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Die Erfahrungen von Annegret Berger

Portrait Symptomatische Epilepsie, komplex-fokale Anfälle, sekundär generalisierte Anfälle.

Annegret Berger ist 59 Jahre alt und lebt alleine. Sie erlebte ihren ersten Anfall im Alter von 15 Jahren. Nach ihrem zweiten Anfall wurde sie zwar medikamentös behandelt, die Diagnose Epilepsie erfuhr sie jedoch erst nach ihrer Ausbildung als Krankenschwester. Vor einigen Jahren wurde sie operiert und hat seitdem fast keine Anfälle mehr. Seit der Operation ist sie berentet.

Annegret Berger hatte ihren ersten Anfall als Jugendliche. Erst nach ihrem zweiten Anfall etwa ein Jahr später wurde sie zum Neurologen überwiesen und medikamentös behandelt. Sie schildert, dass sie damals niemand richtig aufgeklärt hat und statt von einer Diagnose lediglich von einem „Gewitter im Kopf“ gesprochen wurde. Erst Jahre später las sie das Wort Epilepsie zufällig in ihrer Akte, was sie sehr wütend machte. Über ihre Erkrankung hat sie sich daraufhin eigenständig informiert.
Annegret Berger erzählt, dass das Reden über die Epilepsie lange ein Problem darstellte und ihre Eltern die Anfälle meist verschwiegen. Sie vermutet, dass hier die Kriegszeit eine Rolle gespielt hat, in der Krankheiten als Behinderung angesehen und verschwiegen wurden. Der offenere Umgang mit Epilepsie in der heutigen Gesellschaft macht sie deswegen sehr froh. Sie spricht inzwischen viel darüber und berichtet, dass das Thema sie mit anderen Betroffenen zusammen bringt.
Vor einigen Jahren wurde Annegret Berger auf Grund ihrer Epilepsie am Temporallappen operiert. Die erste Zeit nach der Operation erlebte sie als schwierig, besonders da sie Sprachprobleme hatte und bis heute Schwierigkeiten mit dem Merken von Namen hat. Auch psychisch ging es ihr nach der Operation erst mal nicht sehr gut, mit Hilfe einer Psychotherapeutin gelang ihr jedoch die Anpassung an die neue Situation. Der Eingriff hat bewirkt, dass sie inzwischen weniger Anfälle hat und sie erzählt, dass sie froh über ihre Entscheidung ist. Sie muss zwar weiterhin Medikamente nehmen, aber das hat sie als Teil ihres Lebens akzeptiert.
Annegret Berger will sich durch ihre Erkrankung nicht zu sehr einschränken lassen und schildert, dass sie sich bei der Arbeit eher mehr anstrengte, um sich und anderen zu zeigen, dass sie leistungsfähig ist. Nach der Operation musste sie ihren Beruf als Krankenschwester allerdings aufgeben, da ihr die kognitiven Probleme Schwierigkeiten bereiteten. Der Ausstieg fiel ihr schwer, da sie ihren Beruf gern und aus Überzeugung ausgeübt hatte.
Inzwischen hat Annegret Berger einen Arzt, bei dem sie sich gut behandelt fühlt. Sie hat eine Selbsthilfegruppe gegründet, in der sie offen über die Erkrankung sprechen kann. Sie berichtet, durch die gewonnene Zeit viel Spaß an Handarbeit gefunden zu haben und hofft, in der Zukunft noch viel reisen zu können. Ein großes Anliegen ist ihr, dass andere Betroffene richtig aufgeklärt werden und weiterhin ein offener Umgang mit dem Thema Epilepsie gepflegt wird.
Das Interview wurde im Herbst 2011 durchgeführt.

Alle Interviewausschnitte von Annegret Berger

Annegret Berger bedauert, nicht früher erfahren zu haben, dass ihre Epilepsie nicht erblich ist.

Für Annegret Berger war die Angst vor Entdeckung schwer auszuhalten.

Annegret Berger bekam Jahrzehnte lang nicht erklärt, dass sie eine Epilepsie hatte

Annegret Berger fand erst viele Jahre nach der ersten Diagnose Aufklärung

Annegret Berger hat seit der Operation Probleme mit der Wortfindung.

Annegret Berger war beim dritten Anlauf erfolgreich bei der Gründung einer Selbsthilfegruppe

Annegret Berger hat ihre Tabletten erst mal weggeworfen, als sie erfuhr, dass sie Epilepsie hat.

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