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Portrait

Die Erfahrungen von Helga Dietrich

Helga Dietrich ist 60 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Kinder. Mit 41 Jahren bekam sie die Diagnose, als sie mit ihrem Mann und den noch zwei minderjährigen Kindern gerade in eine neue Stadt gezogen war. Kurz nach der abgeschlossenen Behandlung wurde ein Rezidiv festgestellt. Das Erleben der Erkrankung habe sie stark gemacht, sagt sie heute.

Bei der ersten Diagnose konnte Helga Dietrich brusterhaltend operiert werden. Es folgten eine Chemotherapie und eine Bestrahlung. Als sie kurz darauf die zweite Diagnose erhielt, musste die Brust abgenommen werden. Die ganze Behandlung wurde noch einmal durchgeführt, zusätzlich eine Hyperthermiebehandlung. Insgesamt ist sie an der betroffenen Seite wegen Wundheilungsstörungen und auch gutartiger Befunde sechs Mal operiert worden. Sie habe daraufhin nicht mehr aufrecht gehen können, weil ihre Haut spannte, erzählt Helga Dietrich. Da sie eine große Prothese brauchte, die sehr schwer war, bekam sie Halswirbelprobleme und Migräneanfälle. Aufgrund des fehlenden Bindegewebes durch die Operationen und einer Verklebung der Haut an den Rippen sei zum damaligen Zeitpunkt kein Brustaufbau möglich gewesen.

Ihre Kinder während ihrer Behandlung gut aufgehoben zu wissen, habe sie sehr beruhigt und so ist sie sehr dankbar für die Unterstützung, die sie dafür am neuen Heimatort erhielt. Mit ihren Kindern redete sie ganz offen über die Erkrankung, da sie denke, dass dies es den Kindern leichter mache. Sie berichtet, dass sie sich damals viel mit sich selbst beschäftigt und viel Zeit mit Informationssuche verbracht habe, so dass sie und ihr Mann sich voneinander entfernt hätten. Es habe lange gedauert, bis beide die bei der Erkrankung entstandenen Gefühle in gemeinsamen Gesprächen verarbeiten konnten. Dadurch hätten sie auch sexuell wieder zusammengefunden. Sie erzählt, dass ihr Mann Angst gehabt habe, ihr weh zu tun, wenn er sie anfasste und dass sie selbst auf ihren Mann zugegangen sei und ihm die Berührungsängste genommen habe.

Zehn Jahre nach der Brustabnahme besuchte Helga Dietrich einen Vortrag über DIEP Flap mit Bauchfettgewebe und erfuhr, dass diese Methode eine Option für sie sei. Sie ließ die Operation durchführen und fühle sich seitdem wieder als „vollwertige Frau.“

Helga Dietrich ist aktiv in der Selbsthilfe und trifft sich noch regelmäßig mit Bekannten aus ihrem Reha-Aufenthalt, nicht nur um fachliche Informationen auszutauschen, sondern auch um das Lebensglück zu genießen und Schabernack zu treiben, wie sie lachend erzählt.

Das Interview wurde Anfang 2013 geführt.

 

Alle Interviewausschnitte von Helga Dietrich

Helga Dietrich findet, man solle der Krankheit mit offenen Augen begegnen.

Helga Dietrich bittet Pflegende, nicht böse zu sein, wenn eine Patientin einmal ausrastet.

Helga Dietrich ist stolz, dass sie den Brustaufbau hat machen lassen.

Helga Dietrich führte ihrem Mann die Hand und zeigte ihm, dass er sie streicheln kann.

Weil Helga Dietrich keine Kraft mehr hatte, Vollzeit zu arbeiten, reduzierte sie.

Helga Dietrich veränderte sich und fand neue Freunde.

Helga Dietrich möchte nicht, dass ihr Mann ein schlechtes Gewissen hat, wenn er arbeiten geht.

Helga Dietrich kämpfte für ihre Familie. Nach der Therapie flog sie mit ihren Kindern in den Urlaub.

Helga Dietrichs Arzt verordnete, dass sie nur noch zehn Kilo heben darf.

Helga Dietrich hilft es, jeden Abend zu beten.

Helga Dietrichs Tochter will nicht wissen, ob sie selbst Brustkrebs-Genträgerin ist.

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