Die Erfahrungen von Jonathan Rusch

Portrait Jonathan Rusch ist zum Zeitpunkt des Interviews im November 2011 36 Jahre alt. Er ist arbeitslos und lebt alleine. Im Jahr 1997 wurde die Diagnose Morbus Crohn gestellt. Herr Rusch hat einer Veröffentlichung seines Interviews in der Videoversion zugestimmt.

Jonathan Rusch bemerkte die ersten Symptome im Sommer 1997. Da der Durchfall mehrere Tage anhielt, konsultierte er den Hausarzt. Die verschriebenen Medikamente gegen einen Magen-Darm-Virus zeigten keine Wirkung, also wurde eine Überweisung zu einem Internisten ausgestellt. Die Behandlung dort brachte ebenfalls keine Besserung, also suchte er sich eine andere Hausärztin, bei der er auch heute noch in Behandlung ist. Bei einer Blutabnahme stellte die Ärztin erhöhte Entzündungswerte fest. Die darauffolgende Magenspiegelung brachte jedoch keine genaue Diagnose. Herr Rusch wurde in ein Krankhaus überwiesen. Dort verzichtete man jedoch auf eine Darmspiegelung, weil ausgerechnet zu dem Zeitpunkt die Beschwerden verschwanden. Die Ärzte vermuteten psychosomatische Ursachen. Als die Beschwerden einige Zeit später wiederkamen und sogar schlimmer wurden, führte die Hausärztin eine Darmspiegelung in ihrer Praxis durch. Dabei fiel ihr eine Entzündung im Darm auf. Die Diagnose Morbus Crohn stand dann einige Zeit später fest. 

Zuerst wurde die Erkrankung mit entzündungshemmenden Medikamenten behandelt, später erhielt er Cortison. Sein Zustand wurde mal besser, mal schlechter. Herrn Rusch wurde eine Behandlung mit Antikörpern (Infliximab) vorgeschlagen, die er jedoch aufgrund von starken Nebenwirkungen ablehnte. Ende 2004 wurden die Beschwerden jedoch so stark, dass er ein neues Medikament, ein Immunsuppressivum (Methotrexat - MTX), ausprobierte. Die Symptome verschwanden komplett, und Herr Rusch lebte drei Jahre lang beschwerdefrei. Da er starke Nebenwirkungen in der Zukunft befürchtete, wollte er gerne das Medikament absetzen. Die Beschwerden kamen wieder, und da verschiedene Naturheilverfahren keine Wirkungen zeigten, bekam er erneut Cortison und MTX, diesmal leider ohne Wirkung, ebenso wie ein weiteres Medikament (Adalimumab). Von ärztlicher Seite wurde ihm erneut Infliximab vorgeschlagen. Diesmal ließ sich Herr Rusch auf den Vorschlag ein, sein Körper zeigte jedoch eine allergische Reaktion.

Herr Rusch erinnert sich, die Feststellung der Diagnose Morbus Crohn als Erleichterung erlebt zu haben: Endlich wusste er, was er hatte. Die Ursache der Erkrankung ist für Herrn Rusch jedoch unbekannt, und er ist der Meinung, dass es nichts bringt, sich über die Entstehung viele Gedanken zu machen. Er kann sich jedoch vorstellen, dass die Psyche dabei eine Rolle spielt. Der Gastroenterologe schlug bereits eine Entfernung des Dickdarms vor, das behält sich Herr Rusch jedoch lediglich als allerletzte Therapieoption vor. 

Herr Rusch ging schon immer sehr offen mit seiner Erkrankung um und hat davon den Menschen sowohl in seinem beruflichen wie sozialen Umfeld erzählt. Die Erkrankung zwinge ihn viel zu Hause zu sein. Deshalb habe er nur wenige Freunde. Er tauscht sich jedoch gern und oft mit anderen Betroffenen in unterschiedlichen Internetforen aus. Daraus haben sich Kontakte entwickelt, bei denen es nicht nur um die Erkrankung geht.

Das Interview wurde am 08.11.2011 geführt.

Alle Interviewausschnitte von Jonathan Rusch

Jonathan Rusch empfindet die Frage nach „dem“ Auslöser als unwichtig. Für ihn ist die Beschwerdefreiheit viel entscheidender.

Gut an Selbsthilfegruppen sei, dass man sich nicht nur über Erkrankungen, sondern auch über private Sachen unterhält, findet Jonathan Rusch.

Jonathan Rusch setzt große Hoffnung in die Medikamentenforschung.

Für Jonathan Rusch hat während seiner Reha andere Menschen kennen gelernt und die Freizeit genossen.

Jonathan Rusch hat nicht darunter gelitten, dass lange Zeit nicht klar war, ob er Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa hat.

Jonathan Rusch war erleichtert, als die Diagnose klarstellte, dass seine Beschwerden nicht psychisch bedingt waren.

Da ein Medikament gut gewirkt hat, hatte Jonathan Rusch drei Jahre lang kaum Beschwerden.

Auf der Suche nach einem geeigneten Medikament hat Jonathan Rusch schon viel ausprobieren müssen.

Für Jonathan Rusch sind homöopathische Medikamente eher etwas für leichte Beschwerden, während bei schweren Erkrankungen „Chemie“ nötig ist.

Jonathan Rusch hofft, dass ein neues Medikament gut bei ihm wirkt; andernfalls zieht er eine Operation in Betracht.

Jonathan Rusch empfand den Aufenthalt in der Kurklinik als einen kleinen Urlaub.

Jonathan Rusch vermeidet alles, was bläht – besonders dann, wenn sein Darm „sehr aktiv“ ist.

Artikelaktionen

Förderung dieses Moduls