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Portrait

Die Erfahrungen von Norman Völkl

Norman Völkl ist zum Zeitpunkt des Interviews im Juni 2012 57 Jahre alt und leidet seit vier Jahren an Colitis ulcerosa. Aus früheren Partnerschaften hat er Kinder, ist nun aber alleinstehend. Er bezieht Frührente und verdient in Teilzeit hinzu. Herr Völkl hat einer Veröffentlichung seines Interviews in der Videoversion zugestimmt.

Norman Völkl suchte gegen Ende des Jahres 2007 seinen Hausarzt auf, nachdem er Blut im Stuhl bemerkt hatte. Dieser überwies ihn an einen Facharzt für Innere Medizin, der Herrn Völkl mit Zäpfchen behandelte. Trotz mehrmonatiger Behandlung und einem Umstieg auf andere Zäpfchen stellte sich keine Besserung ein, im Gegenteil: Herr Völkls Allgemeinzustand verschlechterte sich so sehr, dass er sich der Empfehlung des Internisten, ins Krankenhaus zu gehen, im April 2008 beugte – trotz inneren Widerstands. Die Zeit des stationären Aufenthalts – insgesamt waren es sechs Monate – erlebte Herr Völkl als sehr belastend, so dass er auch Jahre später beim Erzählen noch bewegt ist: Da zunächst die Ursache seiner Beschwerden unklar war, wurde er in einem Einzelzimmer unter eher isolierter Bedingung aufgenommen. Die Ratlosigkeit der Ärzte schlug sich auch in der Behandlung nieder, die zunächst eher einem Ausprobieren gleichkam – Herr Völkl nahm bis zu 23 Tabletten am Tag. Der ärztliche Vorschlag, sich auf HIV testen zu lassen, verunsicherte ihn sehr, wie auch die Tatsache, dass er auf nichts mehr Appetit hatte. Die nächsten Monate erlebte Herr Völkl eine Berg- und Talfahrt: Zweimal wurde der Versuch unternommen, ihn zur Kur zu schicken, zweimal musste diese abgebrochen werden, weil sich sein Zustand so verschlechterte, dass er wieder stationär aufgenommen werden musste. Er magerte bei einer Größe von 1,90 m auf 59 kg ab, musste zeitweise bis zu 200 Male in 24 Stunden die Toilette aufsuchen, konnte nachts nie länger als wenige Minuten schlafen. Als ein entscheidendes Moment seiner Erkrankung sieht Herr Völkl die für ihn fast wundersame Besserung seines Zustands, nachdem von ärztlicher Seite die Entfernung des Dickdarms vorgeschlagen wurde – eine Maßnahme, die er vehement ablehnte und bis heute ablehnt. Zurzeit nimmt er nur noch zwei Tabletten, Cortison und Azathioprin, kann wieder in Teilzeit arbeiten und sich so zur Erwerbsunfähigkeitsrente etwas hinzuverdienen.

Herr Völkl empfindet vor allem die finanzielle Einschränkung im Zuge der Erkrankung und daraus resultierenden Erwerbsunfähigkeit als Belastung. Während er zu früheren Zeiten über ein sehr gutes Einkommen verfügte und ein recht großzügiges Leben mit großem Haus und teuren Autos führte, muss er sich heute sehr einschränken. Soziale Unterstützung erfährt er durch seine ehemalige Ehefrau, einen seiner Söhne und seine Schwester, zu anderen Familienangehörigen hat er so gut wie keinen Kontakt. Dass er keine neue Partnerschaft hat und keine freundschaftlichen Beziehungen zu anderen Männern pflegt, empfindet er nicht als Mangel. Wirklich wichtig war und ist ihm die Rückkehr ins Berufsleben; hier erlebt er neben der finanziellen Aufwertung seiner Rente auch Momente der Anerkennung und Leistungsfähigkeit.

Das Interview wurde am 29.06.2012 geführt.

Alle Interviewausschnitte von Norman Völkl

Norman Völkl hat große Bedenken gegen eine Operation.

Norman Völkl hatte schon mehrfach die Situation erlebt, dass er es nicht rechtzeitig auf die Toilette geschafft hat.

Norman Völkl findet, dass manche ärztliche Untersuchungen peinlich sein können.

Norman Völkl wundert sich, dass die Pfleger trotz aller Belastung so nett zu ihm waren.

Norman Völkl konnte an vielen Aktivitäten nicht teilnehmen, weil keine Toilette in der Nähe war.

Bei der Überlegung, noch mal umzuziehen, spielt für Norman Völkl die Anbindung an „sein“ Krankenhaus eine große Rolle.

In den schlimmsten Zeiten musste Norman Völkl teilweise über 100-mal am Tag auf Toilette.

Norman Völkl hat es geholfen, innerlich zu kämpfen.

Mit Erschrecken erinnert sich Norman Völkl daran, dass er 7 Monate lang immer das Gleiche gegessen hat.

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