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Ende der Arbeitstätigkeit

Während einige unserer Erzähler und Erzählerinnen weiterhin mit ihrer Erkrankung arbeiten oder nach einiger Zeit wieder zur Arbeit zurückkehren konnten (siehe Thementext „Arbeit und Beruf“), sahen sich andere durch die chronischen Schmerzen und die geringe Belastbarkeit gezwungen, den häufig sehr geliebten Beruf aufzugeben. Sie mussten eine andere Tätigkeit beginnen oder eine Rente beantragen.

Amely Hoffmann berichtet, dass sie nicht mehr im Kundenbetrieb arbeiten kann, weil es den Kunden nicht zuzumuten sei, ihre akuten Schmerzattacken mit zu erleben. Barbara Lange erzählt, dass sie sich in der Phase, in der die Schmerzen am schlimmsten waren, gar nicht mehr leistungsfähig fühlte. Nach erfolgreicher Behandlung hat sie nun wieder neue Ideen und Pläne.

Barbara Lange traute sich keine Arbeitstätigkeit mehr zu, als die Schmerzen sehr schlimm waren.

Bei einigen Menschen entstanden die Schmerzen selbst als Folge einer jahrelangen schweren Arbeit und führten dazu, dass der Beruf aufgegeben werden musste.

Das Ende des Arbeitsverhältnisses kam sehr unterschiedlich zustande: Einige Interviewpartner erzählten, dass ihnen aufgrund der Erkrankung gekündigt oder der auslaufende Vertrag nicht mehr verlängert wurde. 

Christin Neumann wurde von der Betriebsärztin auf eine mögliche Berentung angesprochen.

Eine Frau erlebte es als sehr positiv, dass der Arbeitgeber ihr nicht kündigte, sondern sie selbst die Berentung einreichen konnte, als der Zeitpunkt für sie gekommen war. Um besser abgesichert zu sein empfiehlt sie, ein bestehendes Arbeitsverhältnis auf keinen Fall selbst zu kündigen.

Tanja Werners Arbeitgeber hielt ihren Arbeitsplatz so lange für sie frei, bis sie die Berentung eingereicht hatte.

Andere berichten, dass sie selbst oder der Arbeitgeber eine Erwerbsunfähigkeitsrente vorschlugen und beantragten. Diese Form der Berentung wird häufig erst für eine bestimmte Zeit genehmigt und muss nach Ablauf der Frist, z.B. nach einem Jahr, erneut beantragt werden. 

Bei Christa Schumacher zog sich die Berentung einige Jahre hin.

Ursula Bach erzählt, wie sie in Altersteilzeit ging.

Einige erzählen, wie sie um ihre Rente kämpfen mussten, nachdem sie eingesehen hatten, dass sie nicht mehr arbeiten konnten. Und manche mussten die Erfahrung machen, dass ihnen aufgrund ihres guten Allgemeinzustands die Arbeitsunfähigkeit nicht geglaubt wurde.

Elisabeth Schneider erzählt, wie sie um die Rente kämpfen musste.

Viele Interviewpartner beschreiben es als sehr schwierig, sich mit der Arbeitsunfähigkeit abzufinden. Sie erzählen, dass es nicht ihre eigene Entscheidung war, nicht mehr zu arbeiten, dass sie mit der Zeit jedoch die Notwendigkeit einsahen, die Arbeit aufzugeben. Sie schildern den Verlust des Berufes als psychisch sehr belastend und als einen tiefen Einschnitt in alle Lebensbereiche. Eine Interviewpartnerin erzählt, dass mit der Berentung für sie sowohl die finanzielle Unabhängigkeit als auch die Lebensplanung in Frage gestellt wurden.

Andrea Müller erlebte die Kündigung als einen tiefen Einschnitt.

Frank Weber erzählt, wie schwer es für ihn ist, sich mit dem Arbeitsende abzufinden.

Für Amely Hoffmann war die Mitteilung, dass sie auf unbestimmte Zeit nicht arbeitsfähig sei, ein Tiefpunkt.

Die Aufgabe, sich mit dem Ende der Arbeitstätigkeit zu arrangieren, wird durch den Druck von außen oft noch erschwert: Kostenträger und Ärzte oder auch Bekannte drängen immer wieder darauf, dass es vielleicht doch wieder mit dem Arbeiten klappen könnte. Einige Menschen empfinden einen sozialen Druck zu arbeiten, um als vollwertiges Mitglied der Gesellschaft zu gelten. Sie sind mit Vorurteilen konfrontiert, die ihnen unterstellen, die Schmerzen seien nur ein Vorwand, weil sie nicht mehr arbeiten wollten. Auch das Gefühl, eigentlich noch zu jung für eine Berentung zu sein, macht es schwer, die Notwendigkeit zu akzeptieren. Frank Weber schildert seine Schwierigkeit, sich einerseits mit der Tatsache abzufinden, nicht mehr arbeiten zu können, und sich andererseits vor anderen rechtfertigen zu müssen.

Frank Weber berichtet von dem Dilemma, nicht mehr arbeiten zu können, aber von außen unter Druck gesetzt zu werden.

Bei einigen Interviewpartnern wurde die Berentung zwar abgelehnt, es wurden jedoch Einschränkungen in der Arbeitsfähigkeit anerkannt wie z.B. der Ausschluss körperlicher Belastung bei der Arbeit oder eine Arbeitzeit von maximal vier Stunden pro Tag. Einen passenden Arbeitsplatz für diese Beschränkungen zu finden, ist jedoch nicht immer einfach. Die Arbeitsunfähigkeit aufgrund der langen Erkrankung führte bei manchen zu Langzeitarbeitslosigkeit. Ein Interviewpartner schildert, dass dadurch zusätzliche Schwierigkeiten entstehen wie beispielsweise genaue Vorgaben bei der Wohnungssuche und ähnliches. Bei einigen Interviewpartnern, die in ihrem Beruf nicht mehr arbeiten können, wurde eine Umschulung vorgeschlagen. Dies ermöglicht zeitweise oder dauerhaft eine neue Perspektive.

Markus Becker bedauert es, nach dem Verlust seines Berufes seine Fähigkeiten nicht mehr einsetzen zu können.

Das Ende der Arbeitstätigkeit ermöglicht es manchen Interviewpartnern, die notwendige Rücksicht auf den eigenen Körper zu nehmen, was ihnen vorher nicht gelungen war. 

Klaus Fischer kann durch die Berentung Belastungen besser vermeiden.

Durch die Berentung oder Arbeitslosigkeit hat sich in manchen Familien die Aufgabenverteilung verändert. Oft muss nun der Ehepartner oder die Ehepartnerin mehr arbeiten, um die Familie zu erhalten (siehe auch Thementexte zu „Familie und Kinder“, „Partnerschaft und Sexualität“).

Für die meisten Interviewpartner, die ihren Beruf aufgeben mussten, stellte sich die Frage, wie sie ihren Alltag und ihr Leben ohne Arbeit gestalten wollen. Einige betonen, wie wichtig es sei, weiterhin tätig zu sein, sinnvolle Aufgaben zu finden und eine Tagesstruktur zu erhalten. Nach dem Ende der Arbeitstätigkeit konnten sie neue Tätigkeitsfelder für sich entdecken oder frühere Hobbies ausbauen. (siehe auch „Aktiv und mobil sein im Alltag“, „Freizeit und Interessen“)

Anna Wagner begann ein Fernstudium, um weiter aktiv zu bleiben.

Daniela Klein erzählt, wie schwierig es ist, einen neuen Platz in der Welt zu finden.

Amely Hoffmann malt und verkauft ihre Bilder, seit sie nicht mehr arbeiten kann.

Für andere Interviewpartner ist der Tag mit der Alltagsbewältigung unter den besonderen Bedingungen der Erkrankung bereits eine Herausforderung (siehe auch Thementext „Aktiv und mobil sein im Alltag“).

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