Sie sind hier: Startseite / Erfahrungsbereiche / AD(H)S bei Kindern und Jugendlichen / Personen / Heiko Münch / Ein Psychotherapeut half Henning Münch, die Mechanismen hinter den Streitigkeiten während der Pubertät besser zu verstehen.

Ein Psychotherapeut half Henning Münch, die Mechanismen hinter den Streitigkeiten während der Pubertät besser zu verstehen.

Und ein weiteres Schlüsselerlebnis war – ich habe später so eine Verhaltenstherapie gemacht, da war ich dann schon in... Wann sie genau angefangen hat, weiß ich nicht. Aber da war ich zuerst bei einer Therapeutin. Aber da war die Therapie irgendwie nicht so gut und deswegen habe dann Therapeuten gewechselt. Und der zweite, da war ich dann in der 11. / 12. Klasse. Also da war ich dann schon 18 glaube ich – das war dann eher in der 13. schon. Und, wenn man ADS oder ADHS hat, ist man auch immer relativ impulsiv, wenn man keine Medikamente nimmt. Und dadurch gab es Zuhause schon immer wieder auch starke Probleme – gerade in der Pubertät und so weiter. Wenn die Eltern Grenzen gesetzt haben, dann habe ich die so nicht akzeptiert. Und da kam es natürlich zu Konflikten. Und ich denke, durch ADS ist das bei mir auch deutlich stärker ausgefallen, wie jetzt bei Kindern und Jugendlichen in der Pubertät, die kein ADS haben. Weil die einfach trotz dem Streit noch nicht so ganz impulsiv reagieren, wie jemand der ADS hat. Dort ist die Impulsivität eben einfach noch größer ausgeprägt – noch stärker ausgeprägt. Und da hat mir der Therapeut quasi so gesagt als wir Zuhause wieder Streit hatten – welcher Streit genau das war, weiß ich jetzt nicht mehr, aber es gab auf jeden Fall Streit – und er hat mir das quasi so bildhaft dargestellt. Und es hilft mir auch heute immer noch, dass ich mir das so vorstellen kann wie so eine Spirale. Wenn der Streit losgeht und dann dreht es sich am Anfang noch relativ langsam und je länger der Streit geht immer schneller, immer schneller. Und dann muss man halt irgendwo einen Ausweg aus der Spirale finden. Und das Bild, das male ich mir immer noch auf heute oder sowas, wenn es zu einer Auseinandersetzung kommt vor Augen und halt mir das vor. Und erinnere mich da selber eben daran, dass jetzt so eine Spirale beginnt zu drehen und dass ich eben aufpassen muss, wozu das Ganze hinführt. Und das war eine Schlüsselerfahrung, wo ich sagen würde, das hat mir wirklich sehr viel geholfen. Nicht nur die Therapie allgemein, die hat extrem viel geholfen, aber eben auch gerade dieses Bild, was Impulsivität und Streits angeht, das war auf jeden Fall ein Schlüsselerlebnis.
Genau. Das hat auf jeden Fall was gebracht. Ist halt schwierig, weil ich wollte immer Ergebnisse sehen. Und da muss halt auch ein Stück weit geduldig sein. Und ich fand das zum Teil irgendwie so uneffektiv. Ich war da und dann hat der ein bisschen mit mir geredet und am Ende dachte ich: „Okay, da hätte ich auch zu einem Kumpel gehen können“. Und unter dem Strich eben, wie ich gesagt habe, mit der Spirale und auch eben ein paar andere Sachen. Zum Beispiel hat der mich einfach puzzeln lassen und hat mir ein Puzzle gegeben und hat gesagt: „So, jetzt puzzele mal." Und ich habe dann eben wild angefangen und dann hat er mir gesagt: „Okay, normal fängt jetzt jemand an und macht erstmal den Rahmen – so die Randteile und so.“ Habe ich alles nicht gemacht. Und da habe ich schon gemerkt: „Okay, das hilft mir irgendwie mich selber ein Stück weit selber zu reflektieren und zu sagen okay, ich bin unstrukturiert in meiner Herangehensweise und das muss ich mir bewusst machen“. Und das hat schon geholfen. Aber man sieht da jetzt nicht sofort Ergebnisse und es dauert halt. Und was auch wichtig ist, man darf nicht die Erwartung haben, dass die Anderen sich ändern. Man muss sich halt selber irgendwie ändern.

Artikelaktionen