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Komplementäre und alternative Therapien

Annähernd alle unserer Erzähler berichteten, dass sie im Verlauf ihrer Schmerzerkrankung auch Erfahrungen mit komplementären oder alternativen Heilverfahren sammelten, da ihnen die üblichen medizinischen Angebote nicht genügend Erleichterung brachten. Während komplementäre Heilverfahren sich als Ergänzung zur Schulmedizin verstehen, basieren alternative Verfahren auf Grundlagen, die meist nicht auf mit schulmedizinischem Denken basieren. Für die meisten dieser Verfahren gilt, dass ihre Wirksamkeit mit den üblichen wissenschaftlichen Methoden noch nicht ausreichend untersucht wurde oder als nicht hinreichend gegeben betrachtet wird. Einige davon haben mittlerweile jedoch im Rahmen konventioneller medizinischer Behandlungsangebote ihren Platz gefunden und werden auch von Ärzten empfohlen oder angeboten. Für viele unserer Erzähler stellen sie eine wichtige Ergänzung oder bei einigen auch die bessere Alternative zur Schulmedizin dar. Viele nutzten die Verfahren, um Medikamente mit gefürchteten Nebenwirkungen zu ersetzen oder in der Dosis möglichst gering halten zu können. 

Einige Erzähler schätzten an den alternativen Verfahren besonders, dass die Therapeuten sich sehr viel Zeit für Behandlung und Diagnostik nahmen und sich nicht nur für das Schmerzgebiet, sondern den ganzen Menschen interessierten.

Anna Wagner schätzte besonders, dass der Osteopath sich mit dem ganzen Körper beschäftigte und ihr eine neue Gangtechnik beibrachte.

Monika Roth berichtet, wie sie von vielen alternativen Verfahren zumindest kurzfristig Hilfe erfuhr.

Am häufigsten erwähnt wurden Akupunktur, manuelle Verfahren wie Akupressur, Chiropraktik und Osteopathie, vereinzelte physikalische Verfahren, Homöopathie und Methoden, die auf die Veränderung geistiger und psychischer Prozesse abheben. Auch spezielle Bewegungsübungen sowie verschiedene Entspannungsverfahren wurden häufig erwähnt (siehe „Bewegung, Entspannung, Meditation“). Für fast alle Methoden fanden sich Erzähler, die von leichten oder hervorragenden Erfolgen berichteten, und solche, die davon gar nicht profitierten oder sie sogar unangenehm fanden. Bei vielen waren die Verfahren eine 

Zeit lang wirksam, konnten dann jedoch Verschlechterungen nicht verhindern. Manche fanden, dass die Therapien zwar keinen unmittelbaren Einfluss auf die Schmerzerkrankung hatten, dass sie aber zu einer besseren Lebensqualität und bewussterer Körpererfahrung beitrugen. 

Rolf Lehmann bekam die Akupunktur gut, bis die Schmerzen schließlich stärker wurden.

Jutta Behrens erzählt, wie ihre Rückenschmerzen sich durch die Stoßwellenbehandlung von Triggerpunkten besserten. 

Akupunktur wurde von der Mehrzahl unserer Erzähler ausprobiert. Hier gingen die Berichte von völlig ausbleibender Wirkung über eine Schmerzlinderung, die jeweils kurzfristig anhielt, bis hin zu ihrer Bewertung als das Verfahren, das die beste Wirkung überhaupt entfaltete und einige sogar weitgehend schmerzfrei machte. Viele berichteten auch von Behandlungserfahrungen mit Osteopathie und Kraniosakraltherapie, ebenfalls mit sehr unterschiedlichen Folgen von eher negativer oder ausbleibender Wirkung bis zu andauerndem Erfolg.

Franz Albrecht fand entscheidende Hilfe durch Akupunktur und braucht sie jetzt nur noch gelegentlich.

Christel Schubert findet bei akuten Schmerzen Hilfe bei einer osteopathischen Behandlung.

Bei Brigitte Köhler brachte die Akupunktur bei einem Arzt der traditionellen chinesischen Medizin den Durchbruch.

