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Melody Zander vertritt die Meinung, dass das deutsche Schulsystem den Kindern mit AD(H)S keine Unterstützung bietet, sondern sie sogar teilweise bestraft.

Melody Zander: Dann hat sie in der 6. Klasse einen Lehrer bekommen, der Herr (Name des Klassenlehrers). Der hat sie ganz massiv in Deutsch gemobbt. Zu dem Zeitpunkt war das eben auch mit dieser Dyskalkulie. Und ich habe dem Herrn (Name des Klassenlehrers) gesagt, ich möchte gerne, dass er den Mathematiklehrer sagt, dass es Probleme gibt wegen der Dyskalkulie und dass das ganz ganz wichtig ist, dass das einfach, dass er weiß, dass die Fiona nicht kann und das sie ein bisschen Rücksicht braucht. Ich bin danach für zwei Monate in der Psychosomatik gewesen, der Herr (Name des Klassenlehrers) hat nichts weiter gegeben. Und Fiona hatte entsprechend wieder Misserfolgserlebnisse und zudem ist Fiona dann von diesem Herr (Name des Klassenlehrers), den hatte sie in Deutsch, auch gemobbt worden. Da gab es also ganz ganz schlimme Geschichten. Natürlich war ich nicht da zwei Monate. Ich habe dann, das war Oktober, November und im Januar habe ich dann irgendwann mal mein Kind heulend von der Schule abgeholt, zweimal oder dreimal. Der Security Mann damals hat mir gesagt, dass die Fiona sich immer bei ihm ausweint. Die Erziehungsberater an dieser Schule haben die Türen abgeschlossen, wenn die Fiona kam. Also es war ein Drama, so dass ich gesagt habe, ich hole das Kind kein 3. Mal mehr von der Schule ab. Und es zieht sich natürlich, das zieht sich natürlich durch bis in die Arbeitswelt. Ich meine, wer stellt denn ein Kind oder eine Jugendliche ein, die eine fünf in Mathe hat. Dann wird propagiert: „Wir haben ein transparentes, ein durchlässiges Bildungssystem" – mit einer Fünf in Mathe, zeigen sie mir mal. Ich glaube auch nicht, dass es in Bayern, in Bremen oder in Berlin eine weiterführende Schule gibt, die einem jungen Menschen, der vielleicht fünf Sprachen spricht und vielleicht musisch und sprachlich begabt ist, aber in Mathe eine fünf hat, der so einem Menschen ermöglicht, vielleicht das Abitur zu machen – gibt es nicht. Es gibt kein transparentes Bildungssystem für solche Menschen. Dass heißt, die müssen froh sein, dass sie überhaupt einen Abschluss kriegen und in der Regel ist es so, dass ausgesiebt wird, dass die spätestens in der 4. Klasse auf der Sonderschule landen. Es wird nicht wirklich geschaut, ob diese Menschen Fähigkeiten haben, die besonders sind. Es wird nicht geschaut, ob man diese Fähigkeiten vielleicht unterstützen kann, weil jede besondere Fähigkeit ist für eine Gesellschaft ein Vorteil und ein Mensch der nicht rechnen kann, der wird sicherlich nicht Mathematik studieren wollen, aber der wird sicherlich in anderer Art und Weise irgendwas positives der Gesellschaft beisteuern können. Ich meine, ich habe mehr als eine Schule angerufen also in diesen ganzen Wechselzeiten, weil ich Angst hatte. Mein Gott, ich muss das Kind in irgendeine Schule schicken, sonst kriege ich noch einen Strafzettel, weil ich mein Kind nicht in die Schule schicke. Wie oft habe ich gehört: „Frau Zander, wir haben genügend Problemkinder, wir brauchen nicht noch eins." Also ich meine, was wollen sie da machen? Sich die eigene Schule backen? Wenn ich könnte, ich würde eine super Schule backen. Auf jeden Fall mit super Personal, mit super Pädagogen, davon bin ich überzeugt. Ich glaube, wenn ich was zu sagen hätte, würden wahrscheinlich höchstens, zwei Prozent der Lehrkräfte übrig bleiben. Die restlichen 98, ich weiß nicht was ich mit denen machen würde. Ich würde sie vielleicht auf die Straße schicken zum Straßen putzen. Also nicht an Menschen ranlassen. Es ist traurig zu sehen, was Menschen, die eine gewisse Hierarchiestufe haben, was die für einen Schaden anrichten können. Das ist traurig und es tatsächlich auch ausnutzen. Ich meine, ich bin auch mal in die Schule gegangen. An die Schule denke ich auch nicht sehr gerne zurück. Ich hatte auch Pädagogen, wo ich heute im Nachhinein denke, da hat sich nicht sehr viel verbessert, aber es ist eben heute eine andere Zeit wie damals. Damals hat man noch nicht so ausgesiebt, wie man das heute tut mit dem G8 und so weiter. Damals hatte man noch eine Chance als dyskalkuler Mensch oder als Legastheniker, wenn man das Glück hatte vielleicht einen Lehrer zu treffen, der einen so ein bisschen gepuscht hat.
Interviewer: Allein schon mit Hauptschulabschluss konnte man was machen.
Melody Zander: Ja, richtig, was ist heute Hauptschulabschluss wert. Dann kommst ja nicht mal zur Müllabfuhr. Und das sind einfach so Dinge. Ich habe mir auch sagen lassen – wer hat mir das gesagt? – ich glaube, das war eine Lehrkraft, die Frau (Name der Lehrerin), die Geographie Lehrkraft von der Europäischen Schule: „Frau Zander, nicht jedes Kind ist ein Akademiker Kind." Da dachte ich mir: sie hat schon recht. Das ist schon recht. Ich weiß nicht, ob mein Kind ein Akademiker Kind ist. Aber ich meine, ich weiß was meine Tochter kann. Das sind vielleicht nicht unbedingt die Dinge, die man in unserem Schulsystem können muss. Aber ich denke, es gibt sehr viele Dinge, die vielleicht sogar noch wichtiger sind. Aber das wird halt nicht notentechnisch abgefragt. Aber das ist halt die Zeit in der wir leben. Da kann man nur hoffen, dass man das Beste draußen machen kann. Aber es ist schlimm, wenn man wirklich keine Unterstützung bekommt oder hofft das man Unterstützung bekommt und aber eines besseren belehrt ist oder eines besseren belehrt wird, dass es eben nicht so ist.

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