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Psychologische Behandlung

Psychologische Behandlungen umfassen vor allem Beratung, Psychotherapie und Entspannungsverfahren. Sie sind ein unverzichtbarer Teil der Schmerztherapie und werden sowohl in Einzel- als auch in Gruppensitzungen angeboten. Nicht alle unserer Erzähler bekamen jedoch ein solches Angebot. Viele von denen, die eine psychologische Behandlung erlebten,  berichten, dass sie sehr froh über diese fachliche Unterstützung im Umgang mit ihren Schmerzen waren. Einige Interviewpartner erlebten auch Krisen, in denen sie jeder Lebensmut verlassen hatte. Hier war für sie die Erkenntnis sehr wichtig, dass man sich Hilfe holen darf und nicht alles allein bewältigen muss. Für andere war es fraglich, ob sie eine psychologische Behandlung bräuchten oder es nicht auch alleine schaffen könnten. Einigen war es wichtig, allein mit seelischen Krisen fertig zu werden. Im Bekannten- und Freundeskreis gab es manchmal das Vorurteil, dass man psychologische Unterstützung nur braucht, wenn man „reif für die Klapse“ ist. (siehe auch „Schmerz und psychische Folgen“)

Anja Kaiser erzählt, wie wichtig ihr die psychologische Behandlung ist, auch wenn das andere nicht verstehen.

Für Martin Sander war es wichtig, die Entstehung seiner Erkrankung aufzuarbeiten.

Inge Meyer wollte auf keinen Fall zu einem Therapeuten. Das motivierte sie, selbst etwas zu ändern.

Bei einigen Interviewpartnern kam die Empfehlung zu einer Psychotherapie vom Hausarzt oder anderen behandelnden Ärzten. Manchen Erzählern fiel es schwer, die Überweisung zum Psychotherapeuten zu akzeptieren, wenn die Ärzte ihre Empfehlung damit begründeten, dass ihre Schmerzen psychisch bedingt seien. Eine solche Begründung erschien vielen Betroffenen nicht nachvollziehbar oder zu kurzsichtig betrachtet (siehe auch „Ursachensuche und Diagnose“). Einige erzählen, dass sie allergisch auf die Erwähnung von Psychotherapie reagierten, weil sie den Eindruck hatten, dass damit ihre Schmerzen nicht ernst genommen würden. 

Ambulante Psychotherapeuten zu finden, stellte sich für einige unserer Erzähler als schwierig heraus. Die Möglichkeit einer psychologischen  Behandlung ergab sich für viele Interviewpartner erst während eines Klinikaufenthalts oder einer Reha-Maßnahme, erwies sich dann aber oft als entscheidende Hilfe.

In Kliniken werden auch häufig psychologische Gruppen angeboten. Hier besteht die Möglichkeit, sich mit anderen Betroffenen über die Schmerzen auszutauschen und persönliche Erfahrungen mitzuteilen. Klaus Fischer berichtete, dass er viele positive Rückmeldungen von Gruppenteilnehmern und Psychologen erhielt, weil er seine Mitpatienten aufmunterte und motivierte.

Christa Schuhmacher fand es sehr hilfreich, von anderen zu hören, die auch Schmerzen haben. 

Fast alle Erzähler berichteten, wie wichtig es ist, einen Therapeuten zu finden, der zu einem passt. Einige erlebten, dass es mit einem Therapeuten nicht klappte, sie mit einem anderen aber sehr gut zurecht kamen. (siehe auch „Erfahrungen mit Ärzten“)

Auch die unterschiedlichen psychologischen Methoden sind nicht für alle Menschen gleich gut geeignet. So berichteten mehrere Erzähler, dass sie zu Methoden, bei denen man mit Vorstellungsbildern arbeitet, keinen Zugang fanden, sie aber von anderen psychologischen Angeboten wie z.B. Gesprächen sehr profitierten. Eine Interviewpartnerin erzählte, dass sie gegen die Schmerzen eine Methode brauche, die schnell wirke. Eine solche Beeinflussung sei ihr mit psychologischen Entspannungsmethoden nicht möglich.

