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Portrait

Die Erfahrungen von Heike Tschirner

Heike Tschirner ist 53 Jahre alt, lebt allein und hat einen erwachsenen Sohn. Aufgrund der Schwere der Brustkrebserkrankung, die 2006 diagnostiziert wurde, ist sie bereits berentet. Seither hat sie finanzielle Probleme. 2009 entdeckte man Metastasen in mehreren Organen, es gibt den Verdacht auf Hirnmetastasen. Angesichts der Unheilbarkeit kämpft Heike Tschirner um eine gute Lebensqualität.

Es erfolgte eine einseitige Brustabnahme und eine Chemotherapie, die Heike Tschirner sehr schlecht vertragen hat. Seit dem Metastasen-Befund lehnt sie Behandlungen mit hoher Belastung daher ab. Bei der aktuellen Chemotherapie in Tablettenform verspüre sie kaum Nebenwirkungen.

Die Diagnose und die Entdeckung der Metastasen seien für ihren heute 25-jährigen Sohn sehr schlimm gewesen. Er habe alles hautnah miterlebt.

Auf einen Brustaufbau und das Tragen einer Prothese hat sie bewusst verzichtet, weil sie es einfacher findet, wenn die Einseitigkeit für jeden sichtbar sei und sie deshalb nichts zu erklären brauche. Sie bedauere nur, dass es keine BHs mit nur einem Körbchen gäbe. An die Stelle der abgenommen Brust hat sie sich ein Tattoo stechen lassen und sie erzählt, dass sie dafür viel positives Feedback erhalte.

Ihre prognostizierte Lebenserwartung ist bereits überschritten. Sie fühle sich wie auf einem Schleudersitz, sagt sie, dessen Fernbedienung aber jemand Unbekanntes habe. Sie müsse darauf eingestellt sein, morgen zu sterben, sie könne aber auch noch weitere 20 Jahre leben. Sich in diesem Spagat zu befinden, sei nicht leicht.

Belastender als die Erkrankung selbst empfand Heike Tschirner den Umgang mit Behörden und den wirtschaftlichen Überlebenskampf, als sie nicht mehr arbeiten konnte. Trotz ihrer 30-jährigen Berufstätigkeit im Krankenhaus reicht ihre Frührente nicht aus und sie bekommt zusätzlich Harz IV. Gewünscht hätte sie sich einen Manager für die Korrespondenz mit den Behörden, da sie die Auseinandersetzung viel Kraft und Nerven gekostet habe.

Heimwerken und Gartenarbeit helfe ihr, die Wut rauszulassen und einen Ausgleich zu finden. Während der Chemotherapie habe sie die beschwerdefreie Zeit exzessiv genutzt, um Partys zu besuchen und Freunde zu treffen. Sie gehe sehr offensiv mit ihrer Erkrankung um und habe dadurch viele gute Gespräche. Im Internet schreibt sie einen Blog, für den sie von anderen Betroffenen viel Zuspruch erhält.

Je weniger Zeit Heike Tschirner zum Leben habe, desto mehr versuche sie, im Hier und Jetzt zu sein. Sie lege den Fokus auf positive Dinge und verschiebe Wünsche nicht mehr auf später. So habe sie sich letztes Jahr einen Traum erfüllt und sei Fallschirmspringen gewesen.

Das Interview wurde Ende 2012 geführt.

 

Alle Interviewausschnitte von Heike Tschirner

Heike Tschirner zeigt sich bewusst einseitig und trägt auf der amputierten Seite ein Tattoo.

Heike Tschirner will nicht so tun, als sei die Brust noch da und lehnt es ab, eine Prothese zu tragen.

Heike Tschirner musste wegen starkem Erbrechen während der Chemotherapie in die Klinik.

Heike Tschirner führt einen Blog, das Schreiben im Internet ist für sie Verarbeitungsstrategie.

Heike Tschirner beschreibt die Erwerbsunfähigkeit durch den Krebs als sozialen Abstieg.

Heike Tschirner ist auch ein wenig gespannt darauf, was biochemisch beim Sterben passieren wird.

Heike Tschirner erzählt, dass ihr erwachsener Sohn am Sprechen über ihren Krebs und dem Sterben gereift sei.

Heike Tschirner macht keine Hardcore-Chemo mehr und auch nichts anderes, was ihre Lebensqualität einschränkt.

Heike Tschirner fühlt sich wie auf einem Schleudersitz. Pläne macht sie maximal für sechs Monate.

Heike Tschirner erzählt, dass sich die Lebenssicht durch die Diagnose Metastasen völlig verändere.

Heike Tschirner weiß, dass sie nicht mehr geheilt werden kann, sie konzentriert sich auf das Hier und Jetzt.

Seit sie Metastasen hat, interessiert Heike Tschirner eine gesunde Ernährung nicht mehr, sie isst, was sie will.

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