs zu sein. Für Martin Krüger, der es als Pilot nicht nur beruflich, sondern auch privat gewohnt war, viel zu fliegen, ist es sehr bedrückend, dass er nun für jedes Urlaubsvorhaben eine Person zu seiner Begleitung bitten muss

Katharina Sommer reist sehr gern, passt ihre Pläne aber an die Risiken der Epilepsie an.

Matthias Groß machte sehr gute Erfahrungen mit Reisen nach Florida und auf die Kanarischen Inseln.

Julia Brandt schildert Möglichkeiten, ihre Medikamenteneinnahme beim Reisen der Zeitverschiebung anzupassen.

Heike Brinkmann erzählt, dass ihr weite Reisen und Flüge mittlerweile körperlich zu anstrengend sind.

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