Die Erfahrungen von Louise Fellner

Portrait Frau Fellner ist zum Zeitpunkt des Interviews im November 2011 35 Jahre alt. Sie ist verheiratet und lebt mit ihrem Mann zusammen. Vor ihrer Erkrankung hat sie als Rettungsassistentin gearbeitet. Seit Ende der 1990er Jahre litt sie an Beschwerden, die Diagnose erfolgte jedoch erst im Jahr 2005. Frau Fellner hat einer Veröffentlichung ihres Interviews in der Videoversion zugestimmt.

Luise Fellner bemerkte Symptome der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung wie Bauchschmerzen, Gewichtsverlust und Durchfälle im Januar 1998. Zu der Zeit befand sie sich in der Ausbildung zur Rettungsassistentin. Es folgten einige Jahre mit Krankenhausaufenthalten, mit der Diagnose Reizdarmsyndrom und den Versuchen, durch Selbstmedikation eine Linderung der Beschwerden zu erreichen. Eines Tages wurde sie während des Dienstes mit ihrem eigenen Krankenwagen ins Krankenhaus eingeliefert, weil sie zusammengebrochen war - im Jahr 2005, sieben Jahre dem ersten Auftreten von Symptomen. Die Ärzte gingen von einer Bauchspeicheldrüsenentzündung aus, der angeratenen Operation verweigerte sich Frau Fellner und wandte sich nach der Entlassung an einen Internisten. Dieser führte, zum ersten Mal überhaupt, eine Darmspiegelung durch, stellte die Diagnose Morbus Crohn und setzte eine Behandlung mit Mesalazin, Cortison und Azathioprin an. Die Medikamente brachten keine Besserung, jedoch starke Nebenwirkungen in Form von Gewichtszunahme und Stimmungsschwankungen mit sich. Frau Fellner wurde auf Adalimumab umgestellt und erlebte daraufhin zwei Jahre lang eine Remissionsphase. Die Behandlung einer Entzündung mit Antibiotika löste erneut einen Schub aus, der noch nicht vollständig abgeklungen ist. Die Gelenkschmerzen, unter denen Frau Fellner ebenfalls leidet, wurden als Rheuma diagnostiziert, einer häufigen Begleiterkrankung von Morbus Crohn.

Die berufliche Situation gestaltete sich seit Beginn der Erkrankung sehr schwierig. Die häufigen Toilettengänge und die langen Fehlzeiten ließen sich nur schwer mit der Arbeit als Rettungssanitäterin vereinbaren. Auch eine Umschulung zur Physiotherapeutin musste Frau Fellner krankheitsbedingt abbrechen. Zurzeit denkt sie über eine Umschulung zur Diätassistentin nach. Neben der geringeren körperlichen Belastung ist das auch thematisch ein Beruf, der sie interessiert: Aufgrund vieler Unverträglichkeiten hat sie selbst große Erfahrung mit dem Thema Ernährung und Ernährungsumstellung.

Seit einigen Jahren ist Frau Fellner in einer psychotherapeutischen Behandlung, die sie als sehr hilfreich empfindet. Im Bekannten- und Familienkreis hat sie durchweg schlechte Erfahrungen gemacht, die meisten ihrer Mitmenschen haben sich nach der Erkrankung von ihr distanziert. Lediglich ihr Ehemann ist eine große Unterstützung.

Frau Fellner hat im Laufe der Erkrankung gelernt, nicht verstärkt auf alle kleinen Veränderungen in ihrem Körper wie z.B. gelegentliche Bauchschmerzen zu achten. Im Nachhinein denkt Frau Fellner, dass sie sich früher zu viele Sorgen gemacht und sich hineingesteigert hat. Heute findet sie es wichtiger, die Tage zu genießen, an denen es ihr gut geht. Für die Zukunft wünschen sie und ihr Mann sich Kinder.

Das Interview wurde am 19.11.2011 geführt.

Alle Interviewausschnitte von Louise Fellner

Louise Fellner ist sich unsicher, ob die Ernährung auf einer USA-Reise einen Einfluss auf den Ausbruch der Erkrankung gehabt haben könnte.

Louise Fellner hat heute noch Kontakt zur Familie ihrer Mitpatientin, von der sie im Krankenhaus viel Unterstützung erhalten hat.

Louise Fellner kennt mittlerweile eine sehr gute Diätassistentin. Mit ihr zusammen gelingt es ihr, ausreichend Nahrung aufzunehmen, obwohl sie nur noch sehr wenig verträgt.

Louise Fellner findet, dass viele „Puzzleteilchen“ zu den Auslösern eines Schubes gehören.

Da sie unter Gewichtszunahme und Stimmungsschwankungen litt, hat Louise Fellner sich entschlossen, das Cortison wieder abzusetzen.

Louise Fellner half die Therapie dabei, die Symptomatik der Erkrankung zu akzeptieren.

Louise Fellner hatte einen sehr verständnisvollen Arzt, der ihr zugehört hat.

Louise Fellner hat sich gegen einen Schwerbehindertenausweis entschieden, um keine Probleme bei der Arbeitsplatzsuche zu haben.

Direkt nachdem der zukünftige Mann Louise Fellner zum ersten Mal geküsst hatte, musste sie sich – krankheitsbedingt – übergeben und ihm schon deshalb frühzeitig von der Erkrankung erzählen.

Louise Fellner fühlt sich bei medizinischen, aber auch juristischen Fragen bei der DCCV gut aufgehoben.

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