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Kostenträger, Behörden und Finanzen

Die Möglichkeiten chronischer Schmerzpatienten sind häufig durch finanzielle und bürokratische Grenzen eingeengt. Zum einen verändern sich oft die finanziellen Lebensverhältnisse. Zum anderen sind sie auf die Richtlinien und die Leistungsbereitschaft der Kostenträger angewiesen, um die für sie notwendigen Therapien und Maßnahmen zu bekommen. Um medizinische Leistungen oder eine Rente zu beziehen, müssen sie sich oft langwierigen gutachterlichen Prozessen unterziehen. 

Die eigene oder die familiäre finanzielle Situation änderte sich bei einigen unserer Erzähler, weil sie ihren Beruf nicht mehr ausüben konnten, Einbußen durch die Frühberentung erlitten, nichts mehr dazu verdienen konnten oder abhängig von Sozialleistungen wurden. Einige erzählten von Existenzängsten und Sorgen um ihre Absicherung. 

Tanja Werner findet, dass chronische Schmerzpatienten finanziell sehr belastet sind.

Während einige sehr damit zufrieden waren, dass die Krankenkassen bisher für alle Behandlungskosten problemlos aufkamen, erlebten andere, dass sie viel eigenes Geld für die Therapien einsetzen mußten, die sie brauchten, um mit ihrer Schmerzkrankheit leben zu können. Mehrfach taucht die Frage auf, warum solche Therapien, die viel Nutzen brachten, nicht bezahlt wurden, während andere, die sie nutzlos fanden, problemlos erstattet wurden (siehe „Komplementäre und alternative Therapien“). Einige fanden auch sehr engagierte und großzügige Sachbearbeiter oder machten die Erfahrung, dass man seine Wünsche anmelden und verhandeln kann.

Inge Meyer ärgert sich, dass sie um ganz viel betteln und kämpfen muss, obwohl sie schon viel selbst bezahlt.

Christa Schumacher erzählt, wie sie sich durch das Pflegestufengeld ihren Alltag erleichtern kann.

Christoph Scholz versteht nicht, dass eine für ihn wichtige Spezialliege nicht finanziert wird während anderes bezahlt wird.

Brigitte Köhler ist der Krankenkasse dankbar, weil sie bislang alle saftigen Rechnungen bezahlte, die sie verursacht hatte. Auch Birgit Weiß ist zufrieden mit der Krankenkasse und schätzt die Möglichkeit, ihr Kursangebot zur Vorbeugung mit Rückenschule oder Yoga zu nutzen. Bei Brigitte Obrist forderte die Krankenkasse rückwirkend eine riesige Summe für Medikamente zurück, so dass sie sich einen Anwalt zu Hilfe  nehmen musste. Sie musste gutachterlich mit der Krankenkasse kämpfen, um die für sie erforderlichen Medikamente in ausreichender Menge bekommen zu können. Franz Albrecht fühlt sich bei seinem Heilpraktiker mit der Akupunktur so gut betreut, dass er lieber selber zahlt, als zu einem Arzt zu wechseln, dessen Kosten die Krankenkasse übernehmen würde (siehe „Komplementäre und alternative Therapien“). Als die Krankenkasse für seine Fahrten zu hilfreichen Therapie nicht zahlte, übernahm bei Jens Krause ein sozialer Träger den Transport.

Vor allem bei stationären Aufenthalten konnte es mit vielen Kämpfen verbunden sein, die Zusage der Krankenkasse oder der Rentenversicherung zu bekommen. Einige berichteten auch, wie sie daran scheiterten.

Beate Schulte erzählt, wie belastend ihre Kämpfe mit der Zusatzversicherung um einen Krankenhausaufenthalt sind.

Ursula Bachs Krankenkasse bewilligte, den  Reha-Aufenthalt sofort, nachdem die Rentenversicherung ihn abgelehnt hatte.

Karl Krüger berichtet, dass seine Anträge auf einen Reha-Aufenthalt vom Medizinischen Dienst immer wieder abgelehnt wurden.

Einige Erzähler machten die Erfahrung, dass sie von den Kostenträgern in Kliniken eingewiesen wurden, die sie gar nicht für geeignet hielten und die auch keine Hilfe brachten. Dagegen wurden ihnen Aufenthalte in Schmerzkliniken, von denen sie sich einen Erfolg versprachen nicht bewilligt. Dies konnte daran liegen, dass die Kostenträger nur mit bestimmten Kliniken Verträge hatten. Bei einigen unserer Erzähler veranlassten die  Krankenkassen auch bestimmte therapeutische Maßnahmen, etwa eine Psychotherapie oder einen Medikamentenentzug, die sie zur Voraussetzung für weitere Maßnahmen machten. 

Marion Zimmermanns Krankenkasse war nicht bereit, den Aufenthalt in einer spezialisierten Migräneklinik zu bezahlen.

Viele erzählten, dass der Umgang mit den Kostenträgern sehr zeitaufwändig und mühsam sein konnte. Petra Andresen rät aus eigener Erfahrung dringend, sich beraten zu lassen, welche finanziellen Möglichkeiten durch Behörden und Kostenträger bestehen, da Schmerzpatienten oft gar nicht darüber informiert seien und viele gute Hilfsmöglichkeiten nicht ausschöpften. Häufig unterstützten die Partner beim Umgang mit den Behörden und Kostenträgern. Marion Zimmermann berichtet, dass auch der Personalrat ihres Betriebs seine Hilfe angeboten hatte. 

Als quälend, mühsam und oft auch verletzend schildern viele Erzähler die Begutachtungen, denen sie sich unterziehen mußten, um eine Rente zu erhalten oder um bestimmte Leistungen zu bekommen (siehe "Ende der Arbeitstätigkeit"). Den Dauerberentungen gingen meist mehrere Berentungen auf Zeit mit jährlichen Begutachtungen voraus, was einige Erzähler als besonders belastend erlebten. Einige mußten jahrelang um Leistungen kämpfen oder sogar klagen, manche bislang noch ohne Erfolg. Viele berichteten von kränkenden Erlebnissen und vom Gefühl, dass die Gutachter sich oft mit ihrer Schmerzerkrankung fachlich gar nicht auskannten. 

Daniela Klein erzählt, dass Gutachter für die Rentenbewilligung sich mit ihrer seltenen Krankheit meist nicht auskannten.

Martin Sander berichtet von sehr schlechten Erfahrungen mit fachlich nicht einschlägigen Gutachtern.

Hans König musste um seinen Schwerbehindertenausweis kämpfen, fand aber einen einfühlsamen und rücksichtsvollen Gutachter.

Christoph Scholz erzählt, dass er sich intensiv  mit medizinischen und gutachterlichen Fragen auseinandersetzen und kompetent machen muss, um in den gerichtlichen Auseinandersetzungen um seine Rente vor den Gutachtern bestehen zu können. Hierfür musste er bislang schon sehr viel Geld investieren.

Er erläutert, dass Schmerzpatienten ohne organischen Befund es im gutachterlichen Prozess besonders schwer hätten.

Christoph Scholz findet die Begutachtung für  Schmerzpatienten sehr schwierig, weil sich oft kein organischer Schaden nachweisen lässt.

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