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Portrait

Die Erfahrungen von Lisann Thielemann

Lisann Thielemann ist zum Zeitpunkt des Interviews im Juni 2012 45 Jahre alt. Die Diagnose Morbus Crohn wurde 1981 gestellt, kurze Zeit, nachdem sie aus ihrer Heimat Frankreich nach Deutschland gekommen war. Frau Thielemann lebt mit ihrem Partner zusammen und arbeitet als kaufmännische Angestellte. Frau Thielemann hat einer Veröffentlichung ihres Interviews in der Videoversion zugestimmt.

Lisann Thielemann ist Französin und hatte bereits als junges Mädchen Beschwerden, die allerdings damals, in den 1970er Jahren, trotz diagnostischer Untersuchungen nicht aufgeklärt werden konnten. Nach dem Fachabitur kam Frau Thielemann aus beruflichen bzw. ausbildungsbezogenen Gründen nach Deutschland. Im Jahr 1981 wurde dann nach anhaltenden Beschwerden die Diagnose Morbus Crohn gestellt. Das erste Jahrzehnt nach der Diagnose hatte Frau Thielemann an vielen Fronten zu kämpfen. Neben der mangelnden Aufklärung über die Erkrankung und den Nebenwirkungen medikamentöser Therapien – hier vor allem das Cortison – empfand sie es auch belastend, als psychosomatische Patientin betrachtet zu werden. Sie verbrachte über mehrere Monate andauernde Phasen im Krankenhaus; erschwerend kam hinzu, dass sie keine familiäre und nur wenig anderweitige soziale Unterstützung bekommen konnte, da sie ja erst kurz zuvor nach Deutschland gekommen war. Mit 26 Jahren wurde ihr eine Vollrente zugesprochen.

Als „Erleuchtung“ beschreibt sie die zufällige Entdeckung einer Selbsthilfegruppe in der örtlichen Tageszeitung: damals – 1982 – die einzige Möglichkeit, sich als Patientin informieren zu können. Diese Erfahrung führte zu einem großen Engagement ihrerseits bei dem damals gerade gegründeten Bundesverband der Morbus Crohn und Colitis ulcerosa Erkrankten – heute DCCV. Aufgrund ihrer Sprachkenntnisse konnte sie aktiv beim europäischen Zusammenschluss der nationalen Verbände mitarbeiten.

Als die Schübe in den 1990er Jahren langsam nachließen und sie sich körperlich wieder leistungsfähiger fühlte, kehrte Frau Thielemann in die Berufstätigkeit zurück. Mit den Jahren wuchs auch das Wissen um die Erkrankung, vor allem aber um die Dinge, die für sie ganz individuell wichtig sind. Das betrifft neben Fragen der Ernährung auch, welche Medikamente sie als hilfreich erlebt und welche sie auf keinen Fall nehmen möchte. Sie weiß mittlerweile auch genau, worauf sie in der Beziehung zu behandelnden Ärzten Wert legt, nämlich auf die Bereitschaft, sich auf die Bedürfnisse des Patienten einzulassen, zu reden und auch die eigenen (ärztlichen) Leerstellen offen zu legen.

Zwar war der Wiedereinstieg ins Berufsleben für Frau Thielemann nach Jahren schwerster Beeinträchtigung möglich – auf eigene Kinder hat sie jedoch verzichtet. Zu wenig Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit, aber auch die Sorge um die Vererbbarkeit des Crohns spielten hierbei eine Rolle. Durch ihren Partner hat sie jedoch die Möglichkeit für sich entdeckt, sich auf andere Weise für Kinder zu engagieren.

Das Interview wurde am 16.06.2012 geführt.

Alle Interviewausschnitte von Lisann Thielemann

Lisann Thielemann vermutet, dass ein Schub eingetreten ist, weil sie das Cortison zu schnell abgesetzt hat.

Lisann Thielemann wurde von ihren Ärzten gut betreut. Sie waren engagiert und menschlich.

Als Ausländerin hat Lisann Thielemann sowohl positive als auch negative Erfahrungen damit gemacht, wie andere Menschen in Deutschland mit ihrer Erkrankung umgehen.

Lisann Thielemann möchte aufhören, weil sie denkt, dass das Rauchen einen neuen Schub begünstigt.

Da ihr Gastroenterologe und ihr Chirurg unterschiedlicher Meinung waren, ist Lisann Thielemann um eine große OP herumgekommen.

Lisann Thielemann hat von drei Jahren zwei Jahre im Krankenhaus verbracht.

Selbst Feiertage wie Ostern oder Weihnachten erlebte sie im Krankenhaus.

Lisann Thielemann fühlte sich als Studienobjekt für Studierende.

Lisann Thielemann fühlte sich bald als Teil einer Krankenhaus-Abteilung.

Lisann Thielemann erlebte die Beantragung als einen „Kampf“.

Lisann Thielemann ist froh darüber, die schlimmen Jahre ihrer Erkrankung hinter sich zu haben.

Für Lisann Thielemann war es eine „Erleuchtung“, als sie endlich erfuhr, dass sie nicht allein mit der Krankheit ist. Sie hat maßgeblich eine Selbsthilfegruppe in ihrer Stadt mitaufgebaut und spielte außerdem bei den Anfängen der DCCV eine wichtige Rolle.

Lisann Thielemann findet, dass sie durch die Erkrankung viel über sich selbst erfahren hat.

Selbst wenn es Lisann Thielemann gutgeht, muss sie manchmal anderen von ihrer Erkrankung erzählen.

Schlimm war für Lisann Thielemann der Aufenthalt in einem Krankenhaus in einer fremden Stadt.

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