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Erfahrungen mit Ärzten und Pflege

Alle unsere Interviewpartner konnten von Begegnungen im Krankenhaus oder in Arztpraxen berichten, die für sie unterstützend oder auch belastend waren. Dies betraf sowohl Erfahrungen mit den behandelnden Ärzten als auch mit Pflegenden.

Positive Erfahrungen machten unsere Interviewpartner meist, wenn sich ihr Gegenüber einfühlsam und auf Augenhöhe zeigte und dementsprechend auf sie einging. Sie berichteten, dass sie dann auch Vertrauen fassten und sich leichter auf die Behandlung einlassen konnten. Einige unserer Erzähler erlebten ihre Behandler als überaus engagiert und zugewandt und spürten, dass diese ein ehrliches Interesse an ihrem Wohlergehen hatten. Auch die Familien wurden dabei häufig miteinbezogen. Manche unserer Interviewpartner betonen, dass sie gemeinsam mit ihren Ärzten arbeiteten. Bei manchen waren persönliche, sehr wertvolle Begegnungen mit einzelnen Ärzten oder Pflegern möglich, die manchmal auch über die Behandlung hinaus anhielten und viele unserer Erzähler mit Dankbarkeit erfüllten.

Sonja Novotnys Ärzte haben sich Zeit genommen und sich für sie eingesetzt.

Lisa Roth war froh, dass ihr Arzt ihr einen Seelsorger schickte, als er merkte, dass sie in einer Krise steckte.

Auch wenn die meisten unserer Erzähler mit den behandelnden und pflegenden Personen zufrieden waren und auch viel Dankbarkeit zum Ausdruck brachten, kam es manchmal zu Krisen, Missverständnissen und Kränkungen. Häufig ging es bei negativen Erfahrungen darum, dass unsere Erzähler das Gefühl hatten, nicht mit ihrem Leiden gesehen zu werden. Gespräche litten häufig darunter, dass sie unter Zeitdruck stattfinden mussten. Die Ursache dafür schrieben viele unserer Interviewpartner nicht den Menschen selbst zu, sondern dem Gesundheitssystem und den Bedingungen, unter denen gearbeitet werden muss.

Iris Niebling hätte sich öfters Gespräche auf Augenhöhe und Informationen gewünscht, aber häufig fehlte die Zeit.

Manche fühlten sich auch von ihrem Gegenüber nicht richtig wahrgenommen und verstanden und erzählen, wie sie mit Unfreundlichkeit, schnippigen Aussagen oder emotional entgleisten Reaktionen konfrontiert wurden.

Anna Rusch fühlte sich von ihrem Arzt nicht ernst genommen.

Rosi Blumenthal stellte ihrem Arzt keine Fragen mehr und ließ sich von ihrem Mann zu den Terminen begleiten.

Petra Markert konnte mit der Unfreundlichkeit des Pflegepersonals kaum umgehen, weil sie so dünnhäutig war.

Johanna Vogel wurde als Kind vor der Operation eingeschüchtert und konnte sich nicht wehren.

Einige erzählen, wie schwer sie es verkraften konnten, wenn sie mit ihren Fragen und Anliegen nicht ernst genommen wurden oder wenn sie den Eindruck hatten, ihr Gegenüber ginge nicht ehrlich mit ihnen um. Einige wechselten daraufhin den Arzt oder suchten sich, wenn möglich, von Beginn an Ärzte danach aus, ob diese ihnen sympathisch waren.

Isabelle Arnold fühlte sich manchmal wie eine „IGeL-Leistungs-Schmarotzerin“.

Wilfried Schönfeld ärgerte sich, als der Chefarzt erzählte, er hätte ihn operiert, obwohl das gar nicht stimmte.

Einige unserer Interviewpartner berichten, dass sie von der Sprache der Medizin irritiert waren. Während manche es nicht schlimm fanden, dass ihre behandelnden Ärzte die Fachbegriffe nicht erklärten, war dies für einige belastend und führte dazu, dass sie sich nicht trauten, nachzufragen.

Clara Ott stellte klar, dass es sich um ihren eigenen Körper handele und sie deshalb einbezogen werden wolle.

Manchen fiel auf, wie unbedacht Ärzte und Pflegende oft ihre Worte wählten und wie sehr sie als Patienten in einer schwierigen Lebenssituation darauf achteten und manchmal auch empfindlich reagierten. Insbesondere waren einige irritiert, wenn viel vom Kämpfen die Rede war; andere benutzten dieses Bild selbst und empfanden es für sich als passend.