Tanja Werner wechselte den Therapeuten während eines Klinikaufenthalts und war mit der zweiten Therapeutin sehr zufrieden 

Beate Schulte erzählt, wie die Therapeutin schnell herausfand, wie sie zu nehmen ist. 

Was unsere Erzähler aus der psychologischen Behandlung mitgenommen haben, ist sehr unterschiedlich: Einige haben neue Strategien gelernt, wie sie mit den Schmerzen im Alltag besser zu recht kommen. Für andere ist die emotionale Unterstützung im Umgang mit den Schmerzen sehr wichtig, besonders auch die Möglichkeit, die Gefühle angesichts der belastenden Schmerzen einmal herauszulassen zu können. Einige beschreiben, dass ihnen die Behandlung half, seelische Ursachen aufzuarbeiten, die Krankheit besser zu verstehen und in ihr Leben einzuordnen oder eine allgemeine Lebenshilfe zu erhalten. Manchmal hatte die Psychotherapie zwar keinen Einfluß auf die Schmerzen, verbesserte aber das allgemeine Wohlbefinden oder förderte die persönliche Entwicklung. 

Maria Schmitz lernte in der Psychotherapie, nein zu sagen.

Daniela Klein hilft die Psychotherapie, die Schmerzen seelisch besser zu verkraften. Das wirkt sich wiederum auf die Schmerzen aus.

Manche Erzähler begannen eine Therapie, brachen aber wieder ab, da sie das Gefühl hatten, dass sie ihnen nichts bringe oder zuviel Zeit koste. 

Franz Albrecht brach die ambulante Therapie ab, da sie ihm zu aufwändig war.

In der psychologischen Behandlung kam es bei manchen Erzählern zu einem Mißverständnis, was das Thema der Behandlung sein sollte. Nicht alle psychologischen Erklärungen oder Ratschläge wurden als hilfreich empfunden. So fanden einige das Bohren in der Vergangenheit unsinnig oder hatten den Eindruck, dass die Psychotherapeuten sich zu sehr auf bestimmte Themen versteiften. Ein Erzähler hatte den Eindruck, dass die Psychotherapeuten meist zu wenig Einblick in die Lebenssituation ihrer Patienten hätten, um wirklich sinnvoll raten zu können. 

Maria Schmitz hatte das Gefühl, dass die Therapeutin nicht tief genug nachfragte.

Ursula Bach fand es ärgerlich, dass der Psychologe immer nur auf ihrer Beziehung zu ihrem Mann herumritt.

Bei der Psychotherapie unterscheidet man verschiedene Methoden. Unsere Interviewpartner berichteten von Gesprächspsychotherapie, Verhaltenstherapie, tiefenpsychologischer Therapie, Psychoanalyse, Hypnosetherapie und verschiedenen Entspannungsverfahren. Für den Erfolg einer Therapie ist oft nicht die Methode entscheidend, sondern die Qualität der Beziehung zwischen Therapeut und Klient. 

Psychotherapie wird sowohl von ausgebildeten Ärzten, häufig Psychiatern, als auch von Psychologen ausgeübt. Im Unterschied zu einem Psychiater kann ein psychologischer Psychotherapeut keine Medikamente (z.B. Psychopharmaka zur Unterstützung der Therapie) verschreiben.

Neben den gesprächsorientierten psychotherapeutischen Behandlungsmethoden gibt es weitere auf psychische Erfahrungen abzielende Therapieformen, die von anderen Therapeuten angeboten werden. Einige Interviewpartner machten während eines Klinikaufenthalts Erfahrungen mit Musik-, Gestaltungs- oder konzentrativer Bewegungstherapie und erlebten diese Verfahren als sehr hilfreich, um einen besseren Kontakt zu ihren Gefühlen zu bekommen und aktiver zu werden.

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