Sie sind hier: Startseite / Erfahrungsbereiche / AD(H)S bei Kindern und Jugendlichen / Personen / Korbinian Burkhardt / Korbinian Burkhardt hält die Aufklärung des Umfeldes nicht immer für eine gute Idee.

Korbinian Burkhardt hält die Aufklärung des Umfeldes nicht immer für eine gute Idee.

Das einzige was halt schwierig ist – hatten wir vorhin schon mal drüber geredet, als die Kamera aus war – also ich habe gesagt, dass in den Broschüren und die Psychiater immer sagen: „Hier, rede doch mal mit deinen Mitmenschen, rede mit deiner Familie, rede mit deinem Arbeitgeber vielleicht." Aber, dass das eigentlich nicht fruchtet – erstens mal ein Thema ist, wo man sehr sensibel ist, was man viel oft mit Versagen und mit Ängsten halt kombiniert, wo man nicht so gerne offen drüber redet. Ich kann das jetzt vielleicht, weil ich das schon öfters mal gemacht habe und jetzt keine 18 / 19 Jahre bin, aber damals konnte ich das vielleicht noch nicht. Und auch so offen über Ängste und Schwächen zu reden ist erst einmal eine große Herausforderung. Und das ist einfach nicht so, dass die Leute sagen: „Das ist ADS und das ist eine Krankheit, wie jede andere oder so." Sondern die Leute – die Toleranz ist da noch nicht da. Es wird extrem emotional diskutiert – auch in Presse und so. Und wenn man in – kommt drauf an natürlich welche Branche man ist, wenn man jetzt vielleicht in der Medizinbranche ist, dann werden die Leute das vielleicht akzeptieren, aber wenn du jetzt irgendwo im Handwerk bist, irgendwie Schreiner, Koch oder weiß nicht was und sagst: „Du sorry, für mich fällt es schwer da pünktlich zu erscheinen und jedes Mal auf die Uhr zu gucken und mich macht das kaputt und jemand mich unfair behandelt und dann mal laut wird." Also da zeigen die dir einen Vogel, wenn du da sagst: „Das ist ADS." Das ist immer so eine Sache. Also ich habe dann – mit meinem engen Freunden diskutiere ich drüber. Ich habe dann teilweise mal versucht in Diskussionen auch oder in Auseinandersetzungen habe ich es mal sogar versucht. Ich habe gesagt: „Na ja, ich habe da auch so eine ADS Problematik“. Und dann sagen sie: „Das meinst du nicht ernst, dass du das jetzt in der Situation anbringst.“ Also, das ist immer so ein Thema. Also es ist ganz komisch wie man jetzt (unverständlich) darüber reden kann. Und ich habe dann auch teilweise keine Lust mehr. Es gibt dann Leute, die sind dann schon pauschal so eingestellt. Ja, das ist wie Politik dann. Manche Leute, die haben dann irgendwo mal gehört X Medikament (Methylphenidat) wird (...) (unverständlich)-Graphen – das haben die mal im Fernsehen gesehen, wie das verschrieben wird. Ja und dann: „Das doch alles Hokuspokus“ und so weiter. „Und das eine Erfindung der Pharmaindustrie. Und nur, weil mein Kind mal ein bisschen zappelt kriegt es jetzt auf einmal Pillen, damit es sich normal verhält." Aber ich denke mal halt, wir sind halt irgendwie eine Gesellschaft, wo auch viel Leistungsdruck ist und wo viel von einem erwartet wird. Man wird viel in so einen Rahmen gezwängt, wie man zu funktionieren hat. Und ADSler haben es halt schwierig, mit diesem ganz normalen Rahmen. 

Artikelaktionen