Petra Markert findet es unpassend, wenn in der Krebstherapie immer von Kämpfen die Rede ist.

Wilfried Schönfeld erlebte mit der Erkrankung eine tiefe Kränkung und Entwürdigung.

Wilfried Schönfeld erklärte seinem Arzt, wie viel sagend schon der Aufruf im Wartezimmer für Patienten sei.

Die Aufklärung, sowohl für Untersuchungen und Therapien als auch über aktuelle Befunde erlebten unsere Interviewpartner sehr unterschiedlich. Während einige sich sehr gut aufgeklärt fühlten, fanden andere, dass oft zu wenig Zeit für eine ausführliche Aufklärung gewesen sei oder die Vernetzung der einzelnen Behandler schlecht organisiert gewesen sei, so dass es zu Ungereimtheiten gekommen sei. Insbesondere die Aufklärung über mögliche Risiken und Nebenwirkungen der Behandlung in Bezug auf Sexualität und Zeugungsfähigkeit fehlte einigen und führte teilweise zu Enttäuschungen (siehe auch „Partnerschaft und Sexualität“). Besonders anstrengend erlebten einige Erzähler, wenn ihre behandelnden Ärzte sich nicht einig gewesen seien und noch lange über die bestmögliche Therapie diskutierten oder gar stritten (siehe auch „Behandlungsplan“).

Viele unserer Interviewpartner waren auch frustriert über das medizinische System, in dem immer weniger Zeit für die Patienten aufgebracht werden könne und die Kommunikation zu kurz komme. Dabei fühlten sich manche nur noch als „Nummer“, die für eine volle Bettenbelegung und viel Geld sorgte und wurden nach ihrem Empfinden nicht als Mensch gesehen. Dies äußerte sich darin, dass die Zeit knapp und die Hektik in den Abläufen beträchtlich waren, sowie dass die Behandler sich die Namen nicht merkten oder Medikamente vertauscht wurden.

Auch die Zusammenarbeit der verschiedenen Fachdisziplinen erlebten unsere Erzähler unterschiedlich. Während dies bei manchen reibungslos klappte, hatten andere sehr damit zu kämpfen, sich immer wieder erklären zu müssen und von den einzelnen Fachärzten oft keine Informationen zu ihren jeweiligen Fragen zu erhalten. Viele beschreiben, dass insbesondere die Ärzte im Krankenhaus so oft wechselten, dass sie gar keine Beziehung zu ihrem Arzt aufbauen konnten, auch wenn sie sich dies gewünscht hätten (siehe auch „Botschaft an Fachpersonen“).

Klaus Wippich wurde wütend, weil er nicht aufgeklärt wurde, dass er eine Hepatitis hatte.

Dementsprechend erlebten sie auch einige Abläufe bei Untersuchungen, während Wartezeiten, bei Therapien und im Krankenhaus als abwertend und gedankenlos, vor allem, wenn man sie ganz einfach über die Abläufe hätte informieren und einbeziehen können.

Wilfried Schönfeld fühlte sich manchmal durch gedankenlosen Umgang behandelt wie ein Stück Vieh.

Auch in Bezug auf klinische Studien machten unsere Erzähler sowohl positive Erfahrungen, dass sie sich einbezogen fühlten als auch negative Erfahrungen, wo sie sich vorgekommen seien „wie ein Versuchskaninchen“.

Einige unserer Interviewpartner machten die Erfahrung, dass sie vieles selbst organisieren mussten. Für manche stellte dies eine Überforderung dar, andere fügten sich in die Rolle und wieder andere waren froh, selbst aktiv werden zu können beziehungweise zu müssen (siehe auch „Informationssuche und Patientenkompetenz“). Besonders in Bezug auf eine Zweitmeinung machten unsere Erzähler verschiedene Erfahrungen (siehe „Zweitmeinung“).

Paul Reinauer findet, dass man als Patient auf sich allein gestellt ist.

Einige unserer Interviewpartner, die selbst als Fachpersonen im medizinischen Bereich arbeiten, erzählen, dass sie viele Erfahrungen machten, die sie im späteren Umgang mit ihren eigenen Patienten für deren Situation sensibilisierte.

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