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Behandlung allgemein

Die medizinische Behandlung sieht bei den sehr verschiedenen Arten von Schmerzerkrankungen ebenso unterschiedlich aus: so greifen die Behandlungsmethoden einer Migräne, eines Bandscheibenvorfalls, eines Clusterkopfschmerzes oder der Fibromyalgie oft an jeweils anderen Punkten in das Schmerzgeschehen ein (siehe auch "Was ist chronischer Schmerz ?"). Dennoch gibt es viele Erfahrungen, die unsere Erzählerinnen und Erzähler in ähnlicher Weise gemacht haben.

Oft war es ein langer Weg, in eine angemessene Behandlung zu kommen. Viele Menschen erzählten uns, dass sie beim ersten Auftreten der Beschwerden zunächst beim Hausarzt oder Orthopäden waren. Wenn die dortige Behandlung nicht weiterführte, wurden sie von ärztlicher Seite zu einem Spezialisten für Schmerzbehandlung überwiesen. Das konnten Fachärzte oder -ärztinnen für Neurologie, Anästhesie, Psychosomatik oder Orthopädie sein. Viele der Interviewten machten sich aber auch von sich aus auf die Suche nach einem Spezialisten. Manche nahmen die Behandlung auf Druck der Krankenkasse oder Rentenversicherung hin auf. Auch berichten einige Erzähler, dass sie nicht frei waren in der Wahl der Kliniken, da einige Krankenkassen Verträge mit bestimmten Kliniken haben. (siehe auch „Kostenträger, Behörden und Finanzen“).

Richard Schäfer erzählt, wie er auf der Suche nach der Ursache der Schmerzen von Arzt zu Arzt ging.

Christin Neumanns Hausarzt wollte die Behandlung nicht alleine durchführen und überwies sie an einen Spezialisten.

Anna Wagner machte sich selbst auf die Suche nach einer speziellen Schmerztherapiestation.

Marion Zimmermanns Krankenkasse war nicht bereit, den Aufenthalt in einer spezialisierten Migräneklinik zu bezahlen.

Für einige Interviewte stellt sich die Frage, warum es so lange dauerte, bis jemand sie zu einem Spezialisten überwies und sie dort die richtige Diagnose oder Behandlung erhielten (siehe auch „Möglichkeiten und Grenzen der Medizin“).

Jens Krause wundert sich, warum er nicht früher an einen Spezialisten verwiesen wurde.

In der medizinischen Behandlung von Schmerzen spielen die medikamentöse Behandlung und die physikalisch-krankengymnastische Behandlung eine große Rolle (siehe „Medikamente und Folgen“ und „Physiotherapie“).

Daneben berichten viele Interviewte von so genannten „Interventionellen Behandlungsverfahren“. Hierbei handelt es sich um verschiedene Methoden, mit denen Nerven zeitweise oder dauerhaft ausgeschaltet werden und so der Schmerz für eine kürzere oder längere Zeit vermindert wird. Häufige Verfahren, von denen die Interviewten berichten, sind Nervenblockaden - z.B. Sympathikusblockaden- oder Nerveninfiltrationen, bei denen die Nerven oder Nervenwurzeln mit lokal wirkenden Betäubungsmitteln oder Cortison umspritzt werden. Weitere berichtete Verfahren sind Nervenverödungen bzw. die Neurolyse, bei der Nerven längerfristig ausgeschaltet werden sollen, und die ganglionäre lokale Opioidanalgesie (GLOA), bei der in spezielle Nervenknoten Opioide eingespritzt werden. Diese Methoden werden meistens ambulant durchgeführt, während die Patientinnen oder Patienten bei Bewusstsein sind.

Viele berichten von einem kurzzeitig hilfreichen Effekt, der sich aber nicht längerfristig hielt oder mit der Zeit immer geringer wurde. In manchen Fällen waren diese Methoden dennoch sehr nützlich, um z.B. eine Wartezeit für eine andere Behandlung zu überbrücken, oder für kurze Zeit eine Erholungsphase oder vermehrte Mobilität zu erleben. Einige Interviewte erzählen auch von Bedenken, durch die Behandlung mit Spritzen ihre Situation zu verschlimmern.

Anna Wagner erzählt, dass die Sympathikusblockaden für sie sehr hilfreich waren.

Klaus Fischer erzählt von der kurzfristigen Wirkung der Nerveninfiltrationen.

Neben diesen Methoden gibt es im Rahmen der Schmerzbehandlung auch operative Eingriffe zur Schmerzlinderung, sowie die neueren Verfahren der Neurostimulation wie z.B. eine Rückenmarksstimulation (siehe dazu „Operationen und Eingriffe“ und „Rückenmarksstimulation“).

Auch von Behandlungen mit Reizstromgeräten -sogenannte TENS-Geräte- berichten einige Erzähler. Diese Geräte können in der Regel zuhause selbst angewandt werden. Friedrich Huber erzählt, dass er das Gerät jahrelang nutzte, aber keine langfristige Besserung verspürte.

Ein neuerer Ansatz in der Schmerzbehandlung ist die Multimodale Schmerztherapie. Diese wird von Schmerzzentren ambulant oder stationär angeboten und zeichnet sich dadurch aus, dass hier verschiedene Behandlungsformen und Berufsgruppen zusammengeführt werden. Hierbei wird neben der medizinischen Behandlung auch eine psychologische und physiotherapeutische Komponente in die Behandlung aufgenommen.