Einige Erzähler berichteten auch von Erfahrungen mit Neuraltherapie, mit pflanzlichen Heilmitteln und Hausmitteln, sowie von Verfahren, die den Körper von Giftstoffen entlasten sollten. Auch Versuche mit geistigem Heilen und Reiki wurden am Rande erwähnt.

Jutta Behrens fand die Behandlung ihrer Narben als Störfelder im Rahmen der Neuraltherapie sehr hilfreich.

Richard Schäfer macht bei einem Naturheilpraktiker eine Entgiftungsbehandlung. 

Eine sehr große Bedeutung hatten für einige Erzähler Therapienmethoden, die auf der Beeinflussung geistiger und psychischer Prozesse beruhten (siehe „Bewegung, Entspannung, Meditation“).  

Renate Schröder erklärt, wie die Methode des  Amygdala-Retraining wirkt und ihr entscheidend geholfen hat. 

Martin Sander erzählt von seiner hilfreichen Methode der Selbsthypnose.

Karl Krüger erzählt, wie er von einem Buch zum Positiven Denken profitiert.

Während viele Menschen berichteten, dass sie sich sonst sehr auf homöopathische Medizin verließen, fanden sie für ihre Schmerzerkrankung durch homöopathische Medikamente meist keine spezifische Unterstützung. Andrea Müller bemängelte, dass diese Medikamente zu langsam seien und nicht in akuten Schmerzkrisen helfen könnten. 

Als großes Problem stellte sich heraus, dass Verfahren, die sehr gut halfen, häufig nicht oder nur in begrenztem Maße von der Krankenkasse bezahlt werden, was viele unserer Erzähler sehr ärgerlich und unverständlich fanden. Viele erzählten, wie bitter es sei, deswegen hilfreiche Therapien abbrechen oder auf sie verzichten zu müssen.

Wenn sie es sich leisten konnten, waren andere der Meinung, dass die Hilfe, die sie erhielten, auch einen hohen  finanziellen Einsatz wert sei. 

Jutta Behrens beklagt, dass sie die hilfreiche Therapie aus der Klinik zuhause selbst bezahlen muss.

Franz Albrecht fühlt sich bei einem Heilpraktiker mit Akupunktur so gut betreut, dass er lieber selber bezahlt, als zu einem Arzt zu wechseln.

Petra Andresen filtert, was nur Geld kostet und was gut tut. Sie weist darauf hin, dass manche Behandlungen viel Zeit brauchen.

Einige Erzähler ärgerten sich darüber, dass sie viel und mühsam erspartes Geld zu Hilfsangeboten getragen hatten, die sie im Nachhinein unseriös fanden. Sie fühlten sich ausgenutzt, weil Schmerzpatienten mit ihren großen körperlichen und seelischen Belastungen nach jedem Strohhalm griffen. 

Rita Lorenz erzählt von einer nutzlosen Therapie, für die sie viel Geld umsonst ausgegeben hatte.

Einige unserer Erzähler wünschten sich, dass Ärzte den Methoden offener gegenüberstünden und nicht nur auf ihre eigenen Verfahren pochten. Hier wurden auch Stimmen laut, die sich von der Forschung wünschten, auch häufiger komplementäre und alternative Methoden zu überprüfen. Renate Schröder berichtete, wie das Amygdala-Retraining-Verfahren anstrebt, auch von der Forschung untersucht zu werden. 

Ein paar Erzähler setzen sich mit der Frage auseinander, was an den Verfahren, für deren Wirksamkeit es keinen Nachweis gibt, letztlich effektiv sei und ob es sich um einen Placeboeffekt handele. Das Entscheidende war für sie jedoch, ob sie eine Schmerzlinderung erfuhren. Einige diskutierten, dass die innere Einstellung zähle, die man sich aber nicht einfach befehlen könne.

Elisabeth Schneider erzählt von der Äußerung einer Ärztin, auch in der Schulmedizin müsse man schließlich an die Wirksamkeit glauben.

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