Umgang anderer Menschen

Für unsere Interviewpartner ist es wichtig, wie Menschen im sozialen Umfeld mit ihrer Erkrankung umgehen. Die Erfahrungen mit dem Verhalten und den Einstellungen anderer sind sehr unterschiedlich. Viele möchten dabei kein Mitleid, sondern einfach ganz normal behandelt werden, um sich so als volles Mitglied einer Gruppe fühlen zu können. Dabei scheint auch das eigene Verhalten wichtig zu sein: Man muss die Mitmenschen informieren und notfalls auch respektieren, wenn sie kein Verständnis zeigen.

Celia Kratzer stößt immer wieder auf Menschen, die die Erkrankung nicht ernst nehmen oder aber total schockiert sind.

Amalia Golz sagt, es gebe Menschen, die Angst haben, sich bei ihr anzustecken. Andere wollen sie in Watte packen und bedauern sie.

Alessia Rütten lehnt Mitleid von anderen Menschen ab; sie sei außerdem stolz, noch sie selbst geblieben zu sein.

Um nicht aus der Gruppe herauszufallen, ist es Svea Hauck wichtig, mit anderen unterwegs zu sein, auch wenn es ihr schlecht geht.

Viele Interviewpartner haben Diskriminierung erfahren: Die Erkrankung werde nicht ernst genommen, es fehle an Respekt und Verständnis. Die Erkrankten werden ausgegrenzt, das Thema wird totgeschwiegen und es wird oft keine Rücksicht auf eventuelle Einschränkungen genommen. Eine Rolle spielt dabei, dass viele Menschen sich nichts unter der Erkrankung vorstellen können.

Matteo Brockmanns Eltern haben nie wirklich verstanden, was es mit der Erkrankung überhaupt auf sich hat.

Diskriminierung kann auch sehr direkt erfolgen: So wurde einer Frau verweigert, die Toilette benutzen zu dürfen. In der Schule wurden viele Interviewpartner gehänselt oder ausgegrenzt, unter anderem weil Mitschüler eifersüchtig auf die vermeintliche Bevorzugung durch Lehrer waren.

Juliane Franke wurde schon einmal der Zugang zur Toilette verweigert.

Mitschülerinnen von Marta Hinze waren eifersüchtig, weil sie das Gefühl hatten, sie würde von den Lehrkräften bevorzugt.

Auch von positiven Erfahrungen wurde oft berichtet: Die Mitmenschen sorgen sich, bringen Verständnis für die Erkrankten auf und unterstützen sie, wenn sie Hilfe brauchen. Insbesondere in Notsituationen wissen sie angemessen zu reagieren. Ein lockerer Umgang mit der Erkrankung wird ebenso geschätzt wie gute Ratschläge von anderen Menschen.

Als Ausländerin hat Lisann Thielemann sowohl positive als auch negative Erfahrungen damit gemacht, wie andere Menschen in Deutschland mit ihrer Erkrankung umgehen.

Simon Kolberg berichtet, wie sich seine Familie um ihn sorgt.

John Rössler war beeindruckt von der Anteilnahme seiner Kunden.

Die Unsichtbarkeit der Erkrankung kann ein Problem im öffentlichen Umgang sein. Dass man den Menschen teilweise nicht ansieht, dass sie eine Erkrankung haben, kann entlastend, andererseits auch negativ sein, da andere Menschen dann ein bestimmtes Verhalten nicht richtig verstehen und einordnen können. Allerdings möchte man sich manchmal auch nicht anmerken lassen, dass man krank ist.

Als Folge der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung kann der Familienzusammenhalt größer werden.

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