Die Erfahrungen von Svea Hauck

Portrait Svea Hauck war zum Zeitpunkt des Interviews im August 2012 52 Jahre alt. Sie ist kinderlos, lebt mit ihrem Mann zusammen und arbeitet am Empfang einer sozialen Einrichtung. Bereits als junges Mädchen im Alter von 14 Jahren wurde sie mehrfach operiert, anfangs mit Verdacht auf Blinddarmentzündung. Die Diagnose Morbus Crohn wurde vier Jahre später gestellt. Frau Hauck hat einer Veröffentlichung ihres Interviews in der Videoversion zugestimmt.

Svea Hauck wurde wegen des Verdachts auf Blinddarmentzündung mit 14 Jahren operiert, es folgten zwei weitere Operationen, weil sich Komplikationen ergeben hatten. Frau Hauck konnte das als sehr junges Mädchen nicht richtig einordnen, zumal die eigentliche Diagnose auch erst einige Jahre später gestellt und mitgeteilt wurde. Die Schul- und Ausbildungszeit hindurch versuchte sie deshalb, den Gedanken ans Kranksein völlig zu verdrängen, obwohl sie die Bedrohlichkeit durchaus spürte. Sie verleugnete die Erkrankung soweit, dass sie nicht nur die Medikamente nicht einnahm, sondern keinerlei Rücksicht auf ihren körperlichen Zustand nahm, außer während akuter Schübe mit Fieber und Durchfall. Trotz dieses Widerstands führten die immer wieder auftretenden krankheitsbedingten Auszeiten zu häufigeren beruflichen Wechseln.

Mittlerweile empfindet Frau Hauck zunehmend eine Beeinträchtigung, eine Beschneidung ihrer Freiheit durch die Erkrankung und ihre Folgen. Nach zahlreichen Operationen, Abszess- bzw. Fistelbildung und der eingeschränkten Schließmuskelfunktion ist sie in ihrem Alltag eingeschränkt, wenngleich sie versucht, gegen die innere Verunsicherung anzukämpfen. Die Angst vor nicht kontrollierbarer Stuhlentleerung, der Beschmutzung, der Peinlichkeit empfindet sie als äußerst belastend. Den Arbeitsalltag zu bewältigen, kostet sie zunehmend Kraft, die ihr dann häufig für eine aktive und Freude spendende Freizeitgestaltung fehlt.

Neben der Aufgabe bestimmter beruflicher Pläne und Träume bedauert Frau Hauck auch, kinderlos geblieben zu sein. Sie beschreibt ihre Trauer und auch ihre damalige Wut, als Freundinnen schwanger wurden und ihr diese Erfahrung verwehrt blieb. Sie weiß nicht, ob es an der Erkrankung oder den Medikamenten lag, auf jeden Fall kam für sie eher nicht in Frage, reproduktionsmedizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Frau Hauck sieht für sich die Notwendigkeit der pharmakotherapeutischen Behandlung – sie nimmt neben Azathioprin auch Adalimumab sowie Flohsamen zur Stuhleindickung und Colestyramin wegen der vermehrten Gallensäure ein. Komplementärmedizinische Ansätze wie z.B. Schüssler Salze und psychologische wie z.B. Entspannungsverfahren hat sie ebenfalls ausprobiert, mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Mit dem Rauchen aufgehört zu haben, erlebt sie als großen Gewinn an Lebensqualität, neben der körperlichen Verbesserung bewertet sie auch die psychische Unabhängigkeit als Zugewinn an persönlicher Freiheit.

Psychotherapeutische und psychosomatische Behandlungsansätze waren für sie als junge Frau eher negativ behaftet. Mögliche Zusammenhänge zwischen Psyche und Körper empfand sie eher als Bewertung, selbst an Verschlechterungen Schuld zu sein. Erst heute, mit zunehmender Reflexionsfähigkeit, sieht sie den Gewinn, mit psychotherapeutischer Hilfe negative Erlebnisse und Erfahrungen nicht ausschließlich auf die Erkrankung zurückzuführen, sondern zu schauen, welche Dinge durch sie selbst, durch ihre Entscheidungen veränderlich sind.

Das Interview wurde am 25.08.2012 geführt.

Alle Interviewausschnitte von Svea Hauck

Svea Hauck hat manchmal ihre Medikamente nicht genommen, weil sie ein möglichst normales Leben führen wollte.

Svea Hauck plant mit Hilfe des Büchleins „Lokus“, wo sie auf Toilette gehen kann.

Für Svea Hauck werden die psychischen Belastungen durch die Toilettensuche mit der Zeit schlimmer als die körperlichen Beschwerden.

Svea Hauck erzählt, dass es beim Sex auch zu „unschönen“ Situationen kommen kann.

Keine Kinder bekommen zu haben, war für Svea Hauck lange eine Belastung.

Svea Hauck kann gut die jungen Leute mit ihrem Informationsdrang verstehen; für sie ist es heute aber nicht mehr so wichtig, alles genau zu wissen.

Svea Hauck hat lange ihre Erkrankung ignoriert, um ein „normales“ Leben zu führen.

Svea Hauck fand die Therapie verwirrend. Außerdem empfand sie Druck während der Sitzungen und fühlte ihr Leben in Frage gestellt.

Um nicht aus der Gruppe herauszufallen, ist es Svea Hauck wichtig, mit anderen unterwegs zu sein, auch wenn es ihr schlecht geht.

Wenn Svea Hauck zu einem wichtigen Termin musste, hat sie manchmal bewusst vorher geraucht, um noch auf die Toilette gehen zu können.

Die Freiheit, nicht rauchen zu müssen, bringt für Svea Hauck viele positive Aspekte mit sich.

Blähungen - die sind für Svea Hauck besonders peinlich.

Aufgrund ihrer Einschränkungen und Krankschreibungen musste Svea Hauck den Arbeitsbereich wechseln, hofft aber, zumindest aus der Arbeitswelt nicht „rauszufallen“.

Svea Hauck fühlt sich durch den Kräfteverlust auch im Alltag eingeschränkt.

Nach einem peinlichen Ereignis hat Svea Hauck die Sauna im Wellnesscenter nicht mehr betreten.

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