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Die Erfahrungen von Iris Ludwig

Portrait Iris Ludwig war 30 Jahre alt, als ihr 2001 die Brustkrebsdiagnose gestellt wurde. Durch ihren medizinischen Beruf kannte sie bereits den Behandlungsweg von Krebspatientinnen. Zehn Jahre später wurde ein Rezidiv diagnostiziert. Ihr Ehemann und ihre zwei Kinder nehmen eine besondere Bedeutung für ihre Krankheitsbewältigung ein.

Nachdem sie die Diagnose erhielt, habe sie sich wie in einer schalldichten Kugel gefühlt, erinnert sich Iris Ludwig: Die Stimme ihres Arztes war weit weg und sie war unfähig, zu reagieren. Annehmen konnte sie das Biopsieergebnis damals nicht.

Die Chemotherapie wurde bereits vor der brusterhaltenden Operation eingeleitet, eine Bestrahlung folgte. Der Haarverlust belastete die damals junge Mutter eines Sohnes sehr: Sie fühlte sich in der Öffentlichkeit als kranke Frau stigmatisiert. Das nötige Selbstvertrauen, zu ihrer Krankheit zu stehen, habe sie damals noch nicht besessen.

In den Jahren zwischen ihrer Erst- und Zweiterkrankung wurde sie immer glücklicher. Sie fühlte sich, als trage sie einen Rucksack, der mit jeder geschafften Etappe leichter wurde, beschreibt sie ihren damaligen Zustand bildlich. Iris Ludwig informierte sich mit ihrem Ehemann über eine Schwangerschaft nach Brustkrebs. 2006 kam ihre Tochter zur Welt.

Bei der Zweitdiagnose ging sie fest davon aus, dass alles wieder gut werde. Um anderen Frauen Mut zu geben, führte sie ein Foto-Tagebuch. Sie entschloss sich, die Brust abnehmen und durch ein Implantat wieder aufbauen zu lassen, was sie allerdings ein Jahr später aufgrund von Hautproblemen durch die Bestrahlung wieder entfernen ließ. Über die Frage ihrer Tochter: „Weiß der Papa, dass da etwas fehlt?“, konnte sie herzhaft lachen.

Die zweite Chemotherapie kurz vor Weihnachten habe sie „umgeschmissen“: Körperlich sehr geschwächt, lieh sie sich gelegentlich den Rollator ihrer Mutter aus, um sich fortzubewegen. Auch die Entzündung der Mundschleimhaut empfand sie als äußerst unangenehm und schmerzhaft. Über die Bilder, die ihre Tochter zu jeder Chemotherapie malte, freute sie sich in dieser Zeit sehr.

Besondere Bedeutung misst Iris Ludwig dem familiären und sozialen Umfeld bei. Sie sei während der Erkrankung eine ganz andere Person gewesen. Das Umfeld solle daher Verständnis für die Beschwerden und Gefühlslagen aufbringen und Sicherheit bieten. Dafür wünsche sich Iris Ludwig Beratungsstellen, die dem Austausch von Betroffenen und Erkrankten erleichtern.

Nach der Zweitdiagnose habe sie mehr Angst vor dem „Gehen“ als vorher. Mit diesem Gefühlszustand müsse sie allerdings zu leben lernen, denn der Krebs gehöre zu ihr dazu. Doch solange sie bei ihrem Ehemann und ihren Kindern sei, fühle sie sich gesund – die Familie ist ihr Glück.

Interview wurde Mitte 2013 geführt.

 

Alle Interviewausschnitte von Iris Ludwig

Iris Ludwig lehnte bei der Ersterkrankung den Port ab. Bei der zweiten Chemotherapie fand sie ihn klasse.

Iris Ludwig erkrankte in der Anfangszeit einer neuen Partnerschaft, die ihr für die Genesung gut tat.

Iris Ludwig ging bewusst nicht in eine Selbsthilfegruppe, denn von anderen zu hören, ziehe sie runter.

Für Iris Ludwig ist die Nutzung des Schwerbehindertenausweises im Alltag fraglich.

Fünf Jahre nach ihrer Erkrankung bekommt Iris Ludwig eine Tochter.

Iris Ludwig ist vorsichtig, mit wem sie über den Krebs spricht, weil sie sonst das Gegenüber auffangen müsse.

Iris Ludwig erzählt, wie sie versucht, ihre Angst vor dem Sterben zu tolerieren.

Iris Ludwig hat ihrer Tochter gegenüber das Wort Krebs vermieden.

Iris Ludwig will keine Reha, sondern bei ihrer Familie bleiben, um gesund zu werden.

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