Für Franz Albrecht war es gut, Schmerztherapeuten gefunden zu haben, die sich Zeit nahmen, auch nach seelischen Belastungen zu fragen.

Martin Sander appelliert an die Ärzte, sich auf das Multimodale Konzept einzulassen.

Einige der Interviewten nahmen eine stationäre Schmerztherapiebehandlung in Anspruch, wobei sich die Schmerzkliniken in ihren Behandlungsangeboten sehr unterschieden. Viele Kliniken haben einen interdisziplinären, teilweise multimodalen Ansatz, in anderen steht ein psychosomatisches Behandlungskonzept im Vordergrund. Die Erfahrungen mit einem stationären Aufenthalt sind sehr unterschiedlich: einige hatten das Gefühl, am falschen Platz zu sein, besonders, wenn der Schwerpunkt auf möglichen psychischen Ursachen des Schmerzes lag, und die körperlichen Ursachen ihrer Einschätzung nach zu wenig berücksichtig wurden (siehe auch „Ursachensuche und Diagnose“). Andere erzählen, dass sie von den Angeboten zur Schmerzbewältigung sehr profitierten.

Frank Weber erzählt, dass er sich in der Klinik am falschen Platz fühlte.

Für Christin Neumann war in der Klinik der Blick auf ihr ganzes Leben sehr hilfreich.

Christa Schuhmachers Schmerzen wurden in der Klinik nicht besser, aber sie lernte einen neuen Umgang damit.

Einige Erzähler berichten, dass die Angebote in der Klinik nicht genügend auf ihre besonderen Bedürfnisse als Schmerzpatient abgestimmt sind. Sie wünschen sich, dass die Kliniken die Angebote so flexibel gestalten, dass der Schmerzpatient selbst entscheiden kann, was ihm gut tut.

Für Susanne Maurer war das Behandlungsprogramm in der Tagesklinik zu dicht.

Für einige war es eine große Hilfe, durch die stationäre Behandlung für eine Weile aus ihrer häuslichen Umgebung herauszukommen und in der Klinik unter Gleichgesinnten zu sein. Jörg Ziegler erzählt, dass es nicht ganz einfach ist, sich nach dem Klinikaufenthalt wieder zuhause zurecht zu finden.

Wenn es um einen Reha-Aufenthalt ging, entschieden sich einige Erzähler lieber für ein ambulantes Angebot, da sie dann in ihrer gewohnten Umgebung bleiben oder das Angebot therapeutisch besser nutzen konnten. Mehrere Erzähler berichten auch, dass es ihnen wegen der Familie und kleiner Kinder nicht möglich war, eine stationäre Behandlung in Anspruch zu nehmen.

Richard Schäfer wurde klar, dass das Klinikumfeld ihm gut tut.

Daniela Klein erzählt, wie sie in der Klinik Verständnis für die Schmerzen erfuhr.

Martin Sander wurde ein jährlicher stationärer Reha-Aufenthalt nahegelegt. Das hält er nicht für sinnvoll.

Die Behandlung in Kliniken oder Spezialzentren, die häufig nicht in Wohnortnähe zu finden sind, bringt einiges an Aufwand für die Patienten mit sich. So berichten einige Interviewte davon, wie aufwändig es ist, die Fahrten zur Behandlung zu organisieren und auch zu finanzieren, vor allem wenn man nur eine knappe Erwerbsunfähigkeitsrente hat, da die Krankenkassen für Reisekosten nicht immer aufkommen. (siehe auch „Kostenträger, Behörden und Finanzen“)

Viele Interviewpartner erzählen, dass sie eine Fülle von Behandlungsmethoden ausprobiert haben, die ihnen kurzfristig halfen, aber nicht die erwünschte langfristige Schmerzfreiheit oder Schmerzreduktion brachten (siehe auch „Möglichkeiten und Grenzen der Medizin“).

Frank Weber hat vieles ausprobiert, aber es hat nicht viel gebracht.

Richard Schäfer hoffte bei jedem Arztbesuch, die Lösung gefunden zu haben.

Andere Interviewpartnerinnen und -partner hatten das Glück, irgendwann eine Behandlung oder einen Therapeuten zu finden, die ihnen zu einer deutlichen Besserung halfen (siehe dazu die Thementexte "Medikation und Folgen" , "Operationen und Eingriffe" „Rückenmarksstimulation“ und "Physiotherapie").

Barbara Langes Physiotherapeutin fand den richtigen Ansatzpunkt, so dass es ihr seitdem besser geht.

Einige der Menschen, mit denen wir sprachen, erwähnen Ideen, die sie noch "im Hinterkopf" haben und irgendwann mal ausprobieren möchten. Manchmal sind das Vorhaben für den äußersten Notfall, manchmal Behandlungsmöglichkeiten, die wieder in Vergessenheit geraten waren.

Amely Hoffmann möchte gerne irgendwann in eine stationäre Schmerztherapie, um herauszufinden, was ihr gut tut.

Viele Interviewpartnerinnen und -partner berichten, dass es nicht nur eine einzige Behandlungsform war, die ihnen geholfen hat, sondern dass meistens Veränderungen in allen Lebensbereichen dazu beitrugen (siehe Thementext „Gedanken zum Leben mit Schmerzen“).

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