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Portrait

Die Erfahrungen von Matteo Brockmann

Matteo Brockmann ist zum Zeitpunkt des Interviews im Juni 2012 54 Jahre alt. Er ist ledig und lebt in einer ländlichen Gegend. Aufgrund seiner Erkrankungen ist er seit 1999 berentet. Anfang der 1980er Jahren wurde Colitis ulcerosa diagnostiziert. Herr Brockmann hat einer Veröffentlichung seines Interviews in der Textversion zugestimmt.

Matteo Brockmann litt im Herbst 1984 unter häufigen Durchfällen und einem starken Gewichtsverlust. Da sein Cousin bereits an Colitis erkrankt war, hatte der Hausarzt die Vermutung, dass es das gleiche sein könnte. Der Verdacht bestätigte sich nach einer Darmspiegelung, Herr Brockmann wurde mit Medikamenten behandelt, und sein Zustand besserte sich innerhalb weniger Wochen. Die etwa vier Jahre später festgestellten schlechten Nierenwerte wurden als Nebenwirkungen des Mesalazins bewertet. Im Jahr 1989 erlebte Herr Brockmann erneut einen starken Schub, der mit Cortison behandelt wurde, die Nebenwirkungen waren eine starke Gewichtszunahme und das sogenannte „Mondgesicht“. Weitere Komplikationen entwickelten sich, so griff das angesetzte Azathioprin das Knochenmark an, wegen hohen Blutverlusts wurde eine Bluttransfusion nötig, die Verschlechterung des Zustands seiner Nieren führte zur Dialysepflicht. Sechs Jahre nach Beginn der Dialyse wurde Herr Brockmann nierentransplantiert. Gegen die Colitis wurde er auf Infliximab eingestellt, das zu keinen schweren Nebenwirkungen und weitgehender Beschwerdefreiheit führte.

Mitte der 1990er Jahre wurde Herrn Brockmann „aus betrieblichen Gründen“ gekündigt. Er berichtet, dass er während der Arbeitszeit zwar nur wenige Beschwerden hatte, es aber wegen Arztbesuchen immer wieder zu Fehlzeiten gekommen war. Her Brockmann ließ sich nicht entmutigen, schrieb viele Bewerbungen, bildete sich weiter und begann mit einer Umschulung. Als jedoch 1999 das Nierenversagen als weitere Erkrankung hinzukam, wurde Herr Brockmann Frührentner.

Als negative Erfahrungen erinnert Herr Brockmann Probleme mit Stuhlinkontinenz während der Schübe, so dass er die meiste Zeit eine Ersatzhose mit sich tragen musste. Er berichtet über viele umfangreiche und unangenehme Untersuchungen, die er in all den Jahren über sich ergehen lassen musste. In der Rückschau glaubt er auch, dass er krankheitsbedingt zu wenig Energie und Elan hatte und sein soziales Leben sehr darunter gelitten hat. In der Interaktion mit den Ärzten ist Herr Brockmann mit der Zeit viel selbstsicherer geworden. Inzwischen ist er ein Experte für seine Beschwerden und sagt den Ärzten auch mal seine Meinung, wenn sie beispielsweise ein falsches Medikament verschreiben wollen. Herr Brockmann hat auch bereits überlegt, sich den Dickdarm entfernen zu lassen, glaubt jedoch, dass das Leben sich mit einem Stomabeutel noch mehr verkomplizieren würde. Aus hygienischen Gründen und zur Vermeidung von Entzündungen im Analbereich, hat Herr Brockmann sich ein Bidet einbauen lassen, eine hilfreiche Entscheidung für den Alltag mit einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung. In der Zeit vor dem Internet hat Herr Brockmann sich viel in Büchern oder bei der Selbsthilfegruppe über seine Erkrankung informiert. Den Austausch mit anderen Betroffenen empfand er immer als sehr hilfreich, wenn er feststellte, dass es anderen ähnlich ging und sie die gleichen Beschwerden und Probleme erlebten.

Das Interview wurde am 05.06.2012 geführt.

Alle Interviewausschnitte von Matteo Brockmann

Matteo Brockmann erzählt von 2 Cousins, die dieselbe Erkrankung haben.

Matteo Brockmann gewöhnte sich schnell an den Rhythmus im Krankenhaus.

Matteo Brockmann kritisiert, dass man früher, nur weil man keine Ursache für die Erkrankung finden konnte, sie für psychosomatisch erklärt hat.

Matteo Brockmann vermisst die Zeiten, in denen man ruhig ans Telefon gehen konnte - heute klingelt alle paar Minuten das Handy.

Matteo Brockmann berichtet, dass ihm aufgrund der häufigen Toilettengänge „sein Hintern“ weh tut.

Matteo Brockmanns Eltern haben nie wirklich verstanden, was es mit der Erkrankung überhaupt auf sich hat.

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