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Portrait

Die Erfahrungen von Josef Kunkel

Josef Kunkel ist zum Zeitpunkt des Interviews im August 2012 59 Jahre alt. Er lebt zusammen mit seiner Frau auf einem Hof mit großer Apfelbaumanlage in Selbstversorgung und hat eine erwachsene Tochter. Seit vier Jahren leidet er unter Colitis ulcerosa. Herr Kunkel hat einer Veröffentlichung seines Interviews in der Videoversion zugestimmt.

Josef Kunkel erlebte vor vier Jahren, im Sommer des Jahres 2008, Magen- und Darmbeschwerden, die Durchfälle führten zu einem Gewichtsverlust von 10 kg. Nach Ausschluss einer infektiösen Verursachung bekam er Cortison gespritzt und wurde mit der Maßgabe, er solle sich in drei Monaten zur erneuten Darmspiegelung melden, entlassen. Herr Kunkel wartete jedoch ab. Als im Frühjahr des darauffolgenden Jahres wieder ein Schub mit Durchfall begann, wollte er auf keinen Fall ins Krankenhaus. Die ambulante hausärztliche bzw. internistische Behandlung bestand erneut in der Gabe von Cortison. Allerdings ließ sich ein stationärer Aufenthalt nicht vermeiden. Herrn Kunkel wurde geraten, er solle sich in einem Darmzentrum vorstellen, er habe eine Darmentzündung. Dass die Diagnose Colitis ulcerosa lautet, hat Herr Kunkel aber erst später, vor ungefähr zwei Jahren erfahren.

Herr Kunkel beschreibt die Suche nach einer kompetenten Behandlung als wahre Herausforderung: Er wohnt sehr ländlich, hat keine große Auswahl bezüglich der Ärzte. So ist er z.B. mit seinem Hausarzt und auch mit dem Internisten nicht zufrieden, die entweder von Vornherein die Verantwortung für seine Behandlung ablehnen oder sich in Konkurrenz zu Empfehlungen des Krankenhauses oder anderer Fachärzte fühlen.

Eine weitere Schwierigkeit sieht Herr Kunkel in seiner persönlichen Situation als Selbstständiger. Er ist Besitzer einer großen Obstbaumanlage, die dazu führt, dass krankheitsbedingte Ausfälle nicht aufgefangen werden, und er auch aufgrund des großen, wenngleich nicht zwangsläufig rentablen Landbesitzes keinen Anspruch auf Sozialhilfe hat. Auf der anderen Seite ist seine Expertise als Fachmann für Apfelanbau eine Quelle der Freude und Kraft, vor allem auch der Anerkennung: Er bietet im Internet auf einer vielbesuchten Seite persönliche Beratung bei Fragen zum Apfelanbau an – im privaten wie auch kommerziellen Bereich – und er ist eingeladen auf ländlichen Festen. Vor allem Besuche in Schulen und Kindergärten machen ihm sehr große Freude. Leider mussten diese Besuche immer wieder ausfallen, weil er sich solche Herausforderungen in einem akuten Schub mit bis zu 30 Toilettengängen am Tag nicht zutraute.

Als Unterstützung bei dem Leben mit Colitis ulcerosa nennt Herr Kunkel neben seiner verständnisvollen Ehefrau auch ein Internetforum, das ihm neben Informationen auch emotionalen Beistand bietet. Er sieht die Krankheitsschübe ausgelöst aus einer Mischung aus Körper („falsch gegessen“) und Seele („das ist also der Kopf, der das dann alles anschiebt“).

Das Interview wurde am 24.08.2012 geführt. 

Alle Interviewausschnitte von Josef Kunkel

Josef Kunkel hatte starke Nebenwirkungen vom Cortison und Entzugserscheinungen, als er das Medikament abgesetzt hat.

Josef Kunkel berichtet von seiner schwierigen Arztsuche.

Josef Kunkel kam wegen eines Schubes ins Krankenhaus. Es folgte eine Darmspiegelung und Beratung.

Josef Kunkel achtet immer darauf, dass in einem Zweierzimmer ein Ersatzklo da ist.

Josef Kunkel findet, dass man in großen Krankenhäusern häufig nur eine Nummer ist.

Für Josef Kunkel kann der Gang zur Apotheke sehr teuer werden.

Josef Kunkel versucht seine Fahrten zum Arzt so zu planen, dass er in der Stadt noch andere Dinge erledigen kann.

Josef Kunkel findet es schwer, die Erkrankung anzunehmen.

Josef Kunkel kommt immer dann gut klar mit dem Essen, wenn er selbst angebaute Produkte aus seinem Garten isst.

Josef Kunkel hat ein Essenstagebuch geführt, als es ihm schlecht ging. Geholfen haben ihm auch die Ratschläge einer Heilpraktikerin; genauso das selbstangebaute Essen.

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