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Portrait

Die Erfahrungen von Anna Wagner

Anna Wagner ist 60 Jahre alt und arbeitete als Psychologin früher selbst mit Schmerzpatienten. Sie ist verheiratet, hat eine Tochter und zwei Enkelkinder. Im Jahr 1994 begann ihre Wirbelsäulenerkrankung mit einer plötzlichen Lähmung des linken Beins und starken Schmerzen.

Im Krankenhaus wurde festgestellt, dass sich ein alter verknöcherter Bandscheibenvorfall abgelöst hatte und auf den Nerv drückte. Nach der Operation entwickelte sich eine Arachnopathie, eine seltene Erkrankung mit Narbenwucherungen auch über das Operationsgebiet hinaus. Zwei nachfolgende Operationen waren aufgrund von Komplikationen ebenfalls nicht erfolgreich. Im weiteren Verlauf entschied sich Anna Wagner gegen operative Eingriffe. Hilfe fand sie in der Osteopathie und anderen nicht-invasiven Behandlungen.

Aufgrund der Schmerzen kann sie sich nicht länger als 20 Minuten durchgehend, über den Tag zusammengerechnet insgesamt 4 Stunden aufrecht halten und muss die übrige Zeit liegend verbringen. Dies stellt eine besondere Herausforderung bei der Lebensgestaltung dar. Die häuslichen Aufgaben wurden zwischen ihr und ihrem Mann, der sie in allen Belangen unterstützt, neu aufgeteilt. Während er sich um all das kümmert, was körperlich beansprucht, erledigt sie alle Tätigkeiten, die im Liegen ausgeführt werden können. Anna Wagner beschreibt, wie sie des Öfteren einen deutlichen Gegensatz erlebt zwischen ihrem unbeweglichen Körper und ihrem beweglichen Geist. Vor allem beklagt sie den Verlust der Spontaneität, da nun jede Aktivität geplant werden muss. Dem bewussteren Umgang mit der Zeit gewinnt sie jedoch auch Positives ab.

Als sich im Lauf der Erkrankung herausstellte, dass Anna Wagner ihre Arbeit nicht mehr aufnehmen konnte, erschloss sie sich neue Lebensaufgaben. Neben einem Studium der Literaturwissenschaften an einer Fernuniversität schreibt sie Veröffentlichungen zum Thema „chronischer Schmerz“, in denen sie sowohl die professionelle Sicht als auch die Sicht der Betroffenen zum Ausdruck bringt. Besonders wichtig erscheint ihr der Umgang mit dem Leid bei Ärzten und Therapeuten. Ihrer Erfahrung nach gibt es im medizinischen Versorgungsalltag nur wenige Momente, in denen Schmerz als Leid existieren darf, in denen Schmerz als Bestandteil des Lebens anerkannt wird. Der Umgang mit Leid wird dadurch eher erschwert. Sehr kostbar sind für sie Momente, in denen andere das Leid gemeinsam mit ihr aushalten. Als eine Art Gegengewicht gegenüber Anspannung, Trauer und Angst erleben Anna Wagner und ihr Mann den Humor: viele Erfahrungen sind auf den ersten Blick zum Weinen, einige Ereignisse jedoch enthalten durchaus eine gewisse Situationskomik. Gemeinsam darüber zu lachen, hilft dem Ehepaar sehr.

Das Interview wurde im Sommer 2008 geführt.

 

Alle Interviewausschnitte von Anna Wagner

Anna Wagner erzählt, dass die Sympathikusblockaden für sie sehr hilfreich waren.

Anna Wagner wurden unterschiedliche Empfehlungen gegeben, und sie musste sich selbst entscheiden.

Anna Wagner begann ein Fernstudium, um weiter aktiv zu bleiben.

Anna Wagner machte sich selbst auf die Suche nach einer speziellen Schmerztherapiestation.

Anna Wagner hat sich darauf eingestellt, vieles im Liegen zu machen.

Für Anna Wagner ist der Verlust der Spontaneität die größte Veränderung, die durch die Schmerzen kam.

Anna Wagner versucht, ein wenig Abstand vom starken Schmerz zu gewinnen, indem sie ihn beobachtet, z.B. seine Beschaffenheit beschreibt.

Anna Wagner kann bei heftigen Schmerzzuständen aktiv bleiben, indem sie sich auf die Atmung konzentriert.

Bei Anna Wagner erledigen Freundinnen und ihr Ehemann viele Dinge des Alltags für sie.

Anna Wagner wünscht sich eine größere Akzeptanz dem Leid gegenüber, um als Betroffene nicht ins Abseits zu geraten.

Anna Wagner fragt sich manchmal, wer den schwereren Teil hat: sie mit ihrem Schmerz oder ihr Mann mit seiner Hilflosigkeit.

Anna Wagner erzählt, wie sie und ihr Mann die Aufgaben nun optimal verteilt haben, ohne viel darüber reden zu müssen.

Anna Wagner ist es wichtig, dass ihr Mann bei Eingriffen immer da war, weil sie so der Situation nicht alleine gegenüber stand.

Anna Wagner fand viel Anregendes in Büchern mit Erfahrungsberichten von anderen Kranken.

Anna Wagner beschreibt, dass chronisch Kranke und Gesunde in zwei verschiedenen Welten leben.

Anna Wagner erzählt, wie gut es ihr tut, wenn ein Arzt sie als ganzen Menschen betrachtet und ihre Art des Umgangs mit der Erkrankung respektiert.

Für Anna Wagner besteht ein Sinn im Leben darin, ihre Möglichkeiten zu entfalten. Das kann sie auch mit Schmerzen.

Anna Wagner schätzte sehr, dass der Arzt bei der Mitteilung der Diagnose mit ihr zusammen schweigen und das Leid aushalten konnte.

Anna Wagner hat den Eindruck, dass Ärzte eine ruhige und sachliche Beschreibung der Beschwerden bevorzugen.

Anna Wagner wollte sich nicht nur noch mit dem Schmerz beschäftigen und warf das Schmerztagebuch weg.

Anna Wagner schätzte besonders, dass der Osteopath sich mit dem ganzen Körper beschäftigte und ihr eine neue Gangtechnik beibrachte.

Anna Wagner ist es wichtig, mit der Opioiddosis unterhalb der Benommenheitsschwelle zu bleiben.

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