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Portrait

Die Erfahrungen von Brigitte Obrist

Brigitte Obrist ist 46 Jahre alt und lebt in der Schweiz. Seit 1992 leidet sie an Clusterkopfschmerzen. Ihre berufliche Karriere als Projektleiterin in der Gesundheitsvorsorge musste sie wegen der Schmerzattacken aufgeben und sich schließlich berenten lassen.

Brigitte Obrists Beschwerden begannen 1992 mit Sehstörungen und Schmerzen im Augenbereich, die sich rasch auf die linke Gesichtshälfte ausdehnten und auch in die Zähne ausstrahlten. Arztbesuche erbrachten keinen Hinweis auf eine Infektion oder eine andere Erklärung. In einer Schmerzambulanz wurden ihre Beschwerden als Migräne gedeutet und mit allen möglichen Schmerzmitteln behandelt. Schließlich stellte sie anhand von medizinischen Büchern selbst die Diagnose eines Clusterkopfschmerzes, die dann auch ärztlicherseits bestätigt wurde. Zahlreiche andere alternativ- wie schulmedizinische Behandlungsversuche blieben erfolglos, Akupunktur machte die Schmerzen vollends unerträglich. Mit einem unter die Haut zu spritzenden Triptan konnte sie schließlich die Schmerzattacken, die bis zu 15 mal am Tag kamen, etwas coupieren. Wegen des hohen Triptan-Verbrauchs wurde sie von einem Arzt für süchtig gehalten und musste viele Jahre mit der Krankenkasse vor Gericht kämpfen, um die nötige Tagesmenge des Medikaments erstattet zu bekommen.

Am meisten hilft ihr das Wissen, mit dem Medikament die Attacken besser kontrollieren und verkürzen zu können, ohne Nebenwirkungen zu haben. Zur Zeit testet sie, ob ein implantierter Neurostimulator die Häufigkeit der Attacken senkt. Ärzten und medizinischen Einrichtungen gegenüber hat sie eine gewisse Skepsis und Galgenhumor entwickelt. Es ist ihr sehr wichtig, selbst Informationen einzuholen, ihre Krankheit zu beobachten und viele Möglichkeiten auszuprobieren.

Während sie die Erfahrungen und erlernten Lebenstechniken aus verschiedenen Beratungen und Psychotherapien sehr hilfreich fand, blieben eine psychoanalytische Behandlung und ein psychosomatischer Reha-Aufenthalt vor der Diagnose Clusterkopfschmerz weitgehend ohne Erfolg. Hilfreicher sind ihr ihre zahlreichen Interessen im Leben und ihre Fähigkeit, den Problemen nicht auszuweichen und um ihre Belange zu kämpfen. Brigitte Obrist bezeichnet sich als "Wissensjunkie", surft im Internet, ist aktiv in Kulturprojekten und nutzt viele Möglichkeiten, auch nach Berufsaufgabe Kontakte zu anderen und vor allem zu Mitbetroffenen zu pflegen. Dennoch kann sie vielen wichtigen Dingen aus Erschöpfung und wegen der nur kurzen schmerzfreien Phasen nicht mehr so nachgehen wie früher. Während der Krankheit hat sie ihren Lebenspartner gefunden, an dem sie sehr schätzt, dass er zwar fürsorglich ist, sich aber auch abgrenzen kann. Andere Freundschaften gingen durch die Krankheit zu Bruch, weil sie gutgemeinte, aber unpassende Ratschläge nicht übernehmen wollte.


Das Interview wurde im Sommer 2009 geführt.

Alle Interviewausschnitte von Brigitte Obrist

Brigitte Obrist ist der Meinung, dass sie zu den Medikamenten keine Alternative hat, wenn sie leben möchte.

Brigitte Obrist verträgt das Sumatriptan sehr gut.

Brigitte Obrist findet das Schmerztagebuch eine wichtige Ergänzung zu ihrer eigenen Wahrnehmung.

Brigitte Obrist hat erlebt, dass schnell auf psychische Ursachen geschlossen wird, wenn eine Behandlung nicht hilft.

Brigitte Obrist half das Wissen über die Erkrankung.

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