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Brustaufbau, Prothese

Muss eine oder müssen beide Brüste teilweise oder ganz abgenommen werden, sind unsere Interviewpartnerinnen mit der Frage konfrontiert, ob sie entweder gleich bei der ersten Operation einen Brustaufbau vorbereiten oder durchführen lassen wollen oder eine Rekonstruktion zeitlich aufschieben. Manche ließen den Brustaufbau erst über zehn oder fünfzehn Jahre nach der Brustabnahme machen. Einige unserer Interviewpartnerinnen lehnten eine Brustrekonstruktion grundsätzlich ab und nutzten auch keine Hilfsmittel, um die Einseitigkeit oder die Unterschiedlichkeit beider Brüste optisch nach außen auszugleichen.

Nach 16 Jahren Prothese ließ Petra Schuler einen Brustaufbau durchführen.

Ein Brustaufbau kam für Elke Ferch nicht in Frage.

Als Argumente gegen einen Brustaufbau führen unsere Interviewpartnerinnen Funktionseinschränkungen, Schmerzen und das Alter an. Gerda Martin, 70 Jahre alt, sagt zum Beispiel: „Ich wollte es meinem Körper einfach nicht mehr antun.“ Auch einige jüngere Interviewpartnerinnen äußern Respekt vor der langwierigen Operation, der Vollnarkose und den möglichen Schmerzen hinterher. Einzelne Frauen berichten, dass ihnen Ärztinnen und Ärzte mitgeteilt hätten, dass eine Rekonstruktion bei ihnen nicht möglich sei.

Für Sonja Zeiss-Wengler kommt Funktion vor Ästhetik: Sie entschied sich erst einmal gegen einen Brustaufbau.

Die Operation zur Brustrekonstruktion kann auf verschiedene Weise durchgeführt werden: Unsere Interviewpartnerinnen berichten von ihren Erfahrungen mit einem Expander zur Dehnung der Brust, mit Silikon-Implantaten und Rekonstruktionen mit Muskel- (Latissimus Dorsi) oder Eigenfettgewebe (u.a. DIEP-Flap Methode). So unterschiedlich wie die Operationsmethoden und die individuellen körperlichen Voraussetzungen der Interviewpartnerinnen sind, so vielfältig sind auch die Berichte von der Zufriedenheit über das Ergebnis der Operation. Während manche Schwierigkeiten schildern, sich an die mit Muskelgewebe aufgebaute Brust zu gewöhnen, beschreiben andere das Ergebnis der Operation als „hervorragend“. Julia Bring ist nach der beidseitigen Brustrekonstruktion mit Silikonimplantaten zufriedener als vorher, sie erzählt augenzwinkernd: „Einen Vorteil muss es haben, wenn schon Krebs, dann wenigstens jetzt schöne Brüste. Andere bezahlen dafür Geld und ich kriege es so.“

Doris Teller wurde bei der Brustentfernung gleich ein Expander eingefügt. Nach einem Jahr kam ein Implantat rein.

Eva Manz erhielt einen Brustaufbau mit Muskelgewebe. Das Zusammenziehen der Brust bei Bewegungen befremdet sie.

Nicole Bissinger erhielt einen Brustaufbau mit der DIEP-Flap Methode.

Claudia Kressmann beschreibt, wie ihre Brust mit Eigenfettgewebe rekonstruiert wurde.

Manche unserer Interviewpartnerinnen erzählen von Korrektur- und Anpassungs-Operationen, die der Brustrekonstruktion folgten. Einzelne gaben wegen der vielen Komplikationen den Brustaufbau wieder auf, andere stellte das Ergebnis nicht zufrieden. Silvia Litsching zum Beispiel war unglücklich, da sich ihr Silikonimplantat kalt und wie ein „echter Fremdkörper“ anfühlte, wie sie sagt. Sie ließ es sich wieder entfernen und trägt heute eine Prothese. Wieder andere der Erzählerinnen sind sehr zufrieden, froh und dankbar für den Brustaufbau.

Während Manuela Weber viele Komplikationen mit dem Brustaufbau hatte, kümmert sie sich heute nicht mehr darum.

Helga Dietrich ist stolz, dass sie den Brustaufbau hat machen lassen.

Einige unserer Interviewpartnerinnen, die sich gegen einen Brustaufbau entschieden haben, berichten davon, dass sie gleich nach der Brustoperation im Krankenhaus eine Beratung zu verschiedenen Hilfsmitteln erhalten haben, um die operierte beziehungsweise ganz abgenommene Brust optisch auszugleichen. Brigitte Rose erzählt beispielsweise, dass sie von einer Sanitätshaus-Vertreterin aufgesucht wurde, die ihr verschiedene Silikonmodelle gezeigt habe und verschiedene BHs in der passenden Größe. Sie fand es sehr praktisch, sich nicht selbst auf den Weg machen zu müssen. Katrin Oppelner fand diese Erstversorgung im Nachhinein aber nicht so toll, sie sei so kurz nach der Operation dafür gar nicht aufnahmefähig gewesen. Zudem sei die Operationsnarbe noch geschwollen gewesen und später hätte der BH nicht mehr gepasst und sie musste ihn auf dem Postwege wieder umtauschen. Manche Interviewpartnerinnen, wie Waltraud Amann, bekommen Tipps von der Krankenschwester: Sie solle ein nicht so starkes Deo benutzen, wurde ihr u.a. erklärt. Wie aber fühlt sich eine Prothese (auch Epithese genannt) an? In den Interviews ist öfters das Wort „Fremdkörper“ zu hören. Einige Frauen empfinden die Prothese als solche, andere, wie Andrea Jesse aber gerade auch nicht.

Für Andrea Jesse ist die Prothese kein Fremdkörper mehr. Auch die BHs findet sie schön.

Für einige Interviewpartnerinnen bleibt das Tragen einer Prothese ein Problem, sowohl durch das Fremdheitsgefühl als auch durch körperliche Beeinträchtigungen wie Schmerzen im Halswirbelbereich oder Migräne aufgrund des Gewichts der Prothese, so dass sich manche später für einen Brustaufbau entschieden. Andere kommen heute gut klar damit. Monika Hechstein zum Beispiel hatte früher gar keinen BH getragen und brauchte ca. ein Jahr Zeit, sich an den Umgang mit der Prothese im BH zu gewöhnen. Viele unserer Erzählerinnen haben die Wahl ihrer Kleidung an das Tragen der Prothese angepasst.

Für Ute Schuhmacher war es jedes Mal eine Überwindung, die Prothese in den BH zu schieben.

Brigitte Rose möchte nicht ohne Prothese sein und richtet sich mit ihrer Kleidung darauf ein.

Viele unserer Interviewpartnerinnen finden, dass das Schwimmen mit Prothese besondere Herausforderungen mit sich bringe. Während manche mit der Silikoneinlage im Badeanzug keine Probleme haben, machten andere peinliche Erfahrungen: Die Prothese verrutschte. Ohne Prothese zu baden ist für viele eine Überwindung, aber Iris Ludwig nimmt sich das für den Urlaub vor.

Claudia Kressmanns Prothese machte sich im Pool selbstständig.

Das Schwimmen mit Badeprothese geht für Kirsten Seifert einwandfrei.

Spezial-Badeanzüge und BHs sowie entsprechende Prothesen können sich die Frauen in einem Sanitätshaus besorgen. Nicht alle unserer Interviewpartnerinnen machten gute Erfahrungen mit dieser Einrichtung. Allein das Wort „Sanitätshaus“ stigmatisiere und manche der Erzählerinnen fühlen sich an schwere Behinderungen erinnert. Andere sind zufrieden mit der Beratung im Sanitätshaus und finden auch das Angebot schön. Einige der Interviewpartnerinnen entwickelten kreative Ideen, wie man mit dem Angebot an BHs und Prothesen umgehen kann. Auch Iris Ludwig probiert verschiedene Dinge aus und holt sich Anregungen auf Internetseiten von Transvestiten. Dort fände sie „super Ideen“ für weibliche Dessous, berichtet sie.

Waltraud Amann fühlte sich gut beraten im Sanitätshaus.

Elke Ferch bedauert, dass es keine Dessous für Frauen nach einer Brustoperation gibt.

Monika Hechstein fand die Badeanzüge für Prothesen omamäßig und entwickelte eine kreative Lösung.

Heike Tschirner beschloss nach dem Ausprobieren von BH und Prothese vor dem Spiegel, gar keine Hilfsmittel einzusetzen. Sie möchte auch kleinen Brustaufbau. Auf die Stelle der abgenommenen Brust hat sie sich ein Tattoo anbringen lassen. (Link Brustverlust)

Heike Tschirner will nicht so tun, als sei die Brust noch da und lehnt es ab, eine Prothese zu tragen.

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