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Die Erfahrungen von Julia Bring

Portrait Julia Bring ist 28 Jahre alt. Im August 2010, zwei Monate nach ihrer Hochzeit, erhielt sie die Brustkrebsdiagnose. Da sie BRCA1-Genträgerin ist, ließ sie sich Brüste und Eierstöcke entfernen. Ein Jahr später hatte sie ein Rezidiv. Sie bedauert, dass sie ihren Beruf nicht mehr ausüben kann.

Sie und ihr Ehemann planten gerade, ein Kind zu bekommen, als eine Mammographie und Biopsie zur Diagnose führten. Da sie erst 25 Jahre alt war, wurde Julia Bring von ihren ÄrztInnen „komplett auf den Kopf gestellt.“ Seither weiß sie, dass sie Trägerin des BRCA1-Gens ist.

Julia Bring unterzog sich zunächst einer Chemotherapie. Ihr wurde eine brusterhaltende Operation vorgeschlagen, doch sie entschied sich für die Abnahme und gleichzeitiges Wiederaufbauen der Brüste mit Silikon. Um die Hauptrisikostellen zu minimieren, ließ sie vorsorglich auch die Eierstöcke entfernen. Aus Angst, das Gen zu vererben, verzichtete sie auf das Einfrieren von Eizellen. Die Liebe und Zuneigung, die ihr eigenes Kind bekommen hätte, möchte sie an die Kinder ihres Mannes und ihre Nichten und Neffen weitergeben.

Den Reha-Aufenthalt nach der Operation in einer Klinik speziell für junge KrebspatientInnen beschreibt sie als „super“ und wünscht sich ein größeres Angebot solcher Einrichtungen: Als junge Krebspatientin fühle sie sich manchmal wie ein „seltenes Exemplar“ – man werde häufig „vergessen“.

Ein Jahr nach Therapieabschluss wurde ein Rezidiv in der Achselhöhle diagnostiziert. Julia Bring sei in ein großes Loch gefallen. Dennoch kam für sie nicht infrage, aufzugeben. Diesmal erfolgte zunächst eine Operation, dann eine Chemotherapie, anschließend eine Bestrahlung. Ihre größte Sorge war, weiter an Gewicht zuzunehmen: Schon bei der Ersterkrankung wurden es durch die Einnahme von Cortison 20 Kilo mehr. Trotz Ernährungsumstellung und Beratung kann sie es nicht reduzieren. Auch wenn ihr Ehemann sie so liebe, wie sie ist, fühle sie sich wenig attraktiv und schäme sich für ihr Dicksein. Schwer für ihre Familie seien auch ihre unkontrollierbaren Wutausbrüche während der Chemotherapie gewesen. Die Psychologin gab ihr den Tipp, einen Wutball zu kneten. „Hat funktioniert“, erzählt Julia Bring.

Während der Behandlung hatte sie finanzielle Probleme und Schwierigkeiten mit der Krankenkasse. Wäre sie nicht verheiratet gewesen, so hätte sie Hartz-IV beantragen müssen, berichtet sie. Aufgrund eines Lymphödems muss sie umschulen und fragt sich, wer sie wohl einstellen werde.

Julia Bring konnte ein Stück weit Normalität wiedergewinnen. Malen sei ihre beste Therapie gewesen. Da das Leben zu schade sei, um Sachen ständig aufzuschieben, plant Julia Bring, einen Motorradführerschein zu machen. Sie habe beschlossen, glücklich zu sein, um gesund zu bleiben.

Das Interview wurde Mitte 2013 geführt.

 

Alle Interviewausschnitte von Julia Bring

Julia Bring findet, dass ihre ÄrztInnen alles richtig gemacht haben.

Julia Bring gibt ohne Kampf nicht auf.

Julia Bring fand, die Kinder ihres Mannes sollten es nicht sehen, wenn es ihr nach der Chemo schlecht ging.

Zu erfahren, dass sie ein Rezidiv und Metastasen hat, war für Julia Bring die Hölle. Sie bekam ein Schlafmittel.

Julia Bring war bei einer Reha für junge Erwachsene, besonders das Sportprogramm überzeugte sie.

Für Julia Bring ist Malen die beste Therapie.

Julia Bring entschied sich wegen des Gens gegen Kinder und ließ das Drüsengewebe und die Eierstöcke entfernen.

Julia Bring fühlt sich als junge Frau mit Brustkrebs wie ein „seltenes Exemplar“.

Julia Bring beschreibt die Trockenheit im Schambereich durch die Hormontherapie als „Wüste Gobi“.

Für junge Frauen sollte es noch mehr Gesprächsangebote geben, findet Julia Bring.

Julia Bring erkrankte innerhalb von drei Jahren zum zweiten Mal und bekam kein Krankengeld mehr.

Julia Bring findet Halt bei Gleichaltrigen in der Junge-Erwachsenen-Reha, kein Kind bekommen zu können.

Julia Bring erzählt, dass sie Schlauchtücher trug, die sie verschönerte und zu ihrer Kleidung passend machte.

Julia Bring möchte nicht zu viel Hilfe und knetet gegen ihre Wutausbrüche einen Wutball.

Julia Bring erzählt, dass man sie angehalten habe, nicht über das Sterben zu sprechen.

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