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Morphin und andere Opioide

Unter allen Medikamenten fanden die Opioide (wie z.B. Morphin, Methadon, Tilidin oder Tramadol) bei den meisten unserer Erzähler, die sie eingenommen hatten oder einnahmen, eine besondere Erwähnung. Sie berichteten häufig, dass sie ihnen von ärztlicher Seite oft als letzte Möglichkeit, als "Ende der Odyssee" verschrieben worden waren, wenn alle anderen Medikamente ausgeschöpft und erfolglos waren. Häufig zögerten die Ärzte lange, bis sie schließlich zu Opioiden griffen, oder lehnten es ab, weil die Behandlung mit Opioiden  nur für finale Fälle sei. 

Klaus Fischer erzählt, dass die Opioide ihm nur ungern verschrieben wurden, die Ärzte aber keine andere Wahl sahen.

Nach unseren Berichten wurden die Opioide in Form von Tabletten oder Tropfen, über eine Schmerzpumpe oder als Pflaster verabreicht. Während einige Erzähler keine positiven Wirkungen der Opioide verzeichnen konnten, berichteten andere von einem positiven Umschwung und einer deutlichen Besserung der Lebensqualität, nachdem die Dosis auf eine bestimmte Höhe aufgebaut worden war.  Damit war der Schmerz zwar meist nicht beseitigt, wurde aber erträglich. Meist waren die Opioide in ihrer Wirkung durch keine anderen Präparate zu ersetzen. 

Durch die Schmerzlinderung mit Morphin fand Clemens Hofmann das Leben wieder lebenswert.

Für Friedrich Huber bringen die Opioide seit über zehn Jahren eine Erleichterung, und er kann auch die Nebenwirkungen beherrschen.

Besonders hilfreich fanden einige Patienten ihre implantierten Schmerzpumpen, mit denen die Dosis und die Nebenwirkungen niedriger gehalten werden können, weil das Mittel unmittelbar an das Rückenmark herangebracht wird.

Hans König findet, dass die Schmerzpumpe und die psychologische Behandlung am meisten geholfen haben.

Bei anderen war der Erfolg der Opioide nicht so eindrücklich. Aber auch eine kleine Besserung wurde schon als hilfreich empfunden. Während bei einigen Erzählern durch die Opioide vor allem die Schmerzspitzen genommen werden, bedeutet es für andere eine anhaltende Reduktion des Schmerzniveaus, das allerdings von Schmerzspitzen durchbrochen werden kann. 

Bei Jörg Ziegler nimmt das Morphium zwar nur wenig von den Schmerzen, ermöglicht  ihm aber immerhin zu schlafen.

Susanne Maurer findet, dass das Tilidin etwas besser hilft, seit sie es nur noch gelegentlich nimmt.

An Nebenwirkungen wurden vor allem Darmträgheit und Verstopfung sowie Blasenentleerungsstörungen berichtet, die sich zumeist beherrschen ließen. Aber auch Verlangsamung, Müdigkeit  und ein Gefühl, nicht ganz bei sich zu sein, traten auf. Eine Erzählerin führte ihre Gewichtszunahme auf das Morphium zurück. 

Beate Schulte reagierte ganz schlecht auf Tramadol und hatte beim Absetzen heftige Auswirkungen.

Martin Sander wird arbeitsunfähig, wenn die Nebenwirkungen zu stark werden.

Anna Wagner ist es wichtig, mit der Opioiddosis unterhalb der Benommenheitsschwelle zu bleiben. 

Bis auf die Darmträgheit fand Ursula Bach, dass sie das Morphin recht gut vertrug.

Bei Hans König stellte sich  nach einer Testspritze mit Morphium eine Blasenentleerungsstörung ein, er wurde jedoch schmerzfrei.

Bei Daniela Klein wurde das ganze Leben stark von der Medikamenteneinnahme bestimmt.

Für die Menschen, die Opioide nehmen, stellt sich immer wieder die Frage nach der Abhängigkeit vom Medikament. Eine Erzählerin entschied sich, lieber die Schmerzen zu ertragen, als zu riskieren, süchtig zu werden. Sie möchte sich diese Medikamente lieber für den Notfall aufbewahren. Deshalb äußern manche viel Skepsis. Viele haben jedoch auch die Erfahrung gemacht, dass sie die Opioide bei richtiger Dosierung und Überwachung über viele Jahre hinweg nehmen konnten. 

Clemens Hofmann findet, dass bei richtiger Anwendung keine Suchtgefahr besteht.

Einige Erzähler berichteten von teilweise schweren Entzugserscheinungen, die auftraten, wenn sie die Medikamentendosis reduzierten oder die Schmerzpumpe nicht funktionierte. Oft war es frustrierend zu erleben, dass die Dosis mühsam reduziert wurde, dann aber wieder erhöht werden musste, weil die Schmerzen wieder unerträglich wurden.

Klaus Fischer ließ sich viel Zeit, um die Opioiddosis zu reduzieren

Das Umfeld der Erzähler reagierte manchmal kritisch auf die Tatsache, dass sie Opioide nahmen. So erzählte ein Mann, dass er anonym bei der Führerscheinstelle angezeigt wurde, weil er trotz Morphium Auto fahre, und seitdem regelmäßig ein Gutachten erstellen lässt, das seine Fahrtauglichkeit überprüft. 

Clemens Hofmann konnte das Morphium reduzieren, musste es aber wieder nehmen, als er wieder zu arbeiten begann.

Daniela Klein fand, dass die anderen ihre Krankheit eher anerkannten, als sie Morphin nahm.

 